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Norddeutschland 2019: Versicherte zahlen weniger
Nachrichten Norddeutschland 2019: Versicherte zahlen weniger
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20:36 11.12.2018
Wegen Reserven in Milliardenhöhe senken viele gesetzliche Krankenkassen zum kommenden Jahr ihre Beitragskosten.
Wegen Reserven in Milliardenhöhe senken viele gesetzliche Krankenkassen zum kommenden Jahr ihre Beitragskosten. Quelle: Jens Kalaene/ dpa
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Lübeck

Ab 2019 werden Versicherte bei gesetzlichen Krankenkassen finanziell stärker entlastet. Das hat mehrere Gründe. Zum einen hat das Gesundheitsministerium ein neues Gesetz verabschiedet. Zum anderen senken viele Krankenkassen wegen üppiger Finanzpolster die Höhe ihrer Beitragssätze.

Arbeitgeber und Beschäftigter teilen sich die Kosten ab Januar paritätisch

Das neue Bundesgesetz sieht vor: Alle Beiträge zur Krankenkasse übernehmen ab Januar in gleichem Maße Arbeitgeber und Beschäftigter. Bisher tragen Arbeitgeber nur die Hälfte der Kosten des allgemeinen Beitragssatzes von 14,6 Prozent. Den Zusatzbeitrag, den jede Kasse je nach finanzieller Situation individuell festlegt, zahlen Beschäftigte bisher allein.

Ab 2019 wird aber auch dieser Beitrag zwischen Arbeitgeber und -nehmer geteilt – zum Vorteil des Versicherten. Ein Arbeitnehmer, der monatlich 3000 Euro brutto verdient und dessen Kasse ein Prozent Zusatzbeitrag verlangt, spare dadurch rund 180 Euro im Jahr, rechnet die Stiftung Warentest beispielhaft vor.

Selbstständige werden entlastet

Selbstständige aufgepasst: Zu Januar 2019 sinkt die Einkommensgrenze für den Mindestbeitrag auf 1038 Euro monatlich. Verdient jemand weniger, zahlt er maximal noch Beiträge auf ein Einkommen in dieser Höhe. Bisher zahlen Selbstständige so viel Beitrag, als ob sie mindestens 2284 Euro brutto im Monat verdienen. Das benachteiligt alle, deren Einkommen darunter liegt. Wenn Selbstständige Krankengeld oder Mutterschaftsgeld bekommen, zahlen sie ab Januar 2019 keine Krankenkassenbeiträge mehr.

Zusätzlich senken 2019 bundesweit viele Krankenkassen ihre Beitragssätze. Die überdurchschnittlich teure Betriebskrankenkasse Viactiv hat etwa beschlossen, den Zusatzbeitragssatz deutlich um 0,5 Prozent zu senken, der Beitragssatz beträgt dann 15,8 Prozent. Der soll ab April 2019 gelten und wird bis 2021 kalkuliert. „Versicherte sparen dadurch und durch die vom Bundestag beschlossene Beitragsparität bis zu 600 Euro im kommenden Jahr“, prognostiziert der Verwaltungsratsvorsitzende Klaus-Peter Hennig.

Nicht alle gesetzlichen Krankenkassen senken ihren Zusatzbeitrag

Der Verwaltungsrat der Techniker Krankenkasse (TK) entscheidet erst diesen Freitag, ob ihr Zusatzbeitrag gesenkt wird, sagt Sprecher Volker Clasen von der schleswig-holsteinischen Landesvertretung. „Wir haben aber weiterhin das Ziel, unter dem Durchschnitt zu liegen“, sagt Clasen. Das hieße dann unter 0,9 Prozent. Die Barmer gibt an, zumindest keine Beitragserhöhung zu planen, entscheidet darüber diese Woche final.

Die AOK Nordwest hält ihren Zusatzbeitragssatz hingegen unverändert bei 0,9 Prozent. Der Gesamtbeitragssatz bleibt damit bei 15,5 Prozent. Neu sei die Einführung eines individuellem Gesundheitsbudgets. „Jedem Versicherten stehen 500 Euro für alle Mehrleistungen als Obergrenze zur Verfügung“, sagt AOK-Sprecher Jens Kuschel. Das sind Leistungen wie etwa ein Zuschuss zur professionellen Zahnreinigung, Kosten für Reiseimpfungen und die Hebammenrufbereitschaft für Schwangere.

Extra-Leistungen: Krankenversicherte sollten sich bei Anbietern informieren

 „Die Beitragsveränderungen sind ein guter Anlass für Versicherte, sich mit den freiwilligen Zusatzleistungen der eigenen Kasse auseinanderzusetzen“, sagt Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Auf Online-Plattformen können Versicherte die Kassenbeiträge vergleichen. Viele Menschen wüssten gar nicht, dass sie die gesetzliche Krankenkasse nach ihren Bedürfnissen wechseln können.

Bei der Wahl der Kasse gehe es aber nicht nur um den Preis, betont Herte. Die meisten Leistungen sind zwar gesetzlich geregelt und werden von allen Kassen gleichermaßen übernommen. Daneben gibt es aber Extra-Leistungen wie etwa die Kosten für Reiseimpfungen. Die unterscheiden sich von Kasse zu Kasse. „Versicherte sollten sich genau überlegen, welche Leistungen sich für sie lohnen und danach entscheiden“, sagt Herte.

Saskia Bücker