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Norddeutschland Feuerwehr: Landesweit besteht erhöhte Brandgefahr
Nachrichten Norddeutschland Feuerwehr: Landesweit besteht erhöhte Brandgefahr
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10:34 05.07.2018
Christian Thal und Andrej Wink von der Geesthachter Feuerwehr bekämpfen einen Brand auf einem in Flammen stehenden Gerstefeld bei Hamwarde (Herzogtum Lauenburg). Quelle: Timo Jann
Lübeck/Kiel

„Landesweit ist eine höhere Brandgefahr festzustellen“, sagt Volker Arp, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes. Im Gegensatz zu anderen Jahren habe die Trockenheit diesmal sehr früh eingesetzt. Nicht nur die Sonne, auch der Wind trockne das Land aus, so Arp. Am Mittwoch brannten Getreidefelder bei Worth, Wangelau, Berkenthin und Bäk (Kreis Herzogtum Lauenburg) sowie in Reinbek und Glinde (Kreis Stormarn). In Lübeck rückte gar die Flughafenfeuerwehr aus, um einen Feldbrand in Wulfsdorf zu löschen. Zuvor war bei Neustadt (Kreis Ostholstein) ein Mähdrescher in Brand geraten – bis zu drei Hektar Getreide wurden vernichtet. In Högersdorf (Kreis Segeberg) hatte eine Rundballenpresse ein Feld in Flammen gesetzt.

„Es ist so knochentrocken, dass der kleinste Funke einen Brand auslösen kann“, berichtet Peter Koll, Geschäftsführer für den Kreisbauernverband Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Die Anzahl der Brände sei heute schon höher als im vergleichbaren Erntezeitraum der Vorjahre. Die Weizenernte beginne ja erst. „Wir können von Glück reden, dass Flächenbrände noch nicht auf Waldgebiete übergegriffen haben“, meint Koll. Bei Gut Gülzow (Kreis Herzogtum Lauenburg) hatte am Wochenende erst ein Stoppelfeld, dann ein Gerstenfeld gebrannt. Der Wind hatte das Feuer Richtung Rülauer Forst getrieben.

Güllewagen vorsorglich mit Wasser füllen

„Flächenbrände sind sehr gefährlich, weil sie durch den Wind schnell die Richtung ändern können“, sagt Landesfeuerwehr-Geschäftsführer Arp. Zudem seien sie sehr personal- und materialintensiv, „weil wir dem Feuer immer nur hinterherlaufen können“. Es müssten zudem lange Schlauchwege gelegt und Wassertanks angeliefert werden. Der Bauernverband appelliert an die Landwirte, Güllewagen schon vorsorglich mit Wasser zu befüllen, um die Feuerwehr im Notfall unterstützen zu können. Autofahrer sollten keine brennenden Zigarettenkippen, keine Flaschen oder Dosen aus dem Fenster werfen. „Durch den Brennglaseffekt kann jeder Grashalm sofort Feuer fangen“, warnt Koll.

Noch schlimmer ist die Lage in Mecklenburg-Vorpommern. Fast täglich verbrennt auf den Äckern im Nordosten Getreide. So setzte am Dienstag ein brennender Vogel in Rostock ein Feld in Brand. Nach Angaben der Polizei hatte das Tier auf der Oberleitung einer Bahnlinie gesessen und dort einen Kurzschluss ausgelöst. Daraufhin fiel der Vogel brennend zu Boden – und entzündete das trockene Feld. Sieben Hektar wurden zerstört. „Die Lage ist dramatisch. Die ohnehin knappe Ernte ist durch Feld- und Flächenbrände in höchster Gefahr“, warnte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD).

Für die Wälder in Schleswig-Holstein gilt die mittlere Gefährdungsstufe 3. Der Landesfeuerwehrverband rechnet in den nächsten Tagen aber mit Stufe 4.

Von Julia Paulat