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Norddeutschland Fehmarnsund: Was wird aus dem „Kleiderbügel“?
Nachrichten Norddeutschland Fehmarnsund: Was wird aus dem „Kleiderbügel“?
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19:23 05.11.2019
Die alte Fehmarnsundbrücke: Sind ihre Tage gezählt? Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Acht Varianten für die künftige Fehmarnsund-Querung stehen noch zur Auswahl – jeweils mit und ohne den Weiterbetrieb der alten, als „Kleiderbügel“ berühmten Fehmarnsundbrücke. Im Rennen sind noch getrennte Brücken für Straße und Schiene, eine kombinierte Straßen-Schienen-Brücke sowie Absenk- und Bohrtunnel, erklärte die Deutsche Bahn (DB).

Dennoch sei ein Trend absehbar: Beide Bohrtunnel-Varianten seien aufgrund des komplizierten Baugrundes sowie der langen Bauzeiten „nicht auf den vordersten Plätzen“. Sprich: Sie scheiden aus, allein schon aus Kostengründen. Nach älteren Berechnungen der DB von 2017 würde ein Bohrtunnel mindestens 1,5 Milliarden Euro kosten, alle anderen Varianten jeweils insgesamt um die 800 Millionen Euro.

Runder Tisch wird beteiligt

Eigentlich wollte die Deutsche Bahn schon am Dienstag ihre acht Varianten der Öffentlichkeit vorstellen. Doch sie musste zurückrudern, weil sie das Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung nicht vorher informiert hatte. „Das Dialogforum hat die Aufgabe, Betroffene zu Beteiligten zu machen, das gilt auch für die Sundbrücke“, sagte Christoph Jessen, der Sprecher des Dialogforums. „Wir haben einen eigenen Runden Tisch eingerichtet, der die Akteure aus dem näheren Bereich umfasst.“ Dieser Runde Tisch habe die Aufgabe, dem Dialogforum einen Vorschlag zu machen, um eine fundierte Meinungsbildung zu erreichen. In der kommenden Woche soll der Runde Tisch mit Vertretern der DB zusammentreffen. „Wir sind in Gesprächen über einen Termin“, sagte Jessen.

Entscheidung bis Jahresende

DB-Sprecher Peter Mantik bestätigte das. „Wir möchten nach dem Treffen mit dem Dialogforum die Pläne einer breiten Öffentlichkeit vorstellen“, kündigte er an. „Wir wollen bis Ende des Jahres wissen, welche Variante es werden soll. Dann stellen wir sie dem Bundesverkehrsministerium vor“, sagte Mantik. Grünes Licht von dort könne es im Februar geben. „Gerade wegen der Schienenanbindung müssen wir schnell eine Lösung finden.“ Ob die denkmalgeschützte Sundbrücke noch eine Rolle spielt, ist dabei eine zentrale Frage. Auch das soll jetzt schnell geklärt werden. „Die Entscheidung für oder gegen das Bauwerk ist komplizierter als angenommen. Sollte die Fehmarnsundbrücke langfristig weiter genutzt werden, dann aber ausschließlich für die langsamen Straßenverkehre sowie Fußgänger und Radfahrer“, heißt es von der DB.

Abgeordnete unterrichtet

Am Montag wurden zunächst die beiden Bundestagsabgeordneten aus Ostholstein, Bettina Hagedorn (SPD) und Ingo Gädechens (CDU), über die acht verbleibenden Varianten unterrichtet. „Zuerst muss mit den Mitgliedern im Dialogforum und den gewählten Kommunalpolitikern der betroffenen Region gesprochen werden. Deshalb habe ich darauf gedrängt, dass vor der Öffentlichkeit das Dialogforum informiert werden muss“, sagte Hagedorn. Sie freue sich, dass 2016 auf Druck des Rechnungsprüfungsausschusses erreicht wurde, dass entgegen der Maßgabe des Bundesverkehrsministeriums nicht nur zwei Brücken- und zwei Tunnelvarianten geprüft wurden, sondern auch Varianten, die den Erhalt der alten Sundbrücke ermöglichen. „Ich möchte der Diskussion nicht vorgreifen, aber ich stelle fest, dass am Erhalt der alten Sundbrücke schon Herzblut in der Region hängt“, erklärte Hagedorn.

Wer kommt für die alte Brücke auf?

„Uns wurden von der DB die Varianten vorgestellt, aber keine Zahlen genannt“, sagte Ingo Gädechens (CDU). Die bestehende Sundbrücke habe eine hohe Symbolkraft für Schleswig-Holstein, auf den ersten Blick würde er „ein ähnlich schönes Bauwerk“ bevorzugen. „Eine Schrägseilbrücke mit Y-Pylonen wäre mir die liebste Variante, aber ohne Erhalt der alten Brücke. Denn da sehe ich ein großes Problem: Wer hält die alte Brücke instand?“, fragte der CDU-Abgeordnete. Die DB sei dann für die neuen Bahngleise verantwortlich, während der Bund sich um das Straßenbauwerk kümmern müsse. „Der Kreis Ostholstein wäre sicherlich überfordert, die Kosten für die alte Brücke, die den Individualverkehr aufnehmen soll, zu tragen“, erklärte Gädechens.

Buchholz verärgert

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) war verärgert, von der Information ausgeschlossen worden zu sein. „Mich irritiert, dass Frau Hagedorn hier offenbar ein Exklusiv-Informationsrecht für sich beansprucht und das Land ausschließt“, kritisierte Buchholz. Eine neue Querung ist notwendig, weil die alte Fehmarnsundbrücke nicht dem Verkehr der Zukunft gewachsen ist. Das hängt mit der geplanten Fehmarnbeltquerung nach Dänemark zusammen. Die alte Sundbrücke würde ein Nadelöhr darstellen und könnte die zukünftigen Lasten der Güterzüge und des Straßenverkehrs nicht tragen.

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