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Norddeutschland Flüchtlingskrise: Welle der Hilfsbereitschaft im Norden
Nachrichten Norddeutschland Flüchtlingskrise: Welle der Hilfsbereitschaft im Norden
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12:01 06.09.2015
Quelle: dpa
Kiel

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) lobte gegenüber den LN „die große Bereitschaft“ der Bürger, zu helfen. Nur so könne das Land die Herausforderung bewältigen. „Die große Unterstützung der Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner macht mich zuversichtlich, dass wir es auch in Zukunft meistern werden“, erklärte Albig.

Vielerorts haben Privatpersonen Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen. Andere engagieren sich als Sprachpaten, helfen beim Einkauf oder bei Behördengängen. In vielen Städten sind Cafés entstanden, die die Begegnung von Einheimischen mit Neuankömmlingen ermöglichen. Albig sprach von einer „ausgeprägten Willkommenskultur“ im Land.

Dennoch ist die Lage nach wie vor prekär. 4500 Flüchtlinge befinden sich derzeit in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Mehr dürften es auch nicht sein – denn mehr Betten sind nicht vorhanden. Während die Erstaufnahmen in Neumünster und Boostedt chronisch überbelegt sind, kommt das Land mit der dringend notwendigen Erweiterung der Bettenzahl kaum nach.

„Die notwendigen Erstaufnahmekapazitäten werden kontinuierlich errichtet“, erklärte dazu der stellvertretende Regierungssprecher Lars Erik Bethge.
Auch Betreuer fehlen: Das für die Erfassung und die Zuweisung an die Städte und Kreise zuständige Landesamt für Ausländerangelegenheiten (LfA) ist längst an seine Grenzen gestoßen und muss personell verstärkt werden.

Nach wie vor muss sich das Land vor allem auf ehrenamtliche Betreuer verlassen. Derzeit koordiniert sie das Rote Kreuz. Dies solle kein Dauerzustand sein, kündigte Bethge an. „Es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die ehrenamtliche Betreuung durch hauptamtliche Hilfe abzulösen. Dazu werden unter anderem notwendige Dienstleistungen wie Catering, Nachtwachen und Wochenenddienste an externe Dienstleister vergeben.“

Probleme gibt es nicht zuletzt bei der Weiterverteilung der Flüchtlinge an die Kommunen. 10445 Flüchtlinge wurden den Kreisen und kreisfreien Städten nach ihrer Registrierung zur Aufnahme und Unterbringung zugewiesen. Doch vielerorts verläuft die Bereitstellung von Wohnraum schleppend – teils, wie in Lübeck, wegen kommunalpolitischer Befindlichkeiten, teils aus Geldmangel. Zumindest was die Finanzen angehe, sei der Bund in der Pflicht, meint die Regierung in Kiel.

Bis Ende August wurden 12042 Asylsuchende registriert. Albig betonte, er sehe dies als Bereicherung. Die Zugezogenen wirkten für das Land „wie eine Vitaminspritze“. Jeder fünfte Asylbewerber sei Akademiker, jeder dritte Facharbeiter. Albig: „Diese gilt es, so schnell wie möglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“

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