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Norddeutschland Ein Tag im Leben eines Bademeisters
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06:00 24.06.2019
Morgens reinigt Bademeister Ralf Steinhagen erstmal die Stege. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Es ist ein heißer Tag, über dem Naturbad Marli in der Lübecker Wakenitz wölbt sich ein blauer Himmel mit einzelnen Schönwetter-Wölkchen. Kinder planschen im Wasser, johlen und rufen. Auf dem Steg steht Ralf Steinhagen (49) und beobachtet. Das ist sein Job. Bademeister.

Mehr als rumstehen und gucken

Steinhagen ist gut gelaunt. Ihm gefällt sein Beruf. „Dass es zu wenig Bademeister gibt, kann ich nicht verstehen. Es ist ein sehr interessanter Beruf.“ Er muss für die Badegäste da sein, Kindern das Schwimmen beibringen, aufpassen, dass nichts passiert. Manche dächten, Schwimmmeister sein – wie es amtlich heißt –, das bedeute nur: Am Wasser stehen, den Leuten beim Schwimmen zusehen. „Das stimmt so nicht“, lacht Steinhagen.

Bademeister Ralf Steinhagen und die Badegäste – da gibt es immer was zu klären.

Ein kleiner Junge schickt sich an, zu seiner Mutter ins Wasser zu steigen. „Hat der kleine Mann schon Freischwimmer?“, ruft Steinhagen der Mutter zu, die ein Stück weiter schwimmt. „Nein“, antwortet sie, aber Schwimmen könne der Junge schon. Steinhagen nickt, damit gibt er sich zufrieden.

Stege sauberhalten gehört dazu

Er trägt ein Basecap, Sonnenbrille, helles Polohemd und kurze Hosen. An den Füßen Badelatschen. Sein Dienst, erzählt er, beginnt um 9.30 Uhr. „Dann schließe ich erstmal die Toiletten und die Duschen auf, entferne die Zäune gegen die Verschmutzung durch Gänse, und spritze den Steg sauber.“ Darauf sitzen über Nacht nämlich auch Wasservögel und hinterlassen etwas. Er misst die Wassertemperatur, schreibt sie auf eine Tafel. Heute: 24 Grad. Um 10.30 Uhr öffnet das Schwimmbad. Und dann macht Steinhagen Aufsicht. Bis 19 Uhr. Ein langer Tag. Erst um 15 Uhr, wenn das Bad voller wird, kommt ein Rettungsschwimmer zur Verstärkung. „Dann kann ich kurz mal Pause machen.“

Auch Steinhagen ist Rettungsschwimmer. So hatte er mal angefangen, mit 14 Jahren bei der Wasserwacht auf dem Priwall. Erst lernte er Gas- und Wasserinstallateur, aber dann wurden im inzwischen geschlossenen Travemünder Schwimmbad „Aquatop“ Rettungsschwimmer gesucht. Steinhagen bekam eine der Stellen, bildete sich zum Schwimmmeistergehilfen fort. Und blieb dabei. 29 Jahre ist er nun bei den städtischen Schwimmbädern, davon 20 im Naturbad Marli – immer im Sommer. Im Winter arbeitet er im Hallenbad in der Lübecker Schmiedestraße. Das Gehalt sei nicht übel, schon Azubis verdienten gutes Geld. „Und es ist öffentlicher Dienst.“

Anspruchsvolle Ausbildung

Die Ausbildung sei jedoch anspruchsvoll, erinnert er sich, nicht nur körperlich, wegen der für die Rettungsschwimmerausbildung geforderten Schwimm-Leistungen. Fachkunde, Betriebswirtschaftslehre, Erste Hilfe gehörten dazu. „Herz-Lungen-Wiederbelebung ist ganz wichtig.“ In der Schmiedestraße musste er einmal einen Mann wiederbeleben, der im Wasser einen Herzinfarkt erlitten hatte. „Er hatte keine Vitalfunktion mehr. Ich überstreckte seinen Hals, da setzte die Atmung wieder ein.“

Da sieht er eine Frau, die im Wasser Kaugummi kaut. Er winkt ihr zu, bittet sie zu sich. „Im Wasser ist so etwas gefährlich“, erklärt er. „Bei Spritzwasser kann man sich leicht verschlucken. Um Hilfe rufen geht plötzlich nicht mehr und wenn man reanimieren möchte, sind die Atemwege verlegt.“

Tägliches Training

Morgens und abends trainiere er im Wasser, sagt Steinhagen. Schließlich müsse er fit genug sein, um notfalls einen Menschen aus dem Wasser zu bergen. Doch so weit will er es am liebsten gar nicht kommen lassen. Deshalb beobachtet er aufmerksam. Einem Mädchen bedeutet er, mit seinem Schwimmreifen im Nichtschwimmerbereich zu bleiben. „Du machst jetzt eine halbe Stunde Pause“, ruft er einem Jungen zu. „Der wäre seinem Kumpel beinahe in den Rücken gesprungen.“ Toben dürfe man, auch vom Steg ins Wasser springen. „Aber wenn es zu wild wird, greife ich ein.“ Der Junge setzt sich brav auf eine Bank.

Ein bisschen Kindergärtner

„Ein Bademeister muss auch streng sein“, kommentiert Badbesucherin Silvia Haase (61) beifällig. „Da kann man nicht mit Wattebäuschchen werfen.“

Sabine Valentina (51) hat eine Fußverletzung und geht an Krücken. Im Wasser kommt sie zurecht. „Aber wenn der Bademeister da ist, fühle ich mich sicherer. Sonst würde ich mich nicht trauen.“

Sozialpädagogin Christina Funke (52) kommt mit einer Gruppe von neun Kindern ins Bad. Es sei gut, wenn auch der Bademeister die Kinder im Blick behalte, lobt sie.

Ein bisschen müsse man auch Kindergärtner sein, gibt Steinhagen zu. Aber wenn man fünf Kinder großgezogen habe, funktioniere das. „Außerdem bin ich im Jugendrotkreuz bei der DRK-Wasserwacht Gruppenleiter und Trainer.“

Zwischendurch wechselt der Bademeister Geld, klebt ein Pflaster – in der Wakenitz gibt es auch scharfkantige Muscheln und Flusskrebse – und verleiht einen Sonnenschirm.

Es ist heiß, sehr heiß und am Horizont kündigt sich ein Gewitter an. Kurz bevor es da ist, wird Steinhagen zum Megafon greifen, dessen schriller Warnlaut ihm zwischendurch auch so Aufmerksamkeit verschafft. „Dann müssen alle raus aus dem Wasser und in feste Gebäude“, kündigt er an. Aber Feierabend sei dann noch lange nicht. Bis dahin sind es noch ein paar Stunden. Schon anstrengend, gibt Steinhagen zu. „Besonders bei den Temperaturen. Abends weiß man, was man getan hat.“

Marcus Stöcklin

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