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Norddeutschland Welche Nord-Politiker schaffen den Sprung nach Brüssel?
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13:45 23.05.2019
Am Sonntag wird das EU-Parlament gewählt. Über zwei Millionen Schleswig-Holsteiner wählen mit. Quelle: Boris Roessler/dpa
Kiel

Von den 96 deutschen Abgeordneten im neuen EU-Parlament könnten erstmals vier aus Schleswig-Holstein kommen. Dies ergibt sich aus den Listenplätzen für die Wahl am Sonntag. Bisher war der Norden nach Angaben der Landeswahlleitung noch nie mit vier Abgeordneten in Straßburg und Brüssel vertreten, in fünf Wahlperioden mit maximal drei. Diesmal sind im Norden 2,272 Millionen Bürger aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Das ist die höchste Zahl seit 1949 bei Europa- oder Bundestagswahlen. In ihr enthalten sind 77 300 stimmberechtigte Staatsangehörige anderer EU-Länder, darunter 2000 Briten und als kleinste Gruppe elf Malteser.

Das sind die Nord-Kandidaten

Zwei haben ihr Mandat so gut wie sicher, bevor die Wahllokale öffnen: Niclas Herbst (46) auf Platz 1 der CDU-Landesliste und Juso-Bundesvize Delara Burkhardt (26) auf Rang 5 der SPD-Bundesliste. Die bisherigen Abgeordneten Reimer Böge (CDU/67) und Ulrike Rodust (SPD/69) treten nicht wieder an.

Reale Chancen hat auch Pirat Patrick Breyer (42). Der Ex-Landtagsfraktionschef ist Spitzenkandidat der Bundespartei. 2014 reichten einer Partei in Deutschland 0,6 Prozent für ein Mandat. Eine Sperrklausel gibt es zur Europawahl nicht.

Auch der Grüne Rasmus Andresen (33) könnte es schaffen: Der Landtagsvizepräsident hat Platz 16 der Bundesliste. Schlechtere Chancen haben Marianne Kolter von der Linken (Platz 9 auf der Bundesliste), Julian Konstantin Flak von der AfD (22) und Helmer Philip Krane (FDP/16). Insgesamt treten 37 Bewerber aus dem Norden an, darunter 15 Frauen.

Diese Politiker könnten den Sprung ins EU-Parlament schaffen

CDU und SPD wollen gewinnen

Für CDU und SPD haben die Landesvorsitzenden Daniel Günther und Serpil Midyatli das Ziel ausgegeben, stärkste Partei zu werden. Günther strebt sogar die Nr. 1 aller CDU-Landesverbände an. 2014 lag die CDU mit 34,4 Prozent vor der SPD mit 31,9 Prozent. Die Grünen holten 12,4 Prozent, die AfD 6,8 und die Linke 4,5 Prozent. Es folgten die FDP mit 3,8 und die Piraten mit 1,5 Prozent.

Steigt die Wahlbeteiligung?

Der Brexit und das Erstarken nationalistischer Kräfte könnten wieder mehr, vor allem junge Menschen zur Stimmabgabe bewegen. 2014 betrug die Wahlbeteiligung im Land nur gut 43 Prozent. Fast 159 000 junge Menschen dürfen erstmals das EU-Parlament mitwählen, weil sie seit 2014 das 18. Lebensjahr vollendet haben.

Wahl für fünf Jahre

Die Abgeordneten werden für fünf Jahre gewählt. Anders als bei der Bundestagswahl hat jeder Wähler nur eine Stimme. 40 Parteien stehen in Deutschland zur Wahl.

Das ist neu

Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts können auch Menschen wählen, die unter Vollbetreuung stehen oder in Sicherungsverwahrung sind. In der Wahlkabine darf nicht fotografiert oder gefilmt werden. So soll verhindert werden, dass jemand seinen Stimmzettel über soziale Medien publik macht und so eventuell andere Wähler beeinflusst.

21 000 Helfer am Sonntag

21 000 Menschen werden in den Wahlvorständen ehrenamtlich tätig sein. Hinzu kommen viele, die bei den Wahlleitungen an der Ermittlung der vorläufigen Ergebnisse mitwirken.

Wahllokale von 8 bis 18 Uhr geöffnet

Die Wahllokale haben von 8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Wahlbenachrichtigung und Personalausweis sollten mitgebracht werden. Zur Wahl 2014 betrug der Briefwahlanteil rund 18 Prozent; zur Bundestagswahl 2017 waren es etwa 22 Prozent.

Hier wird noch gewählt

Parallel zur Europawahl werden in sechs Gemeinden die Bürgermeister gewählt - und zwar in Oststeinbek (Kreis Stormarn), Barmstedt (Kreis Pinneberg), Meldorf (Dithmarschen), Fockbek (Rendsburg-Eckernförde), Glücksburg (Schleswig-Flensburg) und Oldenburg (Ostholstein).

LN-Online berichtet Sonntag live

Die Lübecker Nachrichtenberichten am Wahlsonntag live von der Europawahl in Ostholstein sowie von der Bürgermeisterwahl in Oldenburg.

Ab 16 Uhrwerden Neuigkeiten aus den Wahlbüros im Kreis und Reaktionen zu Hochrechnungen im Live-Ticker bei LN-Online veröffentlicht. Ebenfalls dabei sind die Ergebnisse von weiteren Entscheiden auf kommunaler Ebene wie dem Bürgerentscheid zum Schulstandort in Eutin (mehr dazu lesen Sie hier) und die Entscheidung, wie es mit dem Eissport- und Tenniscentrum in Timmendorfer Strand weitergehen soll (mehr dazu lesen Sie hier).

Demokratie ist manchmal kompliziert. Was man in Zusammenhang mit der EU-Wahl für Sonntag, 26. Mai, alles wissen sollte, das erklärt der Kreis Ostholstein auf seiner Internetseite. Wer darf bei einer EU-Wahl wählen? Wann können Sie wählen? Wie können Sie wählen? Wann ist eine Stimme ungültig und wie funktioniert die Wahlauswertung? Alles wird in einfacher Sprache erklärt. Auf der Seite gibt es ebenfalls einen Link zu Informationen in Gebärdensprache.

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Wolfgang Schmidt/dpa