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Norddeutschland Fehmarnsund: Kommt Deutschlands höchste Schrägseilbrücke?
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21:07 21.11.2019
Wird die Sundbrücke durch ein mehr als doppelt so hohes Bauwerk ersetzt oder bleibt sie? Die Entscheidung darüber soll noch in diesem Jahr fallen. Quelle: Luisa Jacobsen
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Fehmarn/Großenbrode

Wie wird die künftige Sundquerung aussehen? Werden Autofahrer durch einen Absenktunnel, über die alte Sundbrücke oder über eine ganz neue Brücke fahren? Die Antworten auf diese Fragen sollen noch in diesem Jahr gefunden werden.

Sicher ist schon: Nach den Plänen der Deutschen Bahn und dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr würde eine neue Brücke sehr viel höher als das Bestandsbauwerk sein. Die Schrägseilbrücke könnte die höchste in Deutschland werden. Passt das nach Ostholstein?

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Bauwerk würde höher als die Rheinbrücke in Düsseldorf

Etwa 160 bis 170 Meter würde der sichtbare Teil der neuen Sundbrücke in die Höhe ragen – je nachdem, ob es eine kombinierte Brücke wird, getrennte Brücken und, ob die Sundbrücke erhalten bleibt. Die höchste Stelle der Bauwerke sind die Pylonen – die Bauteile, über die die Schrägseile gehalten werden. Die Fehmarnsundbrücke ist vergleichsweise klein. Sie ragt nur etwa 75 Meter in die Höhe.

Mit diesen Ausmaßen würde sich eine neue Sundbrücke in die Liga der höchsten Schrägseilbrücken Deutschlands einordnen. Noch ist mit einem Pylon von 146 Metern die Rheinbrücke Flehe in Düsseldorf das höchste Bauwerk dieser Art.

Ebenfalls sehr hoch sind mit 135 Metern die Köhlbrandbrücke in Hamburg sowie mit 126 Metern die Rügenbrücke, die Stralsund mit der Ostseeinsel verbindet. An die Öresundbrücke, die das schwedische Malmö mit der dänischen Hauptstadt Kopenhagen verbindet, würde das neue Bauwerk allerdings nicht heranreichen. Dort reichen die Pylone mehr als 200 Meter in die Höhe.

Diese Brücken sind so hoch wie der Entwurf für die neue Sundbrücke: Bisher hat keine Schrägseilbrücke in Deutschland 160 oder 170 Meter hohe Pylonen. Klicken Sie hier, um Bauwerke zu sehen, die ähnlich hoch sind.

Das sagen Bürgermeister und Tourismus-Chef zu den Plänen

Fehmarns Tourismus-Direktor Oliver Behncke ist gegenüber einem neuen Bauwerk grundsätzlich offen eingestellt. „Aus touristischer Sicht wäre eine Schrägseilbrücke mit einer entsprechenden Fahrbahnhöhe natürlich spannend, weil sich von dort aus herrlich der gesamte Sund überblicken ließe.“

Eine reine Tunnellösung – also mit Abriss der Bestandsbrücke – sieht er kritisch: „Selbst Gäste, die Fehmarn nur als Durchgangsstrecke nutzen, bekämen von der Schönheit der Insel bei einer Tunnellösung ja gar nichts mit. Ich persönlich bevorzuge daher deutlich eine Brücke statt eine Tunnellösung als Sundquerung.“

Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber (SPD) versucht derzeit, ein Stimmungsbild der Stadtvertreter in Sachen Brücke oder Tunnel und Bestandsbauwerk zu sammeln. Anders als in Großenbrode, wo 2014 die Gemeindevertretung vor allem aus Lärmschutzgründen eine Resolution für einen Absenktunnel verabschiedet hat, ist auf der Insel bisher kein politischer Beschluss gefasst worden.

„Ich möchte mal ein Gefühl für Mehrheiten bekommen“, sagt Weber. Dieses Meinungsbild möchte er dann ins Dialogforum einbringen – obgleich er und andere Kommunalpolitiker bei der letzten Sitzung des Gremiums Zweifel hinsichtlich der Einflussmöglichkeit auf die Entscheidung geäußert hatten.

Weber selbst findet es bei der Bewertung der Brückenbauwerke wichtig, zwischen Erhalt und Abriss der Sundbrücke zu unterscheiden. Wenn die alte erhalten bliebe, würde sie durch das neue, große Bauwerk in ein schlechtes Licht gerückt werden. „Das wäre wahrscheinlich ein grausames Bild.“

Klicken Sie hier, um die schönsten Bilder der Sundbrücke vor Fehmarn aus dem LN-Archiv zu sehen.

 

Lage und Verkehrslast sind Grund für die Ausmaße

Skeptisch zeigt sich Jürgen Zuch, Regionalbeauftragter in Fehmarn und Großenbrode für die feste Fehmarnbeltquerung sowie die Sundquerung. Er fragt sich angesichts eines so hohen Bauwerks in der Landschaft: „Wird unser Fehmarnsund das vertragen?“

Auch Oliver Behncke macht sich Gedanken um das Gesamtbild: Inwieweit sich die hohen Pfeiler einpassen, müsse zu gegebener Zeit ein Modell zeigen.

Doch unabhängig davon, wie die Ausmaße des Bauwerks bewertet werden. Verhandelbar werden sie wohl kaum sein. Bahnsprecher Peter Mantik erklärt: „Im Vergleich zu der im Jahr 1963 in Betrieb genommenen Bestandsbrücke müssen für die neue Querung höhere Verkehrslasten angenommen werden. Weiterhin ist der Sund westlich der Bestandsbrücke breiter, das heißt, eine längere Strecke muss überspannt werden.“ Die Höhe der Pylone ergebe sich aus der Spannweite und den erforderlichen Winkeln, die für die Lastenverteilung benötigt würden.

Brücken im Vergleich Quelle: Jochen Wenzel

Eine zweite Sundbrücke wird es nicht geben

Die ersten Visualisierungen soll die Öffentlichkeit voraussichtlich am 28. November zu sehen bekommen. An diesem Tag kommt das Dialogforum zu einer öffentlichen Sitzung in Oldenburg zusammen, zudem ist ein Infotermin von Bahn und Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr um 19.30 Uhr im Meerhuus in Großenbrode angesetzt.

Klar ist schon jetzt: Eine Bauwerk in Gestalt der Bestandsbrücke kann es nicht geben. „Ein Netzwerkbogen, der genauso filigran wie bei der bestehenden Brücke ausgebildet ist, konnte aufgrund der höheren Lasten und der Spannweite nicht realisiert werden“, sagt Mantik. Alternative Netzwerkbogen-Konstruktionen habe man untersucht. Sie hätten im Vergleich mit den Schrägseilkonstruktionen schlechter abgeschnitten.

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Von Luisa Jacobsen

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