Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Gründer sagt Feuchttüchern den Kampf an
Nachrichten Norddeutschland Gründer sagt Feuchttüchern den Kampf an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 18.11.2019
Thorsten Homma zeigt, dass das Papier punktuell befeuchtet aus dem kleinen Wassertank kommt, den es in weiß, rosa und zwei Grautönen gibt. Quelle: John Garve/54°
Reinfeld

Mit Toilettenpapier kennt er sich aus: Zwei-, drei- und vierlagiges gibt es, sogar fünflagige Rollen werden inzwischen angeboten. Seit zwei Jahren experimentiert der 44-Jährige mit Klorollen – und mit Wasser. Das Ergebnis ist „Popobello“, ein zum Patent angemeldetes System, bei dem gewöhnliches Toilettenpapier über einen mit Wasser befüllten Tank befeuchtet wird. Das Wasser wird mittels einer Walze verteilt, so dass das Papier nur punktuell benetzt wird. „Dadurch bleibt es stabil“, erklärt Thorsten Homma, der vor einem Jahr die Simply Wet GmbH gegründet hat.

Idee stammt vom Schwiegervater

Die Idee stammt von seinem Schwiegervater Lothar Klöckner. Der hatte schon vor 15 Jahren erkannt, dass Feuchttücher und handelsübliches feuchtes Toilettenpapier zu einem Problem für Kanalisation und Klärwerke werden können. Und einen einfachen Toilettenpapierbefeuchter namens „Bideo“ entwickelt, mit anderer Optik und anderer Technik. 10 000 Stück sind damals verkauft worden, berichtet Homma, der das System jetzt weiterentwickelt hat.

Das Umweltbundesamt warnt

Der Verbrauch von Feuchttüchern ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Das Umweltbundesamt warnt davor, Feucht- oder Toilettentücher im Klo zu entsorgen, da sie immer öfter Verstopfungen und Pumpenausfälle verursachen. „Damit diese Tücher nicht zerreißen, bestehen sie meistens aus einem Polyester-Viskose-Gemisch oder aus Fasern, die mit Kunstharz vermischt sind“, informieren die Entsorgungsbetriebe Lübeck. Die Feuchttücher lösten sich nicht auf, sondern verfilzten und bildeten zähe Stränge, die Abwasserpumpen zum Stillstand bringen.

Feuchttücher lösen sich nicht auf

Zwei große mit Wasser gefüllte Gläser in Hommas Büroraum in Reinfeld (Kreis Stormarn) zeigen das eindrucksvoll. In einem schwimmt ein Feuchttuch, das nach acht Monaten noch aussieht wie neu. Im anderen Glas wirbeln Toilettenpapierstücke wie in einer Schneekugel. „Herkömmliches Toilettenpapier löst sich schon nach einer Minute in kleine Flocken auf“, erzählt Homma.

Im linken Glas sind acht Monate alte Feuchttücher zu sehen, rechts wirbelt aufgelöstes Toilettenpapier. Quelle: John Garve/54°

Wassertank in vier Farben

„Die meisten Menschen wissen gar nicht, welchen Schaden Feucht- und Toilettentücher anrichten können“, berichtet der Gründer von seinen ersten Messe-Erfahrungen. „Wir bekommen extremen Zuspruch.“ 5000 Toilettenpapierbefeuchter hat Homma herstellen lassen, 300 sind bereits verkauft. „70 Prozent nehmen weiß.“ „Popobello“ besteht aus zwei Komponenten: einem Toilettenpapierhalter aus poliertem Edelstahl und einem Wassertank aus hochwertigem Kunststoff, der in vier Farbtönen erhältlich ist: in Weiß, Hellgrau und Anthrazit, dazu noch in Rosa – für den Wickeltisch.

Mitarbeiter Niklas Möller zeigt einen Toilettenpapierbefeuchter in Grau. Im Büroraum stapeln sich die Kartons. Quelle: John Garve/54°

Denn auch für den Babypo hält der Jungunternehmer seine Papier-Wasser-Entwicklung für die beste Lösung. „Wasser reinigt sanft und schonend und ohne Chemie.“ Die in feuchtem Toilettenpapier enthaltenen Inhalts- und Konservierungsstoffe könnten die Haut reizen und austrocknen, auch Kontaktallergien könnten auftreten, sagt Homma. In vielen Regionen der Erde werde Wasser verwendet.

Funktioniert auch mit Recyclingpapier

Der dezente Tank fasst gut 200 Milliliter Wasser. „Das reicht für 25 Reinigungsvorgänge.“ Dabei lässt sich der Grad der Feuchtigkeit variieren. „Je schneller man zieht, desto nasser wird das Papier“, erklärt Mitarbeiter Niklas Möller. Wird das Papier nach oben gezogen, bleibt es trocken. Der Befeuchter funktioniert auch mit Recyclingpapier, optimal sind drei- und vierlagige Papiere.

Der gelernte Einzelhandelskaufmann, der aus Heidelberg stammt, ist überzeugt von seiner Entwicklung, die den „kleinen schnellen Waschlappen für den Po“ liefern soll. Dafür hat er sogar seinen Job als Abteilungsleiter beim schwedischen Möbelriesen Ikea aufgegeben – nach 25 Jahren. Und er will seinen beiden Töchtern zeigen, dass man mit einer guten Idee der Umwelt helfen kann.

Von Julia Paulat

Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für homöopathische Mittel und Behandlungen – obwohl die Wirksamkeit nicht belegt ist. Wie stehen Sie dazu?

23.11.2019

Der Fall Süsel zeigt, dass auch in vergleichsweise „heilen“ Regionen extreme Zustände entstehen können. Doch die Angst vor einer Stigmatisierung sollte keinen Schulleiter davon abhalten, Hilfe einzufordern. Ein Kommentar zu den Gewalttaten an der Grundschule.

17.11.2019

Auf 12 Euro pro Stunde wollen die Grünen den gesetzlichen Mindestlohn anheben. Auch SPD und Linke teilen die Forderung, die CDU ist dagegen. Wie stehen Sie dazu?

23.11.2019