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Norddeutschland Ein gemütliches Plätzchen in der Sonne
Nachrichten Norddeutschland Ein gemütliches Plätzchen in der Sonne
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00:01 04.05.2013
Petra Bergmannn-Petersen (44, l.) und Irmgard Scheel (88) genießen auf der Terrasse von Meier‘s Gasthof in Berkenthin das sommerliche Wetter.
Berkenthin

Auf der Terrasse sind zahlreiche Stühle, Tische, Holzbänke und Strandkörbe aufgebaut. 60 Kilogramm Spargel warten darauf, verarbeitet und mit Schweineschnitzel, Rührei, Putensteak oder Katenschinken als Mittagessen serviert zu werden. Und auch einer kleinen Erfrischung steht nichts mehr im Weg, denn der Pool im Garten ist bis oben hin mit Wasser gefüllt.

Barbara Meier ist gut vorbereitet auf das erste sommerliche Wochenende des Jahres. „Wir rechnen mit vielen Gästen“, sagt die Inhaberin von Meier‘s Gasthof in Berkenthin. „Bei schönem Wetter ist bei uns immer eine Menge los.“ Bis zu zehn Stunden Sonne und eine Höchsttemperatur von 19 Grad Celsius werden am Wochenende auch in vielen anderen Ausflugsrestaurants im Norden wohl für volle Terrassen und Biergärten sorgen.

Meier‘s Gasthof liegt direkt am Elbe-Lübeck-Kanal, in der Nähe der Schleuse. Auf der anderen Seite des Ufers steht die alte Berkenthiner Kirche. „Bei uns kehren viele Radfahrer aus Lübeck ein“, sagt Meier. Die 46-Jährige führt das Restaurant in vierter Generation. Ihr Ururgroßvater Johannes betrieb auf dem Hof bereits um das Jahr 1900 eine Schankwirtschaft. Barbara Meier musste schon als Kind regelmäßig in der Gaststätte aushelfen. Zunächst war sie beim Spüldienst in der Küche eingeteilt, später durfte sie dann am Tresen ausschenken. „Es hat sich seitdem viel verändert, zum Beispiel bei den Essgewohnheiten“, sagt sie. Früher sei um Punkt 12 Uhr Mittag gegessen worden. Meier: „Heute bestellen viele Leute erst um 16 Uhr ein warmes Essen.“

Die Gäste seien zudem hektischer geworden. Alles müsse schnell gehen. „Die Leute sitzen kaum, da wollen sie das Essen schon auf dem Tisch haben“, sagt die 46-Jährige. Einige würden sogar bereits beim Hereinkommen am Thresen ihr Bier bestellen, um bloß nicht warten zu müssen. „Und wenn sie sehen, dass alle Tische belegt sind, werden sie ungeduldig, weil ihnen alles zu lange dauert.“

Petra Bergmann-Petersen und ihre Bekannte Irmgard Scheel sind da entspannter. Die beiden Frauen aus Ratzeburg und Göldenitz treffen sich regelmäßig in Meier‘s Gasthof. Irmgard Scheel hat sogar ihre Goldene Hochzeit in dem Lokal gefeiert. „Es ist sehr schön hier“, sagt Bergmann-Petersen. „Vor allem vom Essen bin ich begeistert.“

Sie habe viele Stammgäste, sagt Barbara Meier. Einige von ihnen habe sie schon kennengelernt, als diese noch ein Kind waren. Inzwischen seien sie erwachsen und kämen immer noch zu ihr — nun mit ihren eigenen Kindern. Aber auch bei Tagestouristen aus Hamburg ist Berkenthin ein beliebtes Ausflugsziel. „Viele Paare fahren mit dem Auto hierher, essen zu Mittag und leihen sich dann bei uns Fahrräder aus“, sagt die Gastwirtin. In der Umgebung gebe es sieben ausgeschriebene Fahrradtouren, jeweils etwa 30 bis 35 Kilometer lang. Meier: „Diese Strecken sind auch für Familien mit Kindern gut zu schaffen.“ Anschließend gibt es dann bei Familie Meier selbstgebackenen Kuchen, zum Beispiel Apfelstrudel mit Vanille-Eis und Sahne oder Pfirsich-Schmand-Torte.

Einige Besucher kommen auch direkt vom Wasser. Denn in der Nähe des Restaurants ist ein Anlegesteg für Ruderer und Kanuten. Für heute haben sich zudem 40 Motorbootfahrer aus Mölln angekündigt.

Deshalb werden außer Barbara Meier und Ehemann Detlev auch die drei Söhne Maximilian (18), Julian (16) und Daniel (9) im Einsatz sein. „Sie arbeiten am Thresen, zumindest die beiden Älteren“, sagt Barbara Meier. „Unser Jüngster würde zwar gern beim Ausschenken helfen, er kann aber noch nicht über den Tresen gucken.“

Vielleicht wird der Junge stattdessen einen Sprung in den Pool wagen — so wie viele andere Kinder in seinem Alter, die mit ihren Eltern nach Berkenthin kommen. „Sie haben ihre Badesachen dabei und hibbeln darauf, ins Wasser zu dürfen.“ Auch eine Hochzeitsgesellschaft hat diese Möglichkeit schon genutzt. „Es war ein warmer Tag. Sie saßen alle um den Pool herum und haben ihre Beine hineinbaumeln lassen“, sagt Meier. „Das war ein unvergessliches Bild.“

Janina Dietrich