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Norddeutschland Fahrschüler mogeln mit Hightech-Ausrüstung
Nachrichten Norddeutschland Fahrschüler mogeln mit Hightech-Ausrüstung
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10:55 30.11.2015
Mit Hilfe von Kameras und Kopfhörern wird bei der Theorie-Prüfung geschummelt - offenbar mit System. Quelle: Marcus Führer /dpa
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Lübeck

Nach LN-Informationen soll es vor etwa vier Wochen bei einer theoretischen Prüfung in Neumünster zu einem SEK-Einsatz gekommen sein. Dabei sollen ein Prüfling, der technisch ausgerüstet war, sowie sein Helfer in einem Fahrzeug vor dem Gebäude erwischt worden sein.

„Circa 25 Betrugsfälle wurden aufgedeckt“, sagt Frank Walkenhorst, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbands Schleswig-Holstein. „Die Dunkelziffer ist sicher mindestens vier Mal so hoch.“ Meist handle es sich um Migranten, die ihren Führerschein umschreiben lassen wollen. Die Masche: Kameras übertragen die Fragen an die Hintermänner, diese sagen die Antworten über Kopfhörer vor. Das Verkehrsministerium in Kiel bestätigt, dass in Einzelfällen schwere Täuschungsversuche vorgekommen sind und noch immer vorkommen.

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Die Staatsanwaltschaft und der Tüv Nord wollen sich zu der Problematik nicht äußern, es gebe dazu laufende Ermittlungsverfahren. Nur so viel: „Es ist eine hoheitliche Prüfung, bei der mehrfach darauf hingewiesen wird, dass keine Hilfsmittel verwendet werden dürfen“, sagt Tüv-Sprecher Jochen May. „Natürlich haben wir auch Techniken, um das zu überwachen.“

Bei einem Täuschungsversuch gilt die Prüfung als nicht bestanden. In Schleswig-Holstein wird darüber hinaus eine Sperre von einem halben Jahr verhängt und danach eine Einzelprüfung angeordnet, um Betrug zu erschweren. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) kritisiert, dass derart massive Täuschungsversuche nicht einmal als Ordnungswidrigkeit geahndet und weder Prüfling noch die Hintermänner belangt werden können. Es sei bedauerlich, dass sich das Bundesjustizministerium in diesem Punkt nicht bewege, obwohl Personen, die durch Täuschung zum Führerschein gekommen sind, für die Verkehrssicherheit ein großes Risiko darstellen.

„Das ist ein riesiges Problem“, sagt Frank Walkenhorst. „Wir versuchen die Fahrlehrer aufzuklären.“ Die Masche ist bekannt, bestätigt Michael Reichentrog, Inhaber der Fahrschule Girod in Lübeck. „Das wirft ein schlechtes Licht auf alle Fahrschüler“, moniert Klaus- Günther Kosuch, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Bad Oldesloe. Für Fahrlehrer sei es schwierig zu beurteilen, ob das theoretische Wissen vorhanden ist oder nicht, da es bei Umschreibern oft Sprachprobleme gebe, sagt der Inhaber einer Fahrschule in Kiel. Wer schon bei der theoretischen Führerscheinprüfung gemogelt habe, führe das meistens bei der praktischen weiter.

Das Bundesverkehrministerium ist über die Probleme informiert. Geprüft werde, ob das Lichtbild von Fahrschülern zusammen mit dem Prüfauftrag an die Prüfstellen übersendet werden kann, um eine andere Masche, bei der ein Stellvertreter den Test absolviert, zu erschweren.

Der Weg zum deutschen Führerschein

Migranten aus Ländern, die nicht Mitgliedstaat der Europäischen Union sind, müssen ihren Führerschein umschreiben lassen, um in Deutschland fahren zu dürfen. Je nach Herkunftsland muss die theoretische und praktische Prüfung abgelegt werden. Eine Schulung muss nicht belegt werden.

In elf Sprachen kann die theoretische Führerscheinprüfung abgelegt werden – Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Spanisch und Türkisch. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt forderte jüngst, den Test auch auf Arabisch anzubieten.

Von Kim Meyer

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