Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Forscher wollen Blitztest für Pferdekrankheiten entwickeln
Nachrichten Norddeutschland Forscher wollen Blitztest für Pferdekrankheiten entwickeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
16:29 17.10.2019
Peter Belz, Chef der Tappendorfer Pferdeklinik, demonstriert mit einem Prototyp die Funktion eines Blitztests für Pferdekrankheiten. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Anzeige
Tappendorf/Kiel/Hamburg

Ansteckende Pferdekrankheiten wie Herpes oder die Druse sollen künftig mit einem Blitztest schon in maximal einer halben Stunde diagnostizierbar sein - und das sogar bereits vor Ausbruch der Krankheit. Wissenschaftler und andere Experten aus fünf Firmen und Forschungseinrichtungen in Schleswig-Holstein und Hamburg entwickeln gemeinsam ein entsprechendes tragbares Mini-Labor. Bisher dauert es meist drei bis fünf Tage, bis Laborergebnisse vorliegen. Mit dem neuen Gerät könnte Massen-Ansteckungen im Tierstall besser vorgebeugt werden.

Bei der Vorstellung des Projektes am Donnerstag in der Pferdeklinik Tappendorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) sagte Schleswig-Holsteins Technologieminister Bernd Buchholz (FDP), er sehe für das Gerät ein riesiges Marktpotenzial für den gesamten europäischen Raum. „Wir sind optimistisch, dass dieses Gerät in drei Jahren fertig entwickelt ist und in spätestens sechs Jahren produziert werden kann.“

Anzeige

Eine Million Euro Förderung

Hamburg und Schleswig-Holstein fördern die Entwicklung mit einer Million Euro. Das Gerät hat den sperrigen Namen Optochip - für Optoelektronisch-mikrofluidisches System zur Detektion von fluoreszenzmarkierten Nukleinsäuren.

Mehr lesen: Starke Qualitätsunterschiede bei Tierphysiotherapeuten

Beteiligt in Schleswig-Holstein sind die Kieler Uni, das Fraunhofer Institut für Siliziumtechnologie (ISIT, Itzehoe) und die Krämer Engineering GmbH (Jevenstedt). Hamburger Partner sind die Unternehmen Byonoy und altona Diagnostics. Buchholz überreichte den drei Partnern aus Schleswig-Holstein einen Förderbescheid über 525 000 Euro. Hamburg fördert die beiden Firmen in der Hansestadt mit 563 000 Euro. Das Verbundnetzwerk Life Science Nord der beiden Länder habe die passenden Partner zusammengebracht, betonte Manager Hinrich Habeck.

Anwendungsbereiche für Humanmedizin

Prof. Martina Gerken von der Uni Kiel erläuterte, bei Optochip handle es sich um ein System für die Veterinärmedizin mit besonderem Augenmerk auf den Einsatz an Pferden. Buchholz betonte, es gehe nicht nur um Krankheiten im Stall. Schon jetzt hätten die Forscher Anwendungsbereiche für die Humanmedizin sowie die Lebensmittel- und Umweltanalytik im Blick.

Mehr lesen: Therapie oder Einschläfern? Tierethiker zu Dilemma bei kranken Tieren

Zunächst werden zwei unterschiedliche Erregerpanels entwickelt - für Pferde-Herpesviren und für das Bakterium Streptococcus equi ssp. equi, das die Druse verursacht. In beiden Fällen werden mit einem Stäbchen Sekretproben aus der Nase der Pferde genommen. Es gebe aber auch andere Krankheiten, bei denen Blut- oder Speichelproben notwendig wären, erläuterte Susanna Arndt von altona Diagnostics. Vom Prinzip her könne das Mini-Labor auch andere biochemische Nachweise ermöglichen.

Aufgaben zwischen Einrichtungen aufgeteilt

Die Aufgaben der Akteure sind klar verteilt: Die Kieler Uni-Forscher entwickeln die miniaturisierte optische Messtechnik zum Nachweis der Erreger. Das ISIT für eine Einheit zur Aufreinigung der Proben zuständig. Krämer Engineering produziert eine filigrane Kunststoffkartusche mit Kammern zur vollautomatischen Aufbereitung und Vervielfältigung der Nukleinsäuren in den Proben und integriert die Bauelemente der Kieler Uni und des ISIT. Die Kartusche soll in einem von Byonoy zu entwickelnden Auslesegerät zum Einsatz kommen.

Mehr lesen: Wie Blutspenden Hunde- und Katzenleben retten

„Sollte die Entwicklung von Optochip gelingen, wäre dies ein Meilenstein“, sagte der Chef der Tappendorfer Pferdeklinik, Jörg Peter Belz. Denn mit dem mobilen Schnelltest ließen sich auch für Pferde, die in die Klinik kämen, unnötige Isolationszeiten vermeiden. Durch den Zeitgewinn würden Besitzer zudem viel Geld sparen.

Von RND/dpa

Anzeige