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Norddeutschland Fischer fühlen sich gegängelt
Nachrichten Norddeutschland Fischer fühlen sich gegängelt
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20:10 12.12.2016
Neue Netztechniken müssten her, um Beifang zu vermeiden, sagt Dieter Hullmann. FOTO: DPA
Neue Netztechniken müssten her, um Beifang zu vermeiden, sagt Dieter Hullmann. FOTO: DPA
Brake

Das Wort Überfischung hört Dieter Hullmann nicht gern. „Alle sprechen von überfischten Meeren“, sagt der geschäftsführende Vorsitzende der FischereiGenossenschaft Elsfleth, die insgesamt 24 Fischkutter betreut. „Komischerweise sind die Erträge seit 20 Jahren gleich.“ Klar bemerkten die Fischer auch Schwankungen in den Beständen. „Aber die hat es schon immer gegeben.“ Ob Scholle, Seezunge, Kabeljau, Steinbutt, Rochen oder selbst der Dornhai: Es gehe ihnen gut.

Das sehen nicht nur Umweltschützer und Meeresbiologen anders, sondern auch die Fischereiminister der EU- Staaten. Jedes Jahr legen sie auf Grundlage von wissenschaftlichen Gutachten deshalb Fangquoten fest. Sie geben an, wie viele Tonnen einer bestimmten Fischart in einem Jahr gefangen werden dürfen. Vom Dorsch in der westlichen Ostsee sollen im kommenden Jahr 56 Prozent weniger gefangen werden als in diesem Jahr, weil Forscher einen Zusammenbruch des Bestandes fürchten.

Konsequenzen hat das auch für Dieter Hullmann. Einer seiner eigenen vier Kutter ist in der Ostsee unterwegs. In wenigen Tagen entscheidet die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, ob er dort weiter auf Fischfang gehen darf. „Weil die Quote so drastisch gesenkt wurde, wird überlegt, dass Nordsee-Kutter nicht mehr in der Ostsee fischen dürfen.“

Oft müssen Schiffe im Hafen bleiben, weil die Quote bereits abgefischt wurde. Bei Hullmann sind das schon mal bis zu drei Wochen. Ein weiteres Problem sei die sogenannte Anlandeverpflichtung, die ab 2017 in der Nordsee gilt. Sie besagt, dass kein Fischer mehr unbeabsichtigt gefangene Fische zurück ins Meer werfen darf. Wer den Fischern unterstellt, sie könnten weiterhin unbemerkt Beifang über Bord werfen, wird von Hullmann eines Besseren belehrt: Es gebe Kameras an Bord, ein elektronisches Logbuch, stündliche Meldungen über die Position, Fangeintragungen, Kontrollen auf See und im Hafen.

„Die Fischerei ist die am besten kontrollierte Branche Deutschlands“, sagt Hullmann. „Schummeln geht nicht.“

LN