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Norddeutschland Kapitän Schmidt: „Carola Rackete hat richtig gehandelt“
Nachrichten Norddeutschland Kapitän Schmidt: „Carola Rackete hat richtig gehandelt“
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18:42 01.07.2019
Kapitän Stefan Schmidt vor der „Cap Anamur“ 2010 im Lübecker Hafen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Carola Rackete (31) habe richtig gehandelt, sagte Schmidt (77), der heute Flüchtlingsbeauftragter der Kieler Landesregierung ist. Ihre Festnahme sei falsch gewesen. „Wenn es um Menschenleben geht, kann man notfalls auch gegen Gesetze verstoßen“, urteilt der Kapitän. Im Zweifel müssten die Gesetze eben geändert werden. „Weitere Bemerkungen über diese tapfere Frau erübrigen sich.“

Schiff wurde beschlagnahmt

Rackete wurde am Montag vom Untersuchungsrichter vernommen. In der Nacht zu Sonnabend war sie mit 40 Flüchtlingen an Bord – und nach zwei Wochen vergeblichen Bittens – ohne Erlaubnis der italienischen Behörden in den Hafen von Lampedusa eingelaufen. Daraufhin wurde sie unter Hausarrest gestellt. Ihr Schiff, die „Sea-Watch 3“, wurde beschlagnahmt.

Notstand an Bord

„Solche Schiffe sollten ohne Sanktionen in den Hafen gelassen werden“, bekräftigt Stefan Schmidt. Der frühere Kapitän des Lübecker Schiffes „Cap Anamur“ rettete 2004 selbst 37 Flüchtlinge aus dem Sudan aus Seenot – sie trieben hilflos in einem Schlauchboot. Als er nach wochenlangem Tauziehen in Sizilien anlegte, wurde auch er verhaftet und wegen Schleuserei angeklagt. Erst 2009 wurde er freigesprochen.

„Der Notstand an Bord wurde immer größer“, erinnert sich der Lübecker. Wochenlang durfte er Italien nicht anlaufen. „Die Flüchtlinge versuchten aus Verzweiflung schon ins Wasser zu springen.“ So sei die Situation bei Carola Rackete auch gewesen. „Diese Menschen sind einen langen Weg geflohen und mit den Nerven am Ende.“ In einer solchen Situation, in der es um Leben und Tod gehe, sei der Kapitän gezwungen zu handeln. „Der Kapitän ist allein verantwortlich. Was er entscheidet, sollte anerkannt werden.“ Dies entspreche auch internationalem Recht.

Das Verhalten der italienischen Regierung halte er für „äußerst bedenklich“, sagte Schmidt. Er bezeichnete Racketes Festnahme als „Einschüchterungsstrategie“. Das „Macho-Gehabe“ des italienischen Innenministers Matteo Salvini sei „grotesk und einer europäischen Staatengemeinschaft unwürdig“.

Flüchtlinge nach Lübeck?

Bereits im Februar hatten Lübeck, Kiel und Flensburg sowie die Gemeinde Sylt sich zu „sicheren Häfen“ erklärt und dem Bundesinnenministerium geschrieben, dass sie gemeinsam über 100 aus Seenot gerettete Personen direkt aufnehmen möchten. „Auch das Kieler Innenministerium hat diesen Vorstoß unterstützt“, sagt Schmidt

„Wir selektieren nicht, sondern nehmen Flüchtlinge zusätzlich auf – unabhängig davon, wer sie gerettet hat“, bekräftigt Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau auf die Frage, ob Lübeck auch die „Sea-Watch“-Flüchtlinge aufnehmen würde.

Im Falle einer Aufnahme werde die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes „schnell und unbürokratisch“ für eine Verteilung der Flüchtlinge auf die Kommunen, die sich zum „sicheren Hafen“ erklärt haben, sorgen, sagte Dirk Hundertmark, der Sprecher des Kieler Innenministeriums. „Die Initiative einiger Kommunen mit dem Signal einer zusätzlichen Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge aus dem Mittelmeerraum wird landesseitig begrüßt.“ Sie setze aber in jedem Fall eine positive Entscheidung der Bundesregierung voraus.

Brief an Schäuble geschrieben

Flüchtlingsbeauftragter Schmidt hatte am Montag erklärt, er werde sich bei Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) für eine Lösung auf dem kurzen diplomatischen Dienstweg einsetzen. „Ich schreibe heute noch einen Brief an Schäuble.“ Dieser habe ihm selbst seinerzeit unbürokratisch geholfen. Andere Bundespolitiker hatten ebenfalls bereits gestern die Festsetzung der Kapitänin verurteilt, darunter Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Außenminister Heiko Maas (SPD). Nach Angaben einer Sprecherin des Auswärtigen Amts wurde Rackete auch konsularische Betreuung angeboten, die sie bislang jedoch nicht angenommen habe.

Marcus Stöcklin

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