Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Entsetzen nach Sex-Übergriffen auf Frauen in Kiel
Nachrichten Norddeutschland Entsetzen nach Sex-Übergriffen auf Frauen in Kiel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:17 26.01.2016
Polizei wertet DNA-Spuren der möglichen Täter aus. Quelle: Carsten Rehder
Kiel

Eine Reihe möglicher schwerer Sexualdelikte verunsichert die Menschen in Kiel. Im Stadtteil Wik sollen mindestens drei junge Frauen Opfer von Übergriffen geworden sein. Staatsanwaltschaft, Polizei und Opferschutz sprechen von einem neuen Phänomen.

Oberstaatsanwältin Birgit Heß bestätigt, zwei Opfer hätten in Vernehmungen bei der Polizei ausgesagt, von drei Tätern angegriffen worden zu sein. Im dritten Fall, einer versuchten Vergewaltigung Anfang Januar, hatte das Opfer gegenüber dem Weißen Ring von einem Täter-Trio gesprochen. Eine Strafanzeige liegt der Polizei bislang hier aber nicht vor. Die Ermittler haben inzwischen Hinweise auf eine weitere Geschädigte, die im Dezember 2015 im Kieler Stadtgebiet angegriffen worden sei.

Nähere Hintergründe kann Heß noch nicht nennen, allerdings sollen auch in diesem Fall drei Männer beteiligt gewesen sein. „Bei den bislang vorliegenden Fällen haben die Geschädigten die potenziellen Täter als Südländer bezeichnet, die zwischen 1,70 und 1,85 Meter groß und zwischen Anfang 20 und Mitte 30 sein sollen“, sagt die Oberstaatsanwältin. Rückschlüsse auf konkrete Tätergruppen gebe es nicht.

Nach der Vergewaltigung einer jungen Frau in der Wik haben die Ermittler jetzt eine erste Spur. Hatte die Polizei bislang von einem „einige Wochen alten Fall“ gesprochen, erklärte die Oberstaatsanwältin nun, dass sich die Straftat bereits Ende September 2015 ereignet habe. Das Opfer war abends unweit der Holtenauer Straße überfallen, in eine Wohnung verschleppt und missbraucht worden. Nach der Tat konnten DNA-Spuren gesichert werden. Ergebnisse der LKA-Analyse liegen der Staatsanwaltschaft aber erst jetzt vor. Mit Hilfe des Opfers konnten Phantombilder der Täter erstellt werden. Laut Heß sollen die Ergebnisse „demnächst“ veröffentlicht werden. Unterdessen haben sich erste Zeugen des Übergriffes auf eine 20-Jährige am vorvergangenen Sonntag bei der Polizei gemeldet.

Die junge Frau war unweit einer Bushaltestelle von drei Männern angegriffen worden. Nur durch massive Gegenwehr hatte sie Schlimmeres verhindern können.

Dass Täter in Gruppen Sexualstraftaten begehen, hat es laut Heß in der Vergangenheit sowohl bei deutschen als auch bei ausländischen Männern schon gegeben. Meist spielten sich diese aber im privaten und häuslichen Umfeld ab. Neu sei hier, dass die Täter sich gemeinschaftlich im öffentlichen Raum ein für sie fremdes Opfer suchen, sagt die Oberstaatsanwältin. Martin Lämmerhirt vom Weißen Ring in Kiel wird noch deutlicher: „In meiner 29-jährigen Tätigkeit erlebe ich diese Form von Sexualstraftaten zum ersten Mal.“ Auch der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt spricht von einem neuen Phänomen. Innenminister Stefan Studt (SPD) sagte den Kieler Nachrichten, dass er die Vorfälle sehr ernst nehme: „Egal, aus welchem Umfeld die Täter stammen, werden wir dem mit aller Entschiedenheit begegnen.“

„In meiner 29-jährigen Tätigkeit erlebe ich diese Form von Sexualstraftaten zum ersten Mal.“
Martin Lämmerhirt, Weißer Ring

Bastian Modrow