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Norddeutschland Fischern droht Absenkung der Heringsquote
Nachrichten Norddeutschland Fischern droht Absenkung der Heringsquote
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21:10 31.05.2017
Ein Fischer kehrt mit Stellnetzen voll Hering zum Hafen zurück.
Ein Fischer kehrt mit Stellnetzen voll Hering zum Hafen zurück. Quelle: Foto: Dpa
Rostock

. Die Fischer im Norden müssen sich darauf einstellen, in der westlichen Ostsee künftig deutlich weniger Hering zu fangen als bisher. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) empfiehlt für das kommende Jahr eine Absenkung der Heringsquote um 39 Prozent auf 17309 Tonnen.

Ursache sei zum einen die schlechte Nachwuchsproduktion des Bestandes, die seit 2004 auf niedrigem Niveau liege und sich in den vergangenen drei Jahren weiter reduziert habe, sagte der Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann, gestern.

Ein weiterer Grund sei, dass die Ergebnisse der statistischen Modellberechnungen rückwirkend geändert wurden, weil auch die Zahlen der ein- und zweijährigen Heringe rückläufig waren. So habe der Rat die Biomasse für den Bestand von 115000 auf 95000 Tonnen korrigiert. Damit sei der Bestand nicht mehr im grünen Bereich. „Das ist besonders tragisch für die Fischerei, weil dieser Rückgang nicht durch Fänge zu begründen ist“, sagte Zimmermann. Die Quoten werden vom EU-Ministerrat im Oktober beschlossen. Die Empfehlungen des ICES dienen als wissenschaftliche Grundlage.

Die Fischer kritisierten die Empfehlungen. „Das kann keiner von uns verstehen“, sagte der Vize-Vorsitzende des Verbandes der Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern, Michael Schütt. In den vergangenen Jahren sei den Fischern von der Wissenschaft immer gesagt worden, dass der Bestand im grünen Bereich sei.

Schütt forderte politische Unterstützung, die empfohlene Absenkung zu verhindern. Sollte es tatsächlich zu einer drastischen Quoten-Reduzierung kommen, müsse es finanzielle Unterstützung geben. „Die Fischer müssen sehen, wie sie das nächste Jahr überstehen.“ Allein für die Erzeugergenossenschaft Freest würde eine solche Absenkung demnach einen Einnahmeverlust von 500000 Euro bedeuten.

Seit 2004 produziert der westliche Heringsbestand nach Angaben des Thünen-Instituts schwächelnde Nachwuchsjahrgänge. Im Greifswalder Bodden, wo rund 80 Prozent des Bestandes rekrutiert werden, gingen die Larvenzahlen deutlich zurück. Die 2016erWerte lagen mit 0,4 Milliarden Larven bei rund einem Fünfzehntel der durchschnittlichen Langzeitwerte und einem Fünfzigstel des Spitzenwertes von 1996 mit 21 Milliarden Larven. Die Forscher des Thünen-Instituts vermuten als Ursache für den Rückgang Störungen in der Nahrungskette durch klimabedingte Temperaturveränderungen, so dass die Larven verhungern. Zudem sei durch das stärkere Wachstum von Kleinalgen die Eiablage auf Seegräsern erschwert.

Sollten die Empfehlungen des Rates umgesetzt werden, würde es erstmals nach vier Jahren zu einer Absenkung der Fangmengen für den westlichen Hering kommen. In den vergangenen drei Jahren war die Quote um 43 Prozent angehoben worden – von 19800 Tonnen 2014 auf 28401 Tonnen 2017.

LN