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19:23 17.05.2019
Wie lange arbeiten Lehrerinnen und Lehrer wirklich? Der Philologenverband fordert vom Land, die Arbeitszeit jetzt zu erfassen. Quelle: dpa
Kiel

Der Europäische Gerichtshof hatte geurteilt, Firmen müssten die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter systematisch erfassen. Arbeitszeit und Überstunden müssten klar ermittelbar sein. „Das muss auch für Lehrkräfte Konsequenzen haben“, sagt Jens Finger, Chef der Gymnasiallehrer-Gewerkschaft „Philologenverband“ in Schleswig-Holstein. Auch für sie müsse die tatsächliche Belastung der Lehrkräfte erkennbar und für den Dienstherrn transparent werden.

Müssen die Lehrer im Norden bald weniger arbeiten?

Alle bisherigen Arbeitszeituntersuchungen hätten eine „zum Teil erheblichen Mehrbelastung der Lehrkräfte – gemessen an der vorgesehenen und arbeitsrechtlich vertretbaren Arbeitszeit – nachgewiesen“, sagt Jens Finger. Er rechnet mit einer Reduzierung des „besonders in Schleswig-Holstein recht hohen Stundendeputats für Lehrkräfte“.

„Lehrkräfte arbeiten im Durchschnitt weit über die tariflich vereinbarte oder beamtenrechtlich festgelegte Arbeitszeit hinaus, auch in Schleswig-Holstein“, sagt auch die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke. Das Urteil biete die Chance, die bislang nach oben anscheinend unbegrenzt offenen Arbeitszeit der Lehrkräfte „dringend notwendige Grenzen einzuziehen“. Die Pflichtstundenzahl müsse in allen Schularten reduziert werden. Andererseits fordert Henke allerdings auch, dass sich Lehrer ihre Zeit weiter selbstbestimmt einteilen können müssten. „Weder Stechuhr noch Stechuhr-App sind für die pädagogische Arbeit von Lehrkräften geeignete Lösungen.“

Lehrer-Arbeitszeitmodell: Vorreiter Hamburg

Hamburg hatte 2003 ein neues Lehrerarbeitszeitmodell eingeführt. Dazu war etwa auch der Aufwand für die Unterrichtsvorbereitung oder Klausur-Korrekturen berücksichtigt worden. Am Ende mussten zum Beispiel Sportlehrer wegen des geringen Vorbereitungsaufwandes mehr Stunden geben, Deutschlehrer in der Oberstufe mit komplexen Korrekturarbeiten weniger. Auch die Übernahme von Leitungstätigkeiten oder die Betreuung einer Sammlung wurden mit eingerechnet.   

Kiels CDU-Bildungsministerin Karin Prien will von solchen Modellen allerdings noch nichts wissen. Es sei „derzeit nicht geplant, die Arbeitszeit der Lehrkräfte zu erfassen“, sagt die Ministerin. Die sei nämlich durch ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Eigenständigkeit gekennzeichnet und könne deshalb „nur grob pauschalierend und generalisierend geschätzt werden“. Man entlaste die Lehrkräfte lieber durch eine Vielzahl anderer Maßnahmen wie ein Gesundheitsmanagement. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs werte man aber noch aus.

Die Opposition ist gesprächsbereit

„Insbesondere für die Arbeitszeit außerhalb des Schulgebäudes gestaltet sich die Erfassung schwierig“, sagt die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn. Solange es kein klares und eindeutiges Konzept für eine Umsetzung gebe, sehe sie nicht, wie sich die Forderung des Europäischen Gerichtshofs zufriedenstellend umsetzen lasse.

Bei der Opposition ist man da deutlich optimistischer. „Eine solche Erhebung wäre der Einstieg in eine Diskussion über neue Arbeitszeitmodelle, bei der Fächer und Jahrgänge unterschiedlich behandelt würden“, sagt der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat. Hamburg sei diesen Weg gegangen. Die Lehrergewerkschaften in Schleswig-Holstein hätten sich bisher immer dagegen ausgesprochen. Aber, sagt Habersaat: „Sollten die Gewerkschaften das wünschen, können wir darüber reden.“

Wolfram Hammer

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