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Norddeutschland Rätsel in der Ostsee: Ufo-Entdecker stoßen auf merkwürdige Rechtecke
Nachrichten Norddeutschland Rätsel in der Ostsee: Ufo-Entdecker stoßen auf merkwürdige Rechtecke
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12:48 07.10.2019
Screenshot aus dem Youtube-Video vom Ocean-X-Team: Der aufgeschüttete Steinwall ist weiß gekennzeichnet. An der Fundstelle nördlich der Insel Åland soll auch das vermeintliche Ufo im Wasser liegen. Quelle: Screenshot
Rostock

Geheimnisvolle Ostsee: Seit Jahren rätseln Ufologen aus aller Welt über ein vermeintliches Raumschiff von Außerirdischen, das nördlich der Insel Åland zwischen Schweden und Finnland auf dem Grund der Ostsee liegt.

Jetzt haben die gleichen Taucher, die das kreisrunde Objekt 2011 entdeckten, einen weiteren Fund bekanntgegeben, der Fragen aufwirft.

Suche nach dem Cognac des Zaren

Die Taucher vom Ocean-X-Team suchen normalerweise unter anderem nach Schiffen, die im Ersten Weltkrieg versenkt wurden und in deren Wrackresten noch kistenweise Champagner und andere edle Tropfen schlummern, für die Sammler heute viel Geld ausgeben. Ein Projekt befasst sich mit der Fahndung nach Cognac des letzten russischen Zaren in der Ostsee.

Statt altem Schnaps entdeckten die Taucher in diesem Sommer in der Nähe des angeblichen Ufos im Bottnischen Meer eine weitere „Anomalie“. Zwei rechteckige Gebilde, die im stumpfen Winkel von vielleicht 130 Grad nebeneinanderliegen. Eines davon sieht aus wie ein Rechteck aus drei aufgeschütteten Steinwällen, eine Seite ist offen, insgesamt ist es 13 mal 25 Meter groß, geben die Taucher in einem YouTube-Video bekannt.

Was ist das und wie kam es dahin? Das wissen die Entdecker auch nicht. Ihr Büro lässt mehrere Anfragen unbeantwortet. In dem Video heißt es: „Ist das Rechteck natürlich entstanden oder hat es jemand gemacht? Das müssen wir herausfinden.“

„Ostsee-Anomalie“ versetzt Ufologen in Aufregung

Eigentlich sollte sich so ein Rätsel leicht lösen lassen, meint Thomas Förster, Unterwasserarchäologe aus Stralsund und Mitarbeiter am Deutschen Meeresmuseum. „Es gibt viele merkwürdige Dinge in der Ostsee“, sagt der Fachmann. Wegen der geringen Wassertiefe seien Tauchgänge und wissenschaftliche Untersuchungen eigentlich kein Problem. Ocean X kündigt zwar weitere Tauchgänge an, betonte aber bereits mehrfach, wie schwierig deren Finanzierung sei.

Das 2011 entdeckte Gebilde versetzte die Welt der Ufologen in helle Aufregung. Im Internet kursieren dramatische Computerzeichnungen, wie die 60 Meter große Scheibe in 80 Meter Tiefe ungefähr aussehen könnte. Ihre Entdecker nennen sie „Ostsee-Anomalie“ und die neu entdeckten Rechtecke „Anomalie 2“.

Auf undeutlichen Unterwasseraufnahmen der Scheibe sind rechte Winkel zu sehen und etwas, was an eine Treppe erinnert. Star-Wars-Fans glaubten in dem steinernen Ding das Raumschiff „Millennium Falke“ zu sehen, mit dem Jedi-Ritter in die Schlacht gegen das finstere Imperium ziehen. Ocean-X-Team spricht nicht von einem Ufo.

„Ufo-Schleifspuren“ auf dem Meeresboden

Andere dafür umso mehr. Experten fürs Übersinnliche überbieten sich in Deutungsversuchen. Dave Rosenfeld beispielsweise, Ufologe aus Utah/USA, glaubt Schleifspuren ausgemacht zu haben. Die sollen entstanden sein, als die Scheibe abstürzte und über den Meeresboden schlitterte. Und warum ist das Ufo aus Stein und nicht aus Metall? Weil es kein normales Alien-Raumschiff ist, sondern eine lebende Maschine, die nur gerade seit ein paar tausend Jahren ein Nickerchen macht.

Gerüchte, dass auf Schiffen, die sich auf der Wasseroberfläche über der „Anomalie“ bewegen, angeblich stets sämtliche mit Strom betriebenen Messinstrumente ausfallen, tragen nicht unbedingt dazu bei, dass die fantasiegeschwängerten Geschichten weniger werden.

Vulkangestein statt Raumschiff

Bei Volker Brüchert, Geologie-Professor an der Universität Stockholm, hält sich die Aufregung in Grenzen. So spektakulär sei das Ganze wohl nicht, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Er geht vielmehr von einem natürlichen Ursprung aus. Die Scheibe bestehe aus vulkanischem Basalt-Gestein, das hätte die Untersuchung von Proben ergeben. Der runde Stein könnte im Zuge von Gletscherbewegung vom schmelzenden Eis auf den Meeresboden gerutscht sein. So etwas sei häufig passiert. „Dropstone“ nennen Geologen dieses Phänomen.

Der Stralsunder Unterwasserarchäologe Förster würde sich eine wissenschaftliche Untersuchung der rätselhaften Rechtecke wünschen. „Aber das muss man natürlich wollen“, gibt er zu bedenken in Richtung der schwedischen Taucher. Schließlich bestehe dann ja immer die Möglichkeit, dass sich ein spannender Mythos ins Nichts auflöst. Und wer möchte das schon?

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Von Gerald Kleine Wördemann/Ostsee-Zeitung