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Norddeutschland Digitalisierung an Schulen: Der Nachholbedarf ist groß
Nachrichten Norddeutschland Digitalisierung an Schulen: Der Nachholbedarf ist groß
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20:10 15.08.2018
Schüler arbeiten in einem Klassenraum einer Grundschule an Computern. Quelle: Friso Gentsch/dpa
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Berlin/ Kiel

Erstmals gab es Rückschritte der Bildungsqualität in fast allen Bundesländern im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Das geht aus dem Bildungsmonitor 2018 der INSM hervor, der gestern in Berlin vorgestellt wurde. „Wir brauchen einen neuen Bildungsanspruch und dabei mehr Qualität für bessere Teilhabechancen“, sagt Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM.

Insbesondere in den untersuchten Handlungsfeldern Schulqualität, Integration und Verminderung von Bildungsarmut sind Defizite zu verzeichnen. Dort verschlechterten sich die Ergebnisse deutlich. Die Vergleichsstudie untersucht, inwieweit die Bundesländer Bildungsarmut reduzieren, zur Sicherung des Fachkräfte-Nachwuchses beitragen und Wachstum fördern. Der Bildungsmonitor wird in diesem Jahr zum 15. Mal veröffentlicht.

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Von Platz 13 auf 10

Für Schleswig-Holstein ging es laut der Vergleichsstudie bergauf. Gegenüber dem Vorjahr konnte sich das Bundesland im Gesamtranking verbessern und kletterte vom dreizehnten auf den zehnten Platz. „Die gute Nachricht ist, dass Schleswig-Holstein einen Schritt nach vorn gemacht hat“, kommentiert CDU-Bildungsministerin Karin Prien das Ergebnis.

Ein Steckenpferd Schleswig-Holsteins ist laut der Studie der Bereich der Zeiteffizienz. Das bedeutet, dass nur wenige Kinder verspätet eingeschult werden oder eine Klasse wiederholen. Düster sieht es hingegen bei der Förderinfrastruktur aus. Zu den Schwächen heißt es, dass es nur wenige Hochschulabsolventen gebe und die Bedeutung der naturwissenschaftlichen Fächer zu gering sei. Das Bildungsministerium in Kiel sagt dazu: Aufgaben, die der Bildungsmonitor beschreibt, habe die Landesregierung bereits angepackt.

Erstmals Digitalisierung untersucht

Erstmals wurde in der Studie auch der Bereich der Digitalisierung vertieft untersucht. Im internationalen Vergleich haben deutsche Schulen bei der Computernutzung weiter Nachholbedarf. „Nett ausgedrückt“, sagt Thorsten Muschinski, Landeselternbeirat der Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein. Deutsche lebten im Bereich der Digitalisierung im Steinzeitalter. Sowohl die Lehrmittel als auch die Lerninhalte seien im internationalen Vergleich mangelhaft, sagt er. Auch Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD, kritisiert: „Obwohl die derzeitige Landesregierung ständig von Digitalisierung redet, hat sie in diesem Bereich noch nicht viel Konkretes zustande gebracht.“

Ein weiteres Manko der Länder liege in den IT-Kompetenzen der Schüler: „Für die Digitalisierung brauchen wir eine bessere Ausstattung der Schulen, mehr Lehrerfortbildungen, mehr Austausch über innovative digitale Lehr- und Lernkonzepte“, sagt Pellengahr von der INSM.

Kritik an Studie

Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Schleswig Holstein, Bernd Schauer, hält die Ergebnisse des Bildungsmonitors für fragwürdig: „Bildung ist ein sehr komplexes Gebilde. Sie lässt sich nicht so einfach in eine Art Bundesliga-Tabelle reinquetschen.“ Zudem sei bei der Bewertung des Bildungsmonitors Vorsicht geboten, da die Initiative Soziale Marktwirtschaft einen rein an den Interessen der Wirtschaft orientierten Blick auf Bildung habe.

„Pauschale Rückschritte in der Bildungsqualität können wir so nicht feststellen.“ Die derzeitigen Bildungsausgaben hält auch er für zu niedrig: „Ohne einen noch stärkeren Fokus auf Bildung wird Schleswig-Holstein in Kitas, Schulen und Hochschulen nicht die Ergebnisse erreichen, die für eine moderne Gesellschaft notwendig sind.“

Von Fabian Boerger