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Norddeutschland Aufregung über Beltretter auch in Dänemark
Nachrichten Norddeutschland Aufregung über Beltretter auch in Dänemark
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08:35 31.07.2019
Die Beltretter-Demonstration am vergangenen Freitag in Kiel sorgt auch in Dänemark für Schlagzeilen. Der Verein war in die Kritik geraten, weil er Schauspieler für die Aktion bezahlte, ohne das vorab offenzulegen. Die Teilnehmer beschmierten sich mit Matsch, weil die Bauarbeiten angeblich die Ostsee verschlammen würden. Quelle: Agentur 54°/Felix Koenig
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Lolland/Lübeck

Mehrere Zeitungen griffen das Thema auf, der Radiosender P4 übernahm es in seine Nachrichten, der Fernsehsender „TV2 Ost“ ebenso. „Ich habe das Gefühl, dass es in Deutschland eine Opposition gibt, die ein bisschen fieberhaft ist und an Panik grenzt“, sagte der sozialdemokratische Politiker Lennart Damsbo Andersen dem Sender. Damsbo Andersen macht sich auf der Insel Lolland für den schnellen Tunnelbau stark.

Der Tunnel gilt in Dänemark in noch größerem Maße als in Deutschland als Zukunfts- und Vorzeigeprojekt und bekommt dort breite Unterstützung aus Politik und Bevölkerung. Und so widmen etwa auch die Zeitungen „Jyllands-Posten“ und „Folketidende“ dem Thema große Berichte.

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„Eine Opposition, die ein bisschen fieberhaft ist“

Bei „Folketidende“ wundert man sich etwa darüber, dass eine Beltretter-Sprecherin den Demonstranten-Kauf damit begründet, dass die direkt betroffenen Anwohner von Fehmarn alle arbeiten müssten und daher nicht immer Zeit für solche Aktionen hätten. Auf der Internetseite von „TV2 Ost“ wird zudem das Gebaren der Beltretter-Ordner während der Demonstration beleuchtet: „Als die Lübecker Nachrichten jedoch versuchten, einige der Demonstranten in der Kieler Innenstadt zu interviewen, hatten sie nicht viel Glück, sie zum Sprechen zu bringen.“

Tatsächlich hatte eine Beltretter-Organisatorin in Kiel den LN-Journalisten erklärt, dass es der Presse angeblich verboten sei, mit den Demonstranten zu reden. Den LN lag allerdings die Mail einer Künstleragentur vor, die Schauspieler für genau diese „politische Kundgebung“ der Beltretter suchte. Schließlich musste die Sprecherin zugeben, dass 30 der 39 Teilnehmer der Kundgebung bezahlte Komparsen waren, Hobby-Schauspieler, darunter Studenten und auch ein Flüchtling, die sich damit 60 Euro plus Fahrtkosten verdienten.

Wirtschaftsförderer fragt: Wo kam das Geld für die Aktion her?

Im Nachhinein behauptete der Verein, er habe die Aktion von Anfang als „künstlerische Inszenierung“ angekündigt. Landtagspolitiker von CDU, SPD und FDP in Kiel sprachen hingegen von einer Täuschung der Öffentlichkeit, einem faden Beigeschmack und dem Missbrauch des Demonstrationsrechts. Während die Landtags-Grünen die Aktion verteidigten, urteilte auch die Grüne Ex-Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms: „So schaffen sich die Beltretter selber ab und beschädigen das Instrument der Demonstration.“

Beim dänischen Sender „TV2 Ost“ wirft Stig Römer Winther von der Regionalentwicklungsgesellschaft „Femern Belt Development“ jetzt zudem die Frage auf, wie die Aktion finanziert werden konnte. „Ich bin überrascht, dass ein kleiner Verein wie ’Beltretter’, der von Mitgliedsbeiträgen leben sollte, es sich leisten kann, große, teure Kampagnen durchzuführen und Schauspieler einzustellen, um ihre Ansichten zu vertreten“, sagt Römer Winther.

Scandlines: Haben „keine Aktion bei den Beltrettern bestellt“

Unter dem Internet-Beitrag werden dazu unbestätigte Mutmaßungen angestellt. Demnach könnte die Reederei Scandlines, die die Fähre über den Fehmarnbelt betreibt, an der Finanzierung der Aktion beteiligt sein, heißt es dort. Tatsächlich waren auch Scandlines-Mitarbeiter und Betriebsräte bei der Demo in Kiel dabei.

Die LN fragten bei der Reederei nach. „Scandlines unterstützt finanziell nicht den Verein“, betont Sprecherin Anette Ustrup Svendsen. Und Scandlines habe auch „keine Aktion bei den Beltrettern bestellt“. Der Konzernbetriebsrat und Mitarbeiter seien aber tatsächlich „Mitglieder der Beltretter und unterstützen somit den Verein“, sagt die Sprecherin.

Bei den Beltrettern selber heißt es auf deren Internetseite nur, die Aktion sei „aus Spenden“ finanziert worden.

Wolfram Hammer