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Norddeutschland Escheburg: Verabredeten sich Nachbarn zum Brandanschlag?
Nachrichten Norddeutschland Escheburg: Verabredeten sich Nachbarn zum Brandanschlag?
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10:13 19.02.2015
Der Brandanschlag auf die leerstehende Asylbewerberunterkunft in Escheburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) wurde womöglich durch Nachbarn verübt. Quelle: Roeßler
Escheburg

Am Tatort soll die DNA eines Escheburgers sichergestellt worden sein, er soll die Tat bereits gestanden haben. Ein Haftbefehl ist angeblich aber nicht erlassen. Die Lübecker Staatsanwaltschaft wollte sich auch gestern nicht näher äußern. Nur so viel: Die Ermittlungen liefen „auf Hochtouren“, sagte ein Sprecher.

Die sichergestellte DNA des mutmaßlichen Täters soll nach LN-Recherchen nicht an dem verwendeten Brandbeschleuniger, sondern an einer Stelle des Tathauses nachgewiesen worden sein. Der Verdächtige ist in der Nachbarschaft des Tatorts zu Hause. „Wenn sich das bewahrheitet, wird sich die Lage in Escheburg nicht beruhigen“, reagierte Christel Rüder mit Entsetzen auf die Nachricht, dass ein Einheimischer den Brandanschlag verübt haben könnte.

Die Pastorin hatte nach dem Anschlag einen Runden Tisch initiiert. Martina Falkenberg, Leiterin des Amts Hohe Elbgeest, erklärte, für alle Bewohner sei es angesichts der Verunsicherung jetzt „ganz, ganz wichtig, dass schnell herausgefunden wird, wer der Täter war“. Escheburgs Bürgermeister Rainer Bork reagierte ebenso geschockt, wollte sich zunächst aber nicht näher einlassen. Er warte das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ab.

Mehr zum Thema: Escheburger Brandanschlag: War es ein Nachbar?

Erich Fuhrt, Anlieger der Tatort-Straße „Am Golfplatz“, hatte schon nach dem Anschlag geäußert, er verstehe nicht, „wie einzelne Nachbarn so einen Unmut gegen Flüchtlinge schüren können“. Furth war vor dem Anschlag von einer Nachbarin besucht worden, die Unterschriften gegen die Flüchtlingsunterkunft sammelte.

In einem Offenen Brief an den Bürgermeister hatte ein unmittelbarer Nachbar der Unterkunft am Tag vor dem Brandanschlag die „heimliche Einrichtung eines Asylbewerberheims“ beklagt: Es sei unglaublich, mit welcher Dreistigkeit Gemeindevertreter „sämtliche Anwohner im Unklaren gelassen haben“.

Dem Bürgermeister drohte der Betreffende mit einer Anzeige wegen Verleumdung, wenn er ihn oder seine Frau als rechtsradikal beschreibe. Am 9. Februar hatten 15 aufgebrachte Bürger aus der Nachbarschaft des Flüchtlingshauses vormittags die Amtsverwaltung aufgesucht. Ohne Ergebnis mussten sie wieder abziehen. Am Mittag flog der Brandsatz in die Unterkunft. Gestern führte die Kripo Befragungen im Amt Hohe Elbgeest durch.

Das Amt hat die Immobilie am 22. Januar gekauft. Am 4. Februar stand fest, dass sechs Flüchtlinge aus dem Irak einziehen sollten, sechs weitere Iraker sollten folgen. Zwei Tage später informierte der Bürgermeister die Nachbarn. Es hätte auch nichts genutzt, sie früher zu informieren, wehrte sich Bork gegen Kritik an seiner Informationspolitik. „Wir haben gegen eine Wand argumentiert.“

Von Curd Tönnemann

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