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Norddeutschland Teurere Flugtickets: Wie stehen Politiker im Norden dazu?
Nachrichten Norddeutschland Teurere Flugtickets: Wie stehen Politiker im Norden dazu?
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19:24 20.07.2019
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) fordert eine Erhöhung der Luftverkehrsabgabe in Deutschland für den Klimaschutz. Das hätte höhere Flugpreise zur Folge. Quelle: dpa
Berlin/Kiel

Egal ob es zum Mittelmeerstrand, zu Verwandten oder an den Arbeitsplatz geht – heutzutage werden immer mehr Reisestrecken mit dem Flugzeug zurückgelegt. Fliegen spart nicht nur Zeit, sondern oftmals auch Geld im Gegensatz zu Bus, Bahn und Auto. Geht es nach Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) soll sich das zukünftig ändern. Die SPD-Politikerin fordert eine Erhöhung der Luftverkehrsabgabe, um gegen den CO2 -Ausstoß anzukämpfen. Das hätte vor allem einen Anstieg der Flugpreise zur Folge.

FDP: Striktes CO2 -Limit muss her

Aus Kiel erhält Schulze für ihr Vorhaben nur teilweise Zuspruch. Wirtschafts-Staatssekretär Thilo Rohlfs (FDP) hält nichts von solchen „hektischen Einzelmaßnahmen“. Der richtige Weg sei stattdessen ein vernünftiges Gesamtkonzept zur CO2 -Bepreisung. Der Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion, Oliver Kumbartzky, stimmt zu: „Den Klimawandel wird Frau Schulze mit einer höheren Luftverkehrsabgabe nicht aufhalten.“ Her müssten stattdessen ein striktes CO2 -Limit und günstigere Bahnpreise.

Die Grünen unterstützen die Forderung

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Voß unterstützt hingegen Schulzes Forderung. „Wenn das Flugzeug als klimaschädlichster Verkehrsträger mit Milliardensummen subventioniert wird, bleibt die Weiterentwicklung umweltfreundlicher Verkehrsträger wie der Bahn auf der Strecke.“ Zudem sollte auch Kerosin besteuert und internationale Flüge umsatzsteuerpflichtig gemacht werden. Klimafreundliche Alternativen wie Elektromobilität müssten für Verbraucher unbedingt attraktiver gemacht werden.

Kaum einer kommt mit dem Flugzeug nach Schleswig-Holstein

Voß vermutet, dass das Land Schleswig-Holstein von einer Erhöhung der Flugpreise profitieren würde: „Als Urlaubsland wird es dann noch beliebter.“ Die Leute entschieden sich so eher für einen Aufenthalt an der heimischen Küste anstatt im Ausland. Laut Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, kommen die meisten Urlaubsgäste aus Deutschland, einige aus Dänemark. Sie reisten fast ausschließlich mit dem Auto oder der Bahn an. Flugreisen spielten daher keine so große Rolle. „Für unseren Tourismus stehen erdgebundene Reisen im Fokus“, erklärt Bunge.

Zahl der Flugreisen wächst

Dennoch steigt die Anzahl der Flugreisen nach Angaben des Deutschen Reiseverbands stetig. 2018 reisten 41 Prozent der Deutschen Urlauber mit dem Flugzeug. Nur fünf Prozent entschieden sich für die Bahn. „In Studien geben Reisende aller Alters- und Einkommensklassen an, möglichst nachhaltig reisen zu wollen“, erklärt Verbandssprecher Torsten Schäfer.

Wirksame Maßnahme gegen den Klimawandel oder reine Abzocke? Die LN haben Bürger gefragt, was sie von der Forderung der Bundesumweltministerin Svenja Schulze halten.

„Einzelaktionen machen keinen Sinn“

Auch Rainer Kersten, Geschäftsführer des Bundes deutscher Steuerzahler Schleswig-Holstein, geht davon aus, dass eine Preiserhöhung für Flüge Verbraucher nicht abhalten würde, weiterhin mit dem Flugzeug zu verreisen. Stattdessen führe dies zu Ausweichsituationen. Reisende aus Schleswig-Holstein griffen dann beispielsweise auf den dänischen Flughafen in Billund zurück. Das würde sogar zu einer noch größeren Umweltbelastung führen. „Solche Einzelaktionen machen in einer EU-Welt mit offenen Grenzen keinen Sinn“, sagt Kersten. „Es muss ein ganz neues System auf EU-Ebene eingeführt werden, das konsequent nach dem CO2 -Ausstoß geht.“

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Fridays-For-Future-Aktivisten fordern Verbot von Inlandsflügen

Die deutsche Klima-Aktivistin Luisa Neubauer von der Umweltschutz-Bewegung Fridays For Future sprach sich jüngst für ein Verbot von Inlandsflügen aus. Sophia Marie Pott von Fridays For Future Lübeck erklärt dazu: „Wenn man es anhand von Anreizen nicht schafft, die Menschen zum Umdenken zu bewegen, muss man zu klaren Verboten greifen.“ Das Fliegen dürfe innerhalb Deutschlands keine günstigere Alternative zum Bahnfahren sein. Die Deutsche Bahn müsse deshalb ihre Preise senken und sich zugleich auf einen Fahrgästezuwachs vorbereiten.

Bürger setzen schon jetzt auf Alternativen

Beunruhigen lassen sich viele Bürger indes nur wenig von der drohenden Flugpreiserhöhung. Einige greifen schon jetzt auf Alternativen zurück. Richard Scherz (23) empfiehlt: „Flixbus oder Flixtrain sind auch eine gute Option. Die sind auch viel günstiger als die Bahn.“ Der Komfort sei dort zwar nicht so groß, doch das ist dem gebürtigen Schönberger nicht so wichtig. „Man muss eben Prioritäten setzen.“ Sein Bruder Paul Scherz aus Schönberg, Nordwestmecklenburg, ist der Ansicht, dass vor allem eine Preiserhöhung für Kurzstreckenflüge sinnvoll wäre. „Da kann man ja auch mit der Bahn oder dem Bus fahren“, sagt der 21-jährige Azubi. „Wenn man zum Beispiel nach Mallorca möchte, muss man eben fliegen.“

Urlaub mit dem Wohnwagen ist absolut bezahlbar

Karsten Spohr kommt aus Einbeck, Niedersachsen und fährt regelmäßig mit dem Wohnwagen in den Urlaub. Derzeit verbringt er die Sommerferien mit seiner Familie in Lübeck. „Wir kommen ein- bis zweimal jährlich nach Schleswig-Holstein“, erklärt der 51-Jährige. „Fliegen tun wir nie.“ Das Tolle am Wohnwagen sei, dass man sein Bett immer dabei hat und hinfahren kann, wo man möchte. „Während andere noch am Flughafen einchecken oder auf ihre Koffer warten, haben wir schon längst Urlaub“, schwärmt Spohr. Die Fahrt mit dem Wohnwagen sei zudem absolut bezahlbar.

Bahn sollte günstiger und zuverlässiger werden

Nadine Tümer aus Sereetz würde sich von einer Preiserhöhung nicht davon abhalten lassen, für ihren Urlaub in den Flieger zu steigen. „Ein bisschen mehr würde ich schon bezahlen, wenn es nicht gerade das Doppelte ist“, sagt die 37-jährige Mutter. „Immerhin spart man ja schon lange darauf hin. Ein Hunderter mehr schreckt die Leute bestimmt nicht ab.“ Wenn die Bahn als Alternative attraktiver werden möchte, sollte sie nicht nur günstiger, sondern auch zuverlässiger werden.

LN-Leser diskutieren Flugpreiserhöhung

Auch LN-Leser diskutierten auf Facebook über eine mögliche Preiserhöhung für Flüge. Matthias Seidler findet, es sollten vor allem Kreuzfahrten intensiver besteuert werden. „Das sind reine Freizeitaktivitäten und aus ökologischer Sicht vermeidbar.“ Flugreisen dienten hingegen auch oft dem „Broterwerb“. Der Lübecker Daniel Kerlin kritisiert: „Warum will Schulze fliegen teurer machen und nicht umweltfreundlicher?“ Die Forderung der Ministerin sei nicht zukunftsorientiert. Das Problem des CO2 -Ausstoßes ließe sich durch Innovationen wie synthetisches Kerosin lösen. Christoph Lühr aus Lübeck sagt zur Forderung von Schulze: „Im Zusammenhang mit einer Senkung der Bahnpreise wäre das noch sinnvoller.“ Nicole Gaidetzka stimmt zu und wünscht sich außerdem kostenlose Busfahrten.

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