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Norddeutschland Engpass bei Tetanus-Impfstoff
Nachrichten Norddeutschland Engpass bei Tetanus-Impfstoff
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19:47 30.06.2018
Quelle: dpa
Lübeck/Kiel

„Es handelt sich dabei um einen Impfstoff, der nur gegen Tetanus wirkt und nicht in Kombination auch gegen andere Krankheiten wie Diphtherie oder Keuchhusten“, informiert Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI). „Für diesen Mono- Impfstoff gibt es nur einen Hersteller in Deutschland und dessen Lager sind leer.“

Es könne sein, dass der Impfstoff namens „Tetanol pur“ schon bald wieder verfügbar sei, wann genau sei aber nicht ganz klar, hieß es am Freitag beim PEI, das bundesweit die Verfügbarkeit von Medikamenten listet.
Impfstoff seit knapp zwei Jahren knapp

„Schon seit 2016 zeichnen sich immer wieder Engpässe ab“, bestätigt Carsten von Wieding vom Apotheker-Verband Schleswig-Holstein. Die Nachfrage sei zu groß. „Die Produktionskapazitäten wachsen nicht mit.“ Könne der Arzt nicht impfen, versuche er, den Impfstoff im Wege der Nachbarschaftshilfe von anderen Ärzten zu bekommen. In der Arztpraxis werde letztlich meist einfach ein Mehrkomponenten-Wirkstoff verwendet. So laute auch die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI), informiert Susanne Stöcker.
„Es gibt Engpässe“, sagt auch Oliver Grieve, Sprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Die meisten Kinder kämen jedoch bereits gut durchgeimpft in die Klinik. „Kinder, die eine Tetanus-Impfung brauchen, haben wir in der Notaufnahme selten.“ Der Fall, dass ein Patient nicht geimpft werden konnte, sei noch nicht aufgetreten. „Der Engpass hat sich in der Klinik bisher nicht ausgewirkt.“
Situation für Erwachsene bedenklicher

Bei Erwachsenen sei die Impf-Situation vielfach bedenklicher als bei Kindern, meint Dehtleff Banthien aus Bad Oldesloe, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Schleswig-Holstein. „Die Durchimpfungsraten in der Erwachsenen-Bevölkerung sind teils sehr schlecht“, sagt Banthien. An Masern und Keuchhusten erkrankten zu 50 Prozent Erwachsene. Alle zehn Jahre sei eine Auffrischung der Impfungen gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten ratsam.
Laut Banthien wird die Verwendung des Kombinationswirkstoffes vom RKI schon länger empfohlen, sie sei auch unproblematisch. Chirurgische Krankenhausambulanzen dürften ihn bei Verletzungen indes erst seit Kurzem einsetzen. „Nachdem sich die Krankenkassen lange geweigert hatten, dies zu vergüten.“ Ein Einzelimpfstoff gegen Tetanus sei mithin inzwischen „absolut entbehrlich.“ Das Kieler Gesundheitsministerium empfiehlt ebenfalls, den Dreifach-Impfstoff gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten zu verwenden.

Marcus Stöcklin

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