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Norddeutschland Erzbistum Hamburg stellt Studie zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen vor
Nachrichten Norddeutschland Erzbistum Hamburg stellt Studie zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen vor
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10:12 05.11.2019
Das Erzbistum Hamburg bemüht sich um eine Aufarbeitung der Missbrauchsfälle aus den Jahren 1945 bis 1989. So soll die strukturelle Schwachstelle identifiziert werden, um Missbrauch in der Kirche in Zukunft zu vermeiden. Quelle: Friso Gentsch/dpa
Hamburg/Schleswig-Holstein

Mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Mecklenburgs will der Hamburger Erzbischof Stefan Heße „den Betroffenen eine Stimme geben“. Die Kirche sei „lange genug geschichtsvergessen gewesen“, sagt Heße am Montagabend in Neubrandenburg bei der öffentlichen Auftaktveranstaltung für die wissenschaftliche Untersuchung der Missbrauchs durch ein Forscherkonsortium der Universität Ulm. „Nur die Wahrheit wird uns frei machen.“

Inwieweit hat das DDR-System Missbrauch begünstigt?

Im Fokus der Untersuchung steht der Zeitraum von 1945 bis 1989. Zwei Jahre lang werden die Forscher Betroffene durch anonymisierte Interviews oder Fragebögen erfassen. Dabei soll auch untersucht werden, inwieweit das DDR-System den Missbrauch begünstigt hat und welche Rolle die Staatssicherheit dabei spielte.

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Einer Studie aus dem Jahr 2018 zufolge ist die Zahl von 54 Kindern und Jugendlichen sowie 17 beschuldigten Priestern in Mecklenburg etwa so hoch gewesen wie in Hamburg und Schleswig-Holstein zusammen. Besonders durch Vorwürfe belastet ist der Neubrandenburger Pfarrer Hermann Josef Timmerbeil, der die Pfarrei von 1956 bis 1975 leitete und 1979 starb. Ihm werden „schwere physische und sexuelle Gewalt gegen Kinder“ vorgeworfen. In Neubrandenburg hatten sich zwölf Betroffene gemeldet.

„Wir möchten allen Betroffenen Mut machen, sich zu melden“, sagte die Leiterin der Studie und Professorin für forensische Psychiatrie, Manuela Dudeck. Dabei sehe sie deutlich das „moralische Dilemma“, dass die Opfer Wissenschaftlern vertrauen müssten, die von der katholischen Kirche bezahlt werden.

Auch Stasi-Archive werden in Untersuchung berücksichtigt

Die Studie zu Mecklenburg, das inzwischen zum Erzbistum Hamburg gehört, soll 2022 abgeschlossen sein. Betroffen sind unter anderem die Gemeinden Dömitz, Neubrandenburg, Gadebusch, Tessin, Waren, Grevesmühlen, Neustadt-Glewe und Neustrelitz. Laut dem Leiter des Diözesanarchivs des Erzbistums Hamburg, Martin Colberg, erhalten die Forscher erstmals Zugang zu Archiven, den sie bisher nicht hatten. Auch Stasi-Archive würden einbezogen.

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Die Untersuchungen sollen zeigen, wo „strukturelle Schwachstellen“ waren, die den Missbrauch begünstigten. Die Ergebnisse würden den Verantwortlichen auch „gespiegelt“, so Colberg. Fragen zu möglichen Entschädigungen für Opfer würde die Deutsche Bischofskonferenz zurzeit diskutieren.

Ziel der Studie: So etwas soll nicht mehr passieren

Erzbischof Heße betont, die katholische Kirche spiele „mit offenen Karten“ und werde den Ulmer Wissenschaftlern „nicht reinreden“. Ziel der Studie müsse sein, „dass so etwas möglichst nicht mehr passiert“. Jedoch müsse davon ausgegangen werden, „dass es in unserer katholischen Kirche auch nach der Studie Missbrauch geben kann“.

Von RND

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