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Norddeutschland Kaputte Weiche sorgt für Bahn-Chaos
Nachrichten Norddeutschland Kaputte Weiche sorgt für Bahn-Chaos
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19:30 18.10.2018
Wegen einer kaputten Weiche fielen am Donnerstag früh 18 Züge auf der Strecke Hamburg-Lübeck ganz aus, 14 teilweise, 55 kamen zu spät. Das sorgte erneut für Pendler-Frust. Quelle: dpa
Hamburg/Lübeck

Gerade erst hatte die Bahn verkündet, dass man wieder genügend Lokführer habe, um alle gestrichenen Verbindungen von Lübeck aus wieder aufzunehmen, da ereilte die Pendler auf der Strecke Hamburg-Lübeck am frühen Donnerstagmorgen gleich die nächste Panne des Konzerns. Weil eine Weiche in Wandsbek kaputt war, fielen mitten im Berufsverkehr 18 Züge ganz und 14 teilweise aus. 55 Züge verspäteten sich.

Ein Kabel unter der Weiche ist defekt, die Strecke wurde gesperrt

Um 5 Uhr früh lief die Fehlermeldung in der Bahnzentrale auf: Eine Weiche auf der zweigleisigen Hauptstrecke Hamburg-Lübeck meldete eine Störung. „Ab sofort galt ein absolutes Befahrens-Verbot“, sagt Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst. Aus gutem Grund: Eine Weiche ermöglicht dem Zug das Abzweigen auf ein anderes Gleis. Sie wird elektronisch von einer Zentrale aus ferngesteuert. Würde sich die sogenannte Zunge einer Weiche durch eine Störung oder Fehlschaltung selbst umlegen, während ein Waggon gerade darüber rollt, würde er auf das andere Gleis abzweigen und unweigerlich entgleisen, und mit ihm der ganze Zug.

Schnell waren Techniker vor Ort. Sie stellten fest: Ein Kabel unter den Gleisen war gebrochen. Es wurde abgeklemmt, die Weiche mit einem sogenannten Weichenschloss in einer Richtung sicher arretiert. Um 7.37 Uhr konnte die Strecke so immerhin erst einmal provisorisch wieder freigegeben werden, sagt Sabine Brunkhorst. Bis dahin wurde der gesamte Zugverkehr auf der eigentlich zweigleisigen Strecke auf einem einzigen Gleis an der Stelle vorbei geführt. Auf den Pendler-Bahnsteigen entlang der Strecke herrschte da längst Chaos. Es gab nur einen Ersatzzug. Busse hätte man so schnell gar nicht in ausreichender Zahl heranschaffen können, sagt Sabine Brunkhorst. Nur langsam entspannte sich die Lage.

Die Weiche wird in Kürze komplett erneuert werden müssen

Zwischen elf und 14.30 Uhr musste die Strecke dann erneut einseitig gesperrt werden. Das kaputte Kabel wurde mit einem anderen überbrückt. „In Kürze werden wir die gesamte Weiche gründlich erneuern müssen. Das werden wir aber in der nächtlichen Zugpause tun“, sagt die Bahnsprecherin.

Dabei leiden die Pendler auch ohne solche technischen Störungen schon unter der Unpünktlichkeit vieler Züge auf der Strecke. Landesweit kamen im ersten Halbjahr 2018 nur noch 86,1 Prozent der Nahverkehrszüge im Norden zur festgelegten Zeit an. Das Land und der Fahrgastverband „Pro Bahn“ fordern schon lange Abhilfe ein, fordern zum Beispiel den weiteren Ausbau der S-4 in Richtung Lübeck.

Hamburgs Hauptbahnhof soll bis 2030 ausgebaut werden

Da ging ein anderer Jubel-Termin fast gänzlich unter. Die Stadt Hamburg und die Bahn wollen das Hauptbahnhof-Gebäude erweitern. Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher und Bahn-Vorstand Ronald Profalla haben es am Donnerstag Mittag bei einem Rundgang über den Hauptbahnhof verkündet. So sollten mehr Kapazitäten an dem überlasteten Verkehrsknotenpunkt geschaffen werden.

Der Hamburger Hauptbahnhof

Der Hamburger Hauptbahnhof wurde am 6. Dezember 1906 in Betrieb genommen. 1904 war mit dem Bau begonnen worden. Im Jahr 1900 war dazu ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben worden, den die Architekten Heinrich Reinhardt und Georg Süßenguth aus Charlottenburg gewannen. Der Durchgangsbahnhof wurde als Ersatz für eine Reihe von verstreut liegenden Kopfbahnhöfe einzelner Bahngesellschaften gebaut. Er ist heute mit 550 000 Reisenden pro Tag der meistfrequentierte Fernbahnhof der Deutschen Bahn sowie nach dem Bahnhof Paris-Nord der meist frequentierte Bahnhof Europas. Dem Hauptbahnhof sind heute auch die U-Bahnhöfe Hauptbahnhof Nord und Süd der Hamburger Hochbahn sowie ein Bahnsteig der S-Bahn angegliedert. Der Hauptbahnhof selber verfügt über zwölf Bahnsteiggleise für den Regional- und Fernverkehr. Seit 2010 gilt er als überlasteter Schienenweg. Ex-Bahnchef Grube bezeichnete ihn als „Flaschenhals“ im Bahnnetz. Die Bahnsteighalle hat eine Spannweite von 73 Meter. Sie ist 150 Meter lang, außen insgesamt 114 Meter breit und bis zu 37 Meter hoch. Das Empfangsgebäude wird von zwei 45 Meter hohen Türmen flankiert. Der gesamte Bahnhof ruht auf 800 Pfählen aus Eisenbeton, die in den Untergrund gerammt worden waren. 1943 wurde er bei Bombenangriffen schwer beschädigt, 1948 aber wieder instandgesetzt. In den 70er Jahren wurde er grundsaniert. Nun soll er bis 2030 erweitert werden. 1991 wurde bereits die Wandelhalle neu gebaut. Sie bietet auf zwei Etagen Läden und gastronomische Betriebe.

Erst einmal sollen dazu auf dem Bahnsteig der Gleise 13 und 14 Aufbauten entfernt werden, um mehr Platz für Reisende zu schaffen, sagte Profalla. Später sollen zusätzliche provisorische Bahnsteigzugänge auf der Südseite des historischen Gebäudes zur Steintorbrücke hin errichtet werden.

Der Hamburger Hauptbahnhof. 1906 eröffnet. 550 000 Reisen nutzen ihn heute pro Tag. Bis 2030 soll er jetzt erweitert werden. Quelle: dpa

Langfristig werde man das Gebäude dann auf der Südseite über die Steintorbrücke hinaus erweitern, es zudem auch auf der Ostseite zur Kirchenallee hin mit einem Erweiterungsbau mit überdachter Passage versehen. Auf der Nordseite Richtung Alster solle das Gleisfeld „überdeckelt“ werden. „Der Hamburger Hauptbahnhof soll fit gemacht werden für die nächsten 100 Jahre“, sagte Tschentscher. Fertigstellung der Erweiterungsbauten: 2030. Im kommenden Jahr wollen Stadt und Bahn darüber eine Absichtserklärung abfassen. Dann soll es einen Architektenwettbewerb geben.

Wolfram Hammer

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