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Norddeutschland Gefährlicher Atomtransport auf dem Weg in den Norden
Nachrichten Norddeutschland Gefährlicher Atomtransport auf dem Weg in den Norden
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15:37 22.05.2013
Von Oliver Vogt
Quelle: DAPD
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Lübeck/Brokdorf

Der Atomtransport aus dem belgischen Dessel soll voraussichtlich durch den Elbtunnel gehen und dann über A 7 und A 23 nach Brokdorf geführt werden. Zwar befinden sich die Elemente in gesicherten Stahlcontainern. „Kommt es aber infolge eines Unfalls zu einem Feuer, vor allem in dicht besiedeltem Gebiet, hätten wir ein Riesen-Problem“, sagt Dirk Seifert, Energiereferent der Umweltorganisation Robin Wood. Bereits wenige Mikrogramm, die eingeatmet werden, wirkten tödlich.

Transporte von Kernbrennstoff sind zwar nicht ungewöhnlich – allein 2012 passierten 117 solcher Lieferungen Hamburg. Jedoch handelte es sich dabei zumeist um weitaus weniger gefährlicheres Uran. Laut Kieler Umweltministerium habe das KKW Brokdorf aber auch eine Betriebsgenehmigung für die Verwendung von plutoniumhaltigen Mischoxid-Brennstäben (MOX).

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„Mit dem Einsatz von MOX-Brennelementen kommen wir unseren gesetzlichen und völkerrechtlichen Verpflichtungen nach“, begründet Petra Uhlmann, Sprecherin des Brokdorf-Betreibers E.on Kernkraft. Laut Atomgesetz seien AKW-Betreiber verpflichtet, radioaktive Reststoffe schadlos zu verwerten.

Das stimme zwar, räumt Umweltschützer Seifert ein. Radioaktiver Abfall müsse nach Deutschland zurück gebracht werden. „Aber nichts zwingt die Betreiber dazu, Plutonium zu verbrennen.“ Das habe allein wirtschaftliche Gründe. Die Betreiber hätten ebenso die Möglichkeit, das bei der Uran-Verbrennung anfallende Plutonium als Abfall zwischenzulagern.

Auch die Umweltorganisation Greenpeace spricht sich gegen den Einsatz von Plutonium in Kernkraftwerken aus. „Denn er macht keinen Sinn“, sagt Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Die Verbrennung sei riskant und führe im laufenden Betrieb immer wieder zu Problemen. Zudem bestehe die Gefahr, dass die MOX-Brennelemente auch „militärische Begehrlichkeiten“ weckten. Aus ihnen lasse sich leicht waffenfähiges Plutonium herauslösen. Die Menge, die in dieser Woche durch Hamburg rollt, reiche aus, um 25 Atombomben vom Nagasaki-Typ herzustellen.

Auch deshalb ist der genaue Zeitpunkt des Transportes geheim. Die Umweltorganisationen gehen aber davon aus, dass er noch vor dem Wochenende erfolgen wird. Detlef Matthiesen, atompolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, hält den Einsatz von Plutonium zwar für „unverantwortlich“. Jedoch wäre es politisch und juristisch kaum möglich, E.on die Genehmigung dafür zu entziehen. „Das würde hohe Schadenersatzforderungen bedeuten“, sagt Matthiesen.

Oliver Vogt