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Norddeutschland Fähre oder Tunnel: Preiskampf am Fehmarnbelt entbrannt
Nachrichten Norddeutschland Fähre oder Tunnel: Preiskampf am Fehmarnbelt entbrannt
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22:03 21.11.2014
Die Computergrafik zeigt das Tunnelportal auf deutscher Seite. Das Projekt soll 6,2 Milliarden Euro kosten. Quelle: Femern A/S/dpa
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Puttgarden/Kopenhagen

Die neue Kostenprognose für den Fehmarnbelttunnel befeuert die Diskussion, ob das geplante Jahrhundert-Bauwerk überhaupt rentabel ist. Die künftigen Konkurrenten von der Reederei Scandlines und Femern A/S gehen erneut aufeinander los. Gestritten wird darum, wer von beiden künftig die günstigere Passage am Belt anbietet. Während die Dänen für die Tunneldurchfahrt mit 65 Euro Mautgebühren rechnen, kassiert Scandlines auf seinen Fähren für die einfache Fahrt derzeit saisonabhängig ab 40 Euro, in der Vorweihnachtszeit ist die Rückfahrt inklusive.

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Der frühzeitige Preiskampf wird durch eine provozierende Äußerung von Stig Römer Winther, Direktor der Stiftung Femernbelt Development, angeheizt. „Wenn ich mir die Preise für eine Fährfahrt mit dem Pkw anschaue, dann ist das die Berliner Mauer am Fehmarnbelt“, sagte er den LN. „Weihnachtseinkäufe in Lübeck sind dann unbezahlbar. Dann muss meine Frau schon viele Paar Schuhe einkaufen.“ Der Konter von Scandlines kam prompt. Der Vergleich sei völlig unpassend, empörte sich Reederei-Aufsichtsratschef Søren Poulsgaard Jensen. Scandlines beschränke sich auf die Fakten: Femern habe seiner Finanzanalyse eine Tunnelmaut von 65 Euro für die einfache Pkw-Fahrt zu Grunde gelegt. „Das ist höher als unser Durchschnittspreis.“ Bei einer Überfahrt mit Scandlines könne man sich folglich mehr Schuhe in Lübeck leisten. Scandlines hatte zuletzt wiederholt bekräftigt, dass es mit den Fähren auch nach der Tunneleröffnung verkehren will.

Knud Erik Andersen, ehemals leitender Beamter der obersten dänischen Verkehrsbehörde, glaubt, dass Scandlines seine Preise unter dem Wettbewerbsdruck sogar noch um 30 bis 40 Prozent reduzieren könnte. Die Zeitersparnis reiche als Argument für den Tunnel dann nicht mehr aus. Zum Vergleich: Auf der festen Öresundquerung verlangen die Dänen schon heute 43 Euro für die Autopassage. Femern A/S verweist darauf, dass die Festlegung der Mautgebühren erst zu einem späteren Zeitpunkt durch den dänischen Verkehrsminister und die dänischen Politiker erfolgt. Der tatsächliche Preis werde sich am Markt orientieren.

Der dänische Verkehrsminister Magnus Heunicke hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass der Fehmarnbelttunnel 700 Millionen Euro teurer wird als mit 5,5 Milliarden Euro ursprünglich veranschlagt. Endgültige Zahlen könne er erst im Februar 2015 vorlegen, wenn die Baukonsortien ihr Angebot abgegeben haben.

Susanne Brelowski, Sprecherin der Allianz gegen die feste Querung, hält die aktualisierte Kostenrechnung für reine Augenwischerei. „Die Zahlen werden gezielt kleingerechnet, damit das dänische Parlament zustimmt.“ Auch die neue Verkehrsprognose sei sehr fragwürdig. „Woher soll der zusätzliche Verkehr denn auf einmal kommen?“

Das geplante Jahrhundert-Projekt in Zahlen

2015 wollen die Dänen mit dem Bau des Fehmarnbelttunnels beginnen. Dafür werden Betonelemente, jedes 217 Meter lang und 72 000 Tonnen schwer, in einen zuvor ausgehobenen Graben am Meeresgrund verlegt, danach mit Sediment abgedeckt. Der Tunnel zwischen Puttgarden und Rødbyhavn nimmt vier Fahrspuren und zwei Eisenbahngleise auf.
2021/22 soll der Tunnel eröffnet werden. Bis dahin sollen auf beiden Seiten des Belts die Hinterlandanbindungen von Straße und Schiene ausgebaut sein.

Curd Tönnemann und Peter Mantik