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Norddeutschland Schulleitungen sollen professioneller werden
Nachrichten Norddeutschland Schulleitungen sollen professioneller werden
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19:41 12.12.2019
Schulleiter dringend gesucht: In Schleswig-Holstein sind derzeit 22 Stellen nicht besetzt, weil Bewerber fehlen. Kiel soll jetzt neue Konzepte ausarbeiten, um Führungsnachwuchs zu gewinnen. Quelle: Maurizio Gambarini/dpa
Kiel

Schleswig-Holsteins Schulen sollen professionellere Leitungen bekommen. Der Kieler Landtag hat das Bildungsministerium einmütig beauftragt, dazu ein Maßnahmenpaket auszuarbeiten. Es soll unter anderem geeignetere Auswahlverfahren geben, bessere Fortbildungen und eine frühere Ansprache interessierten Führungsnachwuchses in den Schulen. Außerdem soll die Zusammenarbeit von Schulleitungen und Schulaufsicht, also den Schulräten und dem Ministerium, verbessert werden.

„So wie es im Unterricht auf die Lehrkraft ankommt, gilt für die Qualität von Schule und die Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung: Auf die Schulleitung kommt es an“, sagte CDU-Bildungsministerin Karin Prien zum Auftakt der Debatte über den Vorstoß von CDU, SPD, Grünen, FDP und SSW. Zunehmend seien in den Schulen auch Managementfähigkeiten gefragt. Man wolle daher vorhandene Fortbildungsangebote für künftige Führungskräfte in Schulen weiter ausbauen und neue Konzepte zur Gewinnung von Führungsnachwuchs entwickeln.

Mehr Geld, weniger Unterricht: Was könnte Bewerber locken?

Prien spielte in ihrer Rede auch auf die Grundschule Süsel an, in der es zuletzt immer wieder zu Gewaltvorfällen gekommen war. Der Schulleitung dort wird vorgeworfen, zu spät reagiert und die Schulaufsicht und das Ministerium in Kiel zu spät eingeschaltet zu haben. In den meisten Fällen würden Schulen solche Probleme aber souverän selbst in den Griff kriegen, betonte die Ministerin. Und auch das zeige eben, was Schulleitung auch heiße und leiste.

Es sei ein unhaltbarer Zustand, dass derzeit allein 22 Schulleiterstellen im Land unbesetzt seien, weil sich keine Bewerber fänden, sagte der SPD-Bildungspolitiker Kai Vogel. Besserung könnten auch eine bessere Besoldung und mehr Ermäßigungsstunden bringen. Die Auswahl von Schulleitungen solle zudem durch ein Assessment-Center erfolgen, also durch ein ganz- oder mehrtägiges Auswahlverfahren.

Solche Verbesserungen mahnte auch die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn an. Beim herkömmlichen Verfahren, bei dem Kollegium, Eltern und Lokalpolitiker mitreden würden, kämen nicht immer die besten Ergebnisse heraus, urteilt die Liberale. „Wir müssen dort hinschauen.“ Auch Vogel, selber Stellvertretender Schulleiter a.D., applaudierte. Außerdem bekämen Schulleiterinnen und Schulleiter in Schleswig-Holstein gerade mal 600 Euro Gehaltsplus. „Großbritannien und Italien zahlen ihren Schul-Führungskräften 40 bis 50 Prozent Zulage.“ Es müsse zudem überlegt werden, ob es nicht ein „Schul-Back-Office“ geben müsse, dass Schulleitungen von Verwaltungsaufgaben entlastet.

Leiten künftig zwei Direktorinnen oder Direktoren eine Schule?

Die AfD beantragte, den Schulleitungen im Land sofort Verwaltungsassistenzen zur Seite zu stellen. Der Antrag wurde allerdings abgelehnt – die AfD stimmte dem Gesamt-Vorhaben am Ende dennoch zu. Jette Waldinger-Thiering vom SSW sprach sich dafür aus, zwei Leiterinnen oder Leiter an die Spitze der Schulen zu stellen: eine pädagogische Leitung und einen Verwaltungsdirektor oder eine Verwaltungsdirektorin – eine Idee, die die SPD strikt ablehnt, wie Kai Vogel gleich betonte, auch Schulleiter müssten zumindest in geringem Umfang weiter unterrichten, um den Kontakt zur Schulrealität nicht zu verlieren.

Umstrittenene Kanada-Reise als Ideengeber

Waldinger-Thiering hingegen will sich an Kanada orientieren. Bei einer Reise des Bildungsausschusses dorthin habe man gesehen, wie sich Schulleitungen dort sehr erfolgreich als Schulmanager verstehen würden. Damit aber hatte die SSW-Frau einen wunden Punkt angesprochen. Auch die Redner von CDU, SPD und Grünen hatten erklärt, durch diese – umstrittene und rund 35 000 Euro teure – Reise Anfang September zu der Schulleitungs-Initiative inspiriert worden zu sein. Es sei eben sehr wichtig, einmal „über den Tellerrand zu gucken“.

„Lasst Kanada aus dem Spiel“, schleuderte ihnen allerdings Anita Klahn entgegen. Die FDP-Abgeordnete hatte sich geweigert, mitzureisen. Um gelungene Beispiele für eine bessere Aufstellung der Schulleitungen zu gewinnen, reiche es völlig, einmal in andere Bundesländer oder europäische Nachbarstaaten zu schauen, argumentiert Klahn. Wichtig sei jetzt vor allem, dass schnell mit der Umsetzung der Verbesserungen begonnen werde.

Von Wolfram Hammer

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