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Norddeutschland Zu wenig Personal, OP-Ausfälle, „gesperrte“ Betten
Nachrichten Norddeutschland Zu wenig Personal, OP-Ausfälle, „gesperrte“ Betten
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09:06 05.06.2019
Eine OP im Universitätsklinikum Lübeck: Führende Mediziner warnen vor einem Personalnotstand bei Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegekräften, wenn die Jamaika-Landesregierung nicht sofort ihre Zuschüsse fürs UKSH erhöht. Quelle: Felix König
Lübeck/Kiel

Im November erst schlugen die UKSH-Ärzte Alarm. In einem Brandbrief an CDU-Ministerpräsident Daniel Günther forderten sie dringend mehr Unterstützung fürs Uniklinikum in Kiel und Lübeck ein, warnten vor einem Zusammenbruch der Krankenversorgung. Jetzt legen sie in einem neuen Schreiben ans Kieler CDU-Wissenschaftsministerium nach. Das Schreiben liegt den LN vor.

Mediziner: Land hält sich nicht an Zusagen

Trotz einer anderen Zusage des Landes werde das UKSH unter den derzeitigen Rahmenbedingungen eine weitere Arbeitsverdichtung der Ärztinnen und Ärzte und Pflegerinnen und Pfleger nicht verhindern können, warnen die Sprecher der Klinikdirektoren in Kiel, Norbert Frey, und Lübeck, Jörg Barkhausen, sowie UKSH-Vorstandschef Jens Scholz in dem neuen Schreiben. Außerdem ließen sich Forschung und Lehre und damit auch die Ausbildung der kommenden Ärztegeneration nicht mehr wie bisher aufrecht erhalten.

Professor Jörg Barkhausen vertritt die Interessen des UKSH als Sprecher der Lübecker Klinikdirektoren. Quelle: Agentur 54°

CDU-Staatssekretär Oliver Grundei hatte die Mediziner aufgefordert, ihren Brandbrief näher zu erläutern. Das UKSH habe sich neu organisiert, seine Leistung unter Einhaltung aller Qualitätsstandards gesteigert und schreibe im operativen Geschäft schwarze Zahlen, schreiben sie dem Staatssekretär jetzt.

Auch die umfassende Sanierung der Gebäude werde man zum Großteil selbst erwirtschaften, während andere Bundesländer ihre Universitätsklinika aus Landesmitteln modernisieren. Darüber hinaus schmelze das Land aber seine Zuschüsse faktisch auch noch immer weiter ab. 2018 hätten sie bei 132,6 Millionen Euro gelegen, eine Million Euro weniger als 2005 – und das trotz Inflation und Lohnsteigerungen. Die Landesausgaben insgesamt hätte die Politik im selben Zeitraum um über 30 Prozent gesteigert.

Zu 100 Prozent in Landesbesitz

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein mit Sitz in Lübeck und einem weiteren Standort in Kiel gehört zu 100 Prozent dem Land. Vorsitzende des Aufsichtsrates ist derzeit mit Friederike Kampschulte eine Abteilungsleiterin im Wissenschaftsministerium. Die hohen Schulden des UKSH sind somit streng genommen Landesschulden, sollen aber erst allmählich in den den Landeshaushalt übernommen werden.

Die Folgen dieser Unterfinanzierung aus Sicht der Mediziner: Das UKSH werde als Arbeitsort immer unattraktiver. Junge Ärztinnen und Ärzte, „die besten Köpfe der Universitätsmedizin“, könnten immer seltener für die Forschung freigestellt werden. Die Ausstattung werde immer schlechter. Und das Pflegepersonal werde immer weiter belastet.

Dabei führe bereits jetzt „der gravierende Mangel an Pflegekräften regelmäßig zu Bettensperrungen“. Lange geplante Spezialeingriffe könnten nicht vorgenommen werden, weil Ärzte in Notdiensten festhingen. Das sorge am Ende auch für Einnahmeausfälle.

Das CDU-Wissenschaftsministerium arbeitet an einem „Konzept“

Die Forderungen der UKSH-Mediziner sind daher eindeutig: 50 Millionen Euro müsse das Land ab sofort pro Jahr zusätzlich ins Klinikum pumpen. Es müsse eine stabile Investitionsquote geben, damit die Apparate ständig modernisiert werden können. Und es müssten zusätzliche Ärzte und Pflegekräfte eingestellt werden – insbesondere zusätzliche Fach- und Oberärzte, weil sie die Aus- und Weiterbildung vieler Fachärzte fürs ganze Land übernehmen.

Außerdem müsse es dem UKSH erlaubt werden, Leistungsträger unter Ärzten und Pflegekräften auch zu besseren Konditionen zu beschäftigen, um sie als Fachkräfte am Klinikum zu halten und nicht an private Krankenhäuser zu verlieren.

Aus dem Wissenschaftsministerium von Grundei und CDU-Bildungsministerin Karin Prien hieß es am Dienstag nur, man befinde sich in Gesprächen mit dem UKSH. Und: Bis zur Haushaltsaufstellung im November soll ein nicht näher bezeichnetes „Konzept“ vorliegen.

Landtags-SPD fordert mehr Geld fürs UKSH

Die SPD-Finanzpolitikerin Beate Raudies fordert von der Jamaika-Regierung mehr finanzielles Engagement fürs UKSH. Quelle: Lutz Roeßler

Die SPD-Landtags-Opposition hingegen forderte die Jamaika-Regierung bereits im November dazu auf, ihr Sondervermögen „Impuls“ – eine millionenschwere Rücklage für Investitionen in die Infrastruktur – zu öffnen und einen Teil des Geldes sofort ins Uniklinikum zu stecken.

Die zögerliche Haltung der Regierung sei absolut unverständlich, betont die SPD-Finanzpolitikerin Beate Raudies auch jetzt wieder. Für die SPD sei klar: „Wenn man einen Maximalversorger in der Krankenversorgung haben will, muss man ihn eben auch richtig ausstatten.“

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