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Fahren Züge bald zweigleisig von Bad Oldesloe nach Neumünster?

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17:00 17.03.2021
Die Nordbahn von Bad Oldesloe nach Neumünster, hier im Bahnhof von Bad Segeberg: Ein Gutachten empfiehlt den zweigleisigen Ausbau.
Die Nordbahn von Bad Oldesloe nach Neumünster, hier im Bahnhof von Bad Segeberg: Ein Gutachten empfiehlt den zweigleisigen Ausbau. Quelle: Wolfgang Glombik
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Kiel

Die Bahnstrecke Bad Oldesloe–Bad Segeberg–Neumünster sollte dringend zweigleisig ausgebaut werden. Das rät ein Gutachten zum Schienenverkehr der Landesregierung in Kiel. Am Mittwoch wurde es im Wirtschaftsausschuss des Landtages vorgestellt.

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Gutachten: Schnelle Verbindungen, mehr Fahrgäste

Durch den Ausbau soll die Kapazität der Strecke deutlich erhöht werden. Außerdem stehe sie dann auch als Ausweichstrecke zur Verfügung. Schnellere Verbindungen würden generell mehr Fahrgäste auf die Schiene bringen.

Die Studie der Firmen „PTV Group“ „IVE mbh“ und des Instituts für Bahntechnik schlägt darüber hinaus einen landesweiten Ausbau der Schienenverbindungen vor. So sollte etwa auch die Strecke Geesthacht–Bergedorf reaktiviert werden, dazu die Strecke Neumünster–Ascheberg.

Nur 366 Kilometer sind bislang elektrifiziert

Vor allem aber sollte das Land die Strecken schnell elektrifizieren. Derzeit sind nur 366 Kilometer oder 29 Prozent von ihnen mit Oberleitungen versehen – in Schleswig-Holstein wurde während des Kalten Krieges ein großer Teil der strategischen Diesellok-Reserve bereitgehalten, was eine Elektrifizierung hier jahrzehntelang überflüssig gemacht hatte. Der Anteil sollte zügig bis auf 91 Prozent oder 1227 Kilometer erhöht werden, schlagen die Wissenschaftler vor. Durch solche und weitere Baumaßnahmen sollte zudem die Geschwindigkeit der Züge erhöht werden, wo möglich auf 140 bis 160 Kilometer pro Stunde.

Experten rechnen mit 336 000 „Beförderungsfällen“

Die Gutachter sind äußerst optimistisch: Bis zum Jahr 2035 könnte durch all diese Maßnahmen die Zahl der täglichen „Beförderungsfälle“ im Land von 229 000 auf 336 000 erhöht werden. Weil viele dieser neuen Fahrgäste dafür sicherlich das Auto stehen ließen, ließen sich dadurch 82 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen. Allerdings: Diese Berechnungen sind rein theoretischer Natur. Für die Maßnahmen gibt es noch keine konkreten Pläne, Machbarkeitsstudien oder gar Geldzusagen vom Bund.

Landespolitiker aus der Jamaika-Koalition wollen auf die Studie dennoch einen landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) aufsetzen. Es liege damit erstmals „eine ganzheitliche landesweite Betrachtung des Landesnetzes, der Verkehrsnachfrage und der möglichen Verbesserungsmaßnahmen vor“, heißt es in einer Erklärung.

Wo muss als erstes investiert werden?

„Mit diesem Wissen kann vieles verbessert werden“, sagt etwa der CDU-Abgeordnete Lukas Kilian. Die Reaktivierung von Strecken und Taktverdichtungen würden vielen Pendlern den Umstieg auf die Schiene erleichtern.

„Ich begrüße die Perspektive, dass in weniger als 15 Jahren kein einziger Dieselzug mehr fahren wird“, sagt der Grünen-Verkehrspolitiker Andreas Tietze. Das entlaste die Menschen an der Strecke und das Klima. „Eine ambitionierte Elektrifizierungs-Offensive könnte die Emissionen nennenswert senken und das Ende der rußenden Dieselloks besiegeln“, sagt auch der FDP-Politiker Kay Richert. Allerdings „müssen wir natürlich schauen, dass jeder eingesetzte Euro den größtmöglichen Nutzen fürs Land bringt und alle Landesteile profitieren“.

Von Wolfram Hammer