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Norddeutschland Gewalt gegen Notärzte – auch im Norden: Spahn will Gesetze verschärfen
Nachrichten Norddeutschland Gewalt gegen Notärzte – auch im Norden: Spahn will Gesetze verschärfen
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19:40 29.10.2019
Immer öfter Schauplatz von Gewalt: Die Notfallambulanz. Quelle: dpa
Lübeck/Kiel/Berlin

Die Zahl der Übergriffe auf medizinisches Personal sei in kürzester Zeit um mehr als die Hälfte gestiegen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die Änderungen werden im Rahmen eines Pakets gegen Hasskriminalität und Rechtsextremismus auf den Weg gebracht, das das Bundeskabinett an diesem Mittwoch beschließen will.

Mehr Angriffe

Die Zahl der Übergriffeauf Ärzte und Pflegekräfte hat sich von 2013 bis 2017 um mehr als die Hälfte erhöht. Das wurde aus Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik für Baden-Württemberg auf das Bundesgebiet hochgerechnet. Danach wurden im Jahr 2013 Ärzte und Ärztinnen 435 Mal Opfer von Gewalt, vier Jahre später waren es 692 Mal. Die Angriffe auf das Pflegepersonal erhöhten sich in demselben Zeitraum von 1725 auf 2436 Übergriffe.

Schubsen, Gedrängel, Pöbeleien

„Das ist sehr zu begrüßen“, freut sich Henrik Hermann, Präsident der Landesärztekammer Schleswig-Holstein. Härtere Strafen könnten abschreckend wirken, die Initiative des Gesetzgebers sei ein wichtiges Zeichen. Umfragen zufolge würden 91 Prozent der Hausärzte bei ihrer Arbeit Opfer aggressiven Verhaltens. Jeder vierte Arzt sei schon einmal körperlich angegriffen worden. „Das geht von Schubsen und Gerangel bis zu Drohungen, man werde eine Waffe holen“, schildert Hermann, der als Notfallarzt selbst schon Opfer von Pöbeleien und entsprechenden Drohungen wurde. Nicht selten seien es alkoholisierte Patienten oder Angehörige, die sich nicht angemessen verhielten.

Mehr Angriffe

Die Zahl der Übergriffeauf Ärzte und Pflegekräfte hat sich von 2013 bis 2017 um mehr als die Hälfte erhöht. Das wurde aus Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik für Baden-Württemberg auf das Bundesgebiet hochgerechnet. Danach wurden im Jahr 2013 Ärzte und Ärztinnen 435 Mal Opfer von Gewalt, vier Jahre später waren es 692 Mal. Die Angriffe auf das Pflegepersonal erhöhten sich in demselben Zeitraum von 1725 auf 2436 Übergriffe.

Kein Verständnis für Wartezeiten

Seit 2016 stellt auch das UKSH vermehrte Übergriffe auf Mitarbeiter fest, sagt Marion Joppien vom Bereich Gleichstellung des Klinikums: „Das geht von Anfassen über körperliches Bedrängen bis zu Schlägen. Und es wird eindeutig mehr.“ Nach entsprechenden Vorfällen am Campus Kiel sei ein Runder Tisch gegen Gewalt gegründet worden, um über Maßnahmen der Prävention und Intervention zu beraten. Es gebe zum Schutz des Personals inzwischen einen Meldebogen für Gewalt im Intranet, Deeskalations- und Sicherheitstraining, einen Sicherheitsdienst und Notfall-Buttons. Grund für die Übergriffe sei häufig fehlendes Verständnis für Wartezeiten. Gesetzesverschärfungen allein könnten nur eine Maßnahme sein, glaubt Joppien. „Die Zunahme solcher Gewaltausbrüche ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das auch in anderen Bereichen, wie Ämtern und Behörden, spürbar wird.“

Auch die Lübecker Sana-Klinik setzt auf einen nächtlichen Wachdienst und Deeskalationstraining für die Mitarbeiter. Meist gehe es um verbale Gewalt, sagt Klinik-Referentin Birte Gruhle. Tätliche Gewalt sei im Vergleich dazu seltener.

Garg: „Überfälliger Schritt“

Vor zwei Jahren hatten Union und SPD bereits den Schutz von Sicherheits- und Rettungskräften durch neue Straftatbestände verstärkt. Das „Gesetz zur Stärkung des Schutzes von Vollstreckungsbeamten und Rettungskräften“ droht bei tätlichen Angriffen auf Polizisten, ermittelnde Staatsanwälte, Feldjäger und andere Sicherheitskräfte mit bis zu fünf Jahren Haft. Ebenso geschützt sind seitdem hauptamtliche und ehrenamtliche Kräfte der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes und der Rettungsdienste.

„Eine Verschärfung des Strafrechts bei Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal sowie Helferinnen und Helfer in ärztlichen Notdiensten und Notfallambulanzen, begrüße ich ausdrücklich“, kommentiert Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) in Kiel. „Angriffe auf Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger und Helferinnen und Helfer sind unter keinen Umständen zu akzeptieren. Eine härtere Ahndung von Übergriffen ist ein überfälliger Schritt.“

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