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Norddeutschland Problemwolf darf unbefristet getötet werden
Nachrichten Norddeutschland Problemwolf darf unbefristet getötet werden
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18:03 29.03.2019
Wo ist der Problemwolf? Dieser Artgenosse eines Europäischen Wolfes (Canis lupus lupus) steht in einem Gehege im niedersächsischen Springe. Von dem im westlichen Schleswig-Holstein wandernden Wolf „GW924m“ fehlt jede Spur. Quelle: dpa
Kiel/Lübeck

Seit zwei Monaten darf der Problemwolf „GW924m“ „entnommen werden“, wie der Abschuss im Ministeriumsdeutsch genannt wird. Die Genehmigung galt bisher bis Sonntag, 31. März. Nun wurde sie unbefristet verlängert. Nur wenn ein weiterer Wolf in der Region gesichtet wird, würde sie wieder erlöschen – um Verwechslungen zu vermeiden. „Sollte es bis Sonntagabend nicht gelingen, den Problemwolf zu erlegen, werden wir die Bemühungen zum Abschuss weiter verstärken“, sagte Minister Albrecht am Freitag in Kiel. Die Zahl der Jäger werde erhöht.

Mit Nachtsichtgeräten auf der Pirsch

Vom Bundeskriminalamt habe man Nachtsichtgeräte angefordert, die sonst bei der Jagd verboten seien, sagt Albrecht. Wie viele Jäger genau „GW924m“ am Ende nachstellen werden, werde aber nicht verraten. Ihre Anonymität solle gewahrt werden, damit renitente Tierschützer sie nicht belästigen können. Albrecht selber hat wegen der Abschussgenehmigung sogar schon Morddrohungen erhalten. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen aufgenommen.

HanseTalk zum Thema Wolf

Gehört der Wolf nach Schleswig-Holstein? Am Montag, 1. April, reden die LN darüber bei einem HanseTalk, der ab 18.30 Uhr im Livestream übertragen wird. Was ist der richtige Umgang mit dem umstrittenen Tier? Wie müssen Nutztiere geschützt werden?

Zu dieser Podiumsdiskussion haben wir kompetente Gäste eingeladen: Jan Philipp Albrecht (Grüne), Schleswig-Holsteins Umweltminister, Andreas-Peter Ehlers, Vizepräsident des schleswig-holsteinischen Landesjagdverbandes, Nicole Kruse, Schafshalterin aus Westerhorn im von zahlreichen Wolfsrissen betroffenen Kreis Pinneberg, sowie Christian Berge, Wolfsfreund und Autor aus Buchholz an der Aller.

Es haben sich schon mehr Gäste angemeldet, als im Europäischen Hansemuseum Platz finden, daher ist eine Anmeldung nicht mehr möglich. Wir zeigen die Diskussion aber live und in voller Länge über die Facebookseite von Lübecker Nachrichten Online. Der HanseTalk beginnt am Montag, 1. April (kein Scherz!) um 18.30 und dauert etwa bis 20 Uhr.

Keine Gelegenheit zum Abschuss – auch wegen der Wolfsschützer?

Die vom Umweltministerium beauftragte Gruppe habe sich seit Februar intensiv darum bemüht, den Wolf zu erlegen – aber vergeblich. Es habe sich keine Gelegenheit zum Abschuss ergeben, heißt es beim Umweltministerium, was auch an der „erheblichen öffentlichen Aufmerksamkeit an dem Vorgang“ liege. „Die Chance, ein bestimmtes scheues und intelligentes Tier zu erlegen, wird durch die Aktivität von unterschiedlichsten Personen an den Sichtungsorten des Wolfs nicht erhöht“, sagte Minister Albrecht und gibt damit den Wolfsschützern eine Mitschuld. Er habe stets darauf hingewiesen, dass „eine Entnahme einige Zeit in Anspruch nehmen“ könne. Auch für erfahrene Fachleute sei der Abschuss eines Wolfes alles andere als einfach.

Der aus Dänemark nach Schleswig-Holstein eingewanderte Wolfsrüde hat in den Kreisen Steinburg und Pinneberg mehrere Schafe gerissen. Seit Juni 2018 hält er sich in der Region zwischen den Autobahnen A 7 und A 23 auf, laut Umweltministerium liegen mindestens 17 genetische Nachweise von „GW924m“ vor. Er wurde auch in den vergangenen Tagen immer wieder dort gesichtet, heißt es vom Umweltministerium. Erst am Sonntag waren bei Hennstedt zudem wieder drei Schafe gerissen worden. Ob von ihm, einem anderen Wolf oder einem Hund, wird allerdings noch untersucht.

Vegetation macht einen Abschuss immer schwieriger

Die Ausweitung der Jagd auf den Problemwolf sei „dringend erforderlich, bevor der Raps zu hoch steht“, sagte Andreas-Peter Ehlers, Vizepräsident des Landesjagdverbandes. Bei fortgeschrittener Vegetation werde ein Abschuss immer schwieriger. Ehlers äußerte zudem die Hoffnung, „dass die sogenannten Wolfsschützer ihre nächtlichen Spaziergänge nicht ausweiten. Sie tun damit der Allgemeinheit keinen Gefallen.“

„Der Wolf ist gekommen, um zu bleiben“

Wolfsfreund Christian Berge aus Buchholz an der Aller kritisiert die Verlängerung der Abschusserlaubnis. Das Land Schleswig-Holstein solle stattdessen Nutztierhalter dazu bewegen, „wolfsabweisend einzuzäunen“ und zu akzeptieren, dass „der Wolf gekommen ist, um zu bleiben“.

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Auch Problemwolf in Niedersachsen wird länger gejagt

Auch in Niedersachsen wurde die Genehmigung zum Abschuss eines Problemwolfs verlängert – allerdings zunächst nur um einen Monat. Der Rüde mit der Kennung „GW717m“ soll bis zum 30. April getötet werden. „Das Verfahren zur Entnahme wird weiter unter Hochdruck vorangetrieben“, teilte das Umweltministerium in Hannover am Freitag mit. Die Gefahr weiterer Risse von geschützten Nutztieren bestehe fort. Der Leitwolf des sogenannten Rodewalder Rudels darf abgeschossen werden, weil er wolfsabweisende Zäune überwunden und Rinder in einer Herde angegriffen hat.

Es wird befürchtet, dass Leitwolf „GW717m“ diese laut Ministerium problematischen Jagdtechniken an seine Nachkommen weitergibt. Wölfe sind artenschutzrechtlich streng geschützt. Wolfsschützer hatten vergeblich versucht, die Ausnahmegenehmigung gerichtlich zu stoppen. Sie läuft bereits seit Ende Januar und wurde schon einmal verlängert.

Territorien, Vorkommen, Nutztierschäden: Klicken Sie hier, um die LN-Infografiken zum Wolf in Deutschland zu sehen!

Lars Fetköter und Wolfram Hammer

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