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Norddeutschland Gewitter und Regen bringen Abkühlung
Nachrichten Norddeutschland Gewitter und Regen bringen Abkühlung
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18:39 06.07.2015
LN-Leser Kai Gnepper hat das Gewitter in Grömitz festgehalten. Quelle: Kai Gnepper

Wird 2015 ein Sahara-Sommer? „Das heiße Wochenende lässt keine Rückschlüsse auf den weiteren Verlauf des Sommers zu“, erklärte der Meteorologe Helge Tuschy vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Es lag daran, dass außergewöhnlich viel heiße Luft aus Nordafrika nach Deutschland gepumpt wurde. Verlässliche längerfristige Prognosen über den weiteren Sommerverlauf sind laut DWD unmöglich. Nach einer Abkühlung ab der Wochenmitte werde es auch wieder wärmere Phasen geben. „Das Wechselspiel geht erst einmal weiter“, sagte der Wetterexperte.

Toter bei Fischer-Konzert: In Schleswig-Holstein wurden Urlauber auf einem Campingplatz in Waabs (Kreis Rendsburg-Eckernförde) aus dem Schlaf gerissen: Zelte flogen davon, mehrere Wohnwagen wurden umgeweht. Im Berliner Olympiastadion brach Helene Fischer am Sonntagabend wegen eines Unwetters ihr Konzert ein Viertelstunde vor Ende ab. Bei einem Fischer-Konzert am Sonnabend war ein 25-Jähriger ums Leben gekommen. Ob dessen Tod mit der Hitze zusammenhing, teilte die Polizei allerdings nicht mit. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.

Kaltfront sorgt für Abkühlung: An diesem Montag soll eine Kaltfront für etwas Abkühlung sorgen. „Das Wetter wird ruhiger und kühler“, sagte eine Expertin des Deutschen Wetterdienstes. Am Montagabend könnte es aber wieder zu Gewittern kommen. Am Dienstag steigen die Temperaturen dann noch mal auf bis zu 26 Grad.

Neuer Temperaturrekord: Die Hitzewelle hat Deutschland einen neuen Temperaturrekord beschert: Im bayerischen Kitzingen wurden am Sonntag 40,3 Grad gemessen, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes sagte und damit einen Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“ bestätigte.

Bahnverkehr bis zum Mittag beeinträchtigt: Wegen Schäden an Oberleitungen war der Bahnverkehr zwischen Hannover und Hamburg seit Sonntagabend gestört. Ausfälle und Verspätungen sollten noch mindestens bis zum Mittag anhalten.

Gewitter und Orkanböen: Die teils schweren Unwetter haben in Norddeutschland in der Nacht zum Montag besonders die Feuerwehren im Raum Kiel auf Trab gehalten. Vor allem wegen vollgelaufener Keller und umgeknickter Bäume mussten die Einsatzkräfte in drei Stunden 43 Mal ausrücken, teilte die Feuerwehr am Montag mit.

Im Osten und Norden Schleswig-Holsteins sowie in Hamburg sei es ruhig geblieben. „Wir hatten Glück“, sagte eine Sprecherin der Rettungsleitstelle West. „Außer ein bisschen Regen ist hier nichts passiert“.

Zugausfälle: Wegen der großen Hitze fielen allein am Sonntag bundesweit mindestens 19 Fernzüge der Deutschen Bahn aus. Zudem habe es bis zum Nachmittag 32 Ausfälle auf Teilstrecken gegeben, weil die Klimaanlagen in den ICEs und ICs nicht mehr funktionierten, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Sieben Ersatzzüge wurden demnach eingesetzt. Viele Reisende mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Niendorf: Eine kleine Schwanenfamilie stattete heute den Besuchern am Niendorfer Strand einen Besuch ab.




 
Gewitter:
Für Sonntag sind erneut bis zu 38 Grad vorausgesagt, zugleich steigt die Unwettergefahr. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor schweren Gewittern mit Orkanböen und Starkregen. „Es kann schon am Nachmittag vereinzelt Gewitter geben“, sagte eine DWD-Meteorologin. Wo es in Europa gerade blitzt, zeigt diese Echtzeit-Blitzkarte: http://www.lightningmaps.org/realtime?lang=de

Rettungseinssätze: Kreislauf-Zusammenbrüche sind in diesen Tagen ein großes Problem. Die Zahl hitzebedingter Rettungseinsätze sei vor allem dort, wo viel Tourismusbetrieb herrschte und viele Menschen unterwegs waren, erhöht gewesen, sagte der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands Schleswig-Holstein Volker Arp am Sonntag. „Aber es war nicht übermäßig, die Einsatzzahlen sind nicht durch die Decke geschossen.“

Badeunfälle: Ein 79-Jähriger ist beim Baden vor einem Strand in Binz auf der Insel Rügen gestorben. Touristen bemerkten am Sonntagvormittag einen Körper im Wasser, der sich nicht mehr bewegte, wie die Polizei mitteilte. Insgesamt sind in Deutschland mindestens zwölf Menschen bei Badeunfällen ums Leben gekommen. In Bayern ertrank ein Vierjähriger in einem Baggersee. Am Rheinufer in Köln wurde ein Sechsjähriger beim Spielen von der Strömung erfasst. In einem Naturfreibad in Siegen ertrank ein Jugendlicher. Badetote meldeten auch Baden-Württemberg, Hessen, Hamburg und Brandenburg.

Feuerwehren im Dauereinsatz: "Eine Gewitterfront hat die Feuerwehr im Süden Schleswig-Holsteins bereits gestern Abend in Atem gehalten. Insgesamt rückte die Wehr zu rund 180 Einsätzen raus. Betroffen war vor allem der Kreis Herzogtum Lauenburg. Hier rückten die Wehren nach Angaben der zuständigen Leitstelle alleine zu 130 bis 140 Einsätzen aus. In Schwarzenbek schlugen Blitze in zwei Einfamilienhäuser ein und verursachten Dachstuhlbrände, in Buchholz brannte ein Einfamilienhaus nach einem Blitzeinschlag komplett aus. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. Auch in Bad Segeberg wurde ein Wohnhaus von einem Blitz getroffen. Darüber hinaus stürzten Bäume auf Straßen und liefen Keller durch den Starkregen voll.

Das beeindruckende Naturspektakel lockte auch viele Fotografen vor die Tür. Unser LN-Online-Leser Derr James hat das Gewitter genutzt, um dieses schöne Fotos zu machen.



Mega-Hitze, aber kein Temperaturrekord: Im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim wurden am Sonnabend 39,2 Grad gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilte. Der bisherige Tageshöchstwert sei aber nicht überschritten worden: Das Maximum liegt weiter bei 40,2 Grad. So viel wurden in Karlsruhe am 9. und 13. August 2013 sowie in Freiburg am 13. August 2013 registriert.

Ostholstein: Der Strandtag ist zu Ende. Ab Ratekau stockt es auf der A1 Richtung Hamburg. Geduld ist gefragt.

Reichstag: Die Kuppel und die Dachterrasse des Reichstagsgebäudes in Berlin sind wegen der Hitze bis Sonnabendabend gesperrt worden. Mehrere Menschen hätten dort am Sonnabend Kreislaufprobleme bekommen, sagte ein Bundestagssprecher. Daher sei am Nachmittag beschlossen worden, zunächst bis 20.00 Uhr keine Besucher mehr hineinzulassen. Das Restaurant auf dem Reichstagsgebäude bleibe allerdings offen. Die „Bild“-Zeitung hatte zuerst darüber berichtet.

Surfen: Bauchlandung beim Surfen in der Lemkenhafener Bucht mit der Sundbrücke im Visier. Doch es tat nicht weh - und bei diesen Temperaturen ist ein kühlendes Bad zwischendurch in der Ostsee sogar schön erfrischend.

Surfen in der Lemkenhafener Bucht. Foto: Schwennsen.



Stau am Nachmittag: Im Norden Ostholsteins zeigte sich die Autobahn 1 am Nachmittag zwar deutlich voller als üblich - Staus oder stockender Verkehr blieben aber aus.

Brathering: Beim Bratheringsfest in Neustadt wurde nicht nur den Heringen heiß, auch die Besucher des Festes suchten Schatten, wo es ging. Die "Ostseekrabben", die im Festzelt auftraten, ließen sich nichts anmerken, und schunkelten mit Akkordeonmusik und vielen Gästen durch den Nachmittag - stets im Fokus zweier NDR-Kameras. Das TV-Team dreht derzeit für die NDR-"Landpartie" und begleitete Orchesterleiterin Ulla Borchert für einen Tag.

Die Ostseekrabben beim Bratheringsfest.



Nordwestmecklenburg: In einem schottischen Badezuber suchen Besucher und Veranstalter des Stadtfestes in Schönberg (Nordwestmecklenburg) Abkühlung. "Das Wasser ist angenehm temperiert", sagt Skelfir Odinson (30, Mitte), während er es sich mit Dennis Dill (18, r.) und Niklas Petri (18, l.) im schottischen Badezuber gemütlich macht. Jack O`Neil (34) sieht sich die coole Aktion von draußen an.

Abkühlung im Badzuber.



Bad Oldesloe: Eine Affenhitze herrscht auch auf dem Mittelalterfest im Bad Oldesloer Kurpark. Hündin Toffel machte es richtig: Sie bekam vor dem Märchenzelt Schlagseite und döste so tiefenentspannt in den Tag hinein.

Hündin Toffel macht sich lang.



Zuviel Hitze? Beim Inklusions-Picknick an der 200 Meter langen Tafel auf der Promenade des Segeberger Sees flüchteten die Teilnehmer regelrecht unter die Sonnenschirme. Die Hitze hat die Leute offenbar eher an die Strände und in die Freibäder getrieben. Die Beteiligung hätte besser sein können.

Arbeit: Einen der vermutlich angenehmeren Arbeitsplätze heute sehen Sie hier:

Schärenkreuzertreffen vor Lemkenhafen: Der Sicherheitsdienst patrouilliert mit einem Schlauchboot zur Regatta - ein super Arbeitsplatz mit lockerer Kleidungsordnung. Foto. Schwennsen



Sendeausfall bei Arte: Ein durch die Hitze verursachter Brand hat einen  stundenlangen Komplettausfall der Sendungen des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte ausgelöst. Die Panne in einem elektrischen Schaltraum habe über fünf Stunden ab sieben Uhr morgens gedauert, sagte die Sprecherin des Senders Claude Savin am Samstag in Straßburg. Der Sendebetrieb konnte um 12.30 Uhr wieder aufgenommen werden. „Die Panne war so schwer, weil auch das Notstromaggregat betroffen war“, sagte Savin. Verschont blieben die Webseite des Senders und die Mediathek Arte+7, so dass die Zuschauer die verpassten Sendungen des Vormittags doch noch anschauen können. Bereits am Donnerstag hatte es in Köln einen halbstündigen Sendeausfall beim Nachrichtensender n-tv gegeben, wofür möglicherweise auch die Außentemperaturen verantwortlich waren.

Hitzerekord? Laut Meteorologe Dominik Jung steht heute der heißeste Tag des bisherigen Jahres ins Haus. "Verbreitet werden 33 bis 39 Grad erreicht, vielleicht wird sogar die 40-Grad-Marke überschritten", so Jung. Der Allzeit-Rekord liege bei 40,2 Grad. Auch am morgigen Sonntag könnte es noch einmal Rekordwerte geben. Am heißesten soll es im Norden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes im Südosten Schleswig-Holsteins und in Hamburg werden. Die Temperaturen erreichten dort bis zu 35 Grad, in den Städten sogar bis zu 37 Grad, sagte ein Sprecher am Sonnabendmorgen.

An der Küste, insbesondere an der Ostsee, soll es deutlich kühler bleiben. Mancherorts kann es am Nachmittag heftige Gewitter geben. „Dann können auch Hagel und heftige Sturmböen dabei sein“, sagte der Sprecher. Bis mindestens Dienstag soll sich die Hitze halten. Spürbar kühler wird es laut DWD wohl erst am Donnerstag.

Mehr lesen: Das sind Lübecks Hitzerekorde

Stau auf der A 1: Auf der Autobahn A1 von Hamburg in Richtung Ostsee staute sich der Verkehr am Sonnabendmorgen nach Angaben der Polizei zwischen Ahrensburg und Lübeck auf rund 30 Kilometern. „Auf einmal wollen sie alle - das ist der normale Wahnsinn bei diesen Hochsommertemperaturen“, sagte ein Sprecher des Lagedienstes in Kiel. Auch auf Bundesstraßen in Richtung Ostsee gab es bei mittäglichen Temperaturen um die 30 Grad Staus und dichten Verkehr. In den Badeorten wie Timmendorfer Strand und Scharbeutz waren die Parkplätze überfüllt. „Da herrscht Tohuwabohu“, sagte der Polizeisprecher.

Noch entspannt zeigte sich zur gleichen Zeit auch die Lage auf der A1 zwischen Lübeck und Fehmarn. Zwar war die Autobahn deutlich voller als an normalen Wochenenden, aber der Verkehr rollte. Das frühe Losfahren hatte sich aber für die ersten Strandhungrigen offensichtlich gelohnt.

Der ADAC warnt: In manchen Autos herrschten Verhältnisse wie in einer Sauna. „Bei direkter Sonneneinstrahlung kann sich ein Auto auf über 60 Grad aufheizen“, sagte ADAC-Sprecherin Andrea Piechotta in München. „Autofahrer werden dann rasch müde und unkonzentriert.“ Der Automobilclub rät daher, bei Sonnenparkplätzen die Windschutzscheibe abzudecken und vor dem Losfahren erstmal alle Türen zu öffnen, um das Auto kräftig durchzulüften. Auch in den ersten Fahrminuten sollten zunächst nur die Fenster geöffnet werden - erst dann solle die Klimaanlage aktiviert werden.

#Hitzefilme im Netz

Mit dem Hashtag #Hitzefilme spielen Twitter-Nutzer zurzeit während der Hitzewelle auf berühmte Filmtitel an. Zu den kreativen Highlights gehören „Spiel mir das Lied vom Hitzetod“, „Vom Winde verwöhnt“, „Das Schwitzen der Lämmer“ oder „Kühl Bill“.

                       

         

Gewitter: Das Wochenende bringt auch wachsende Schwüle und viele Gewitter. Zwischen Eifel und Nordseeküste könnten sich zum Sonnabendabend teils kräftige Gewitter entwickeln. Am Sonntag wächst die Gewittergefahr.

Bereits am Freitag verursachten Blitze, Donner und Starkregen erhebliche Schäden, so auch in Niedersachsen: In Wangelnstedt brannte eine Scheune nieder; Tiere starben. Ein angrenzendes Wohnhaus wurde beschädigt. Drei Bewohner erlitten Rauchgasvergiftungen. Ein Blitz schlug auch in das nordhessische Stellwerk Zierenberg ein; der Schienenverkehr in der Nähe von Kassel war gestört. Für Reisende in der Region wurde ein Ersatzpendelverkehr mit Bussen eingerichtet.

Straßenbäume verdursten: Die Lübecker Stadtverwaltung sorgt sich wegen der Hitze um die Bäume der Stadt - und bittet daher die Bürger, die Straßenbäume vor ihren Häusern zu wässern.

Risse im Asphalt: Auf der A7 bei Hamburg haben Asphaltschäden am Freitagmorgen zu erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt. Durch die Hitze seien im Belag auf der Langenfelder Brücke Risse entstanden, sagte eine Sprecherin der Verkehrsbehörde. Zur Reparatur sei eine Spur, die derzeit wegen Bauarbeiten über den Standstreifen verlaufe, gesperrt worden. „Da die Autofahrer leider so unvernünftig waren und um die Hütchen herumfuhren und dadurch die Bauarbeiter gefährdeten, sahen wir uns gezwungen, eine weitere Spur zu sperren“, sagte die Sprecherin. Die Autos stauten sich am Morgen 19 Kilometer bis zur Anschlussstelle Hamburg-Marmstorf zurück, wie die Verkehrsleitzentrale mitteilte. 

Waldbrandgefahr: Die Feuerwehr wurde durch die Hitze bisher nicht wesentlich in Atem gehalten. Die Waldbrandgefahr sei zwar erhöht, bisher aber nicht akut, hieß es aus Hamburg und Kiel. Die Einsatzzahlen der Hamburger Feuerwehr waren indes erhöht - ob hitzebedingt oder nicht, halte man nicht nach, sagte Sprecher Hendrik Frese.

Eingeschränktes Badeverbot: Wegen hoher Wellen und starker Strömung musste an Stränden von Burg auf Fehmarn und Großenbrode am Donnerstag bereits die gelbe Flagge gehisst werden. „Dort kann der herrschende Südostwind für Unterströmungen sorgen, die das Baden besonders für Kinder und ungeübte Schwimmer gefährlich machen“, sagte der Landesgeschäftsführer der DLRG Schleswig-Holstein, Thies Wolfhagen. Insgesamt rechne er für die nächsten Tage aber nicht mit einer ähnlichen Situation wie im Juli 2014, sagte er. Damals waren bei anhaltendem Nordostwind 15 Menschen in der Ostsee ertrunken. Trotzdem: Auch jetzt ist Vorsicht geboten. Gestern Abend kam es in Scharbeutz zu einem schweren Badeunfall. Ein 26-Jähriger war mit einem Kopfsprung von der Seebrücke gesprungen und wurde schwer verletzt.

Mehr zum Thema gefährliche Unterströmungen lesen Sie hier: DLRG warnt Badende in Ostsee

Dass so viele Menschen an die Ostseeküste wollen, daran haben nach Einschätzung der Tourismus-Verantwortlichen auch die Meteorologen ihren Anteil: Sie verkünden, dass es in den nächsten Tagen angesichts tropischer Temperaturen nur noch am Meer auszuhalten ist. Möglicherweise profitiert Schleswig-Holstein auch davon, dass Inlandsziele nach dem Terroranschlag in Tunesien stärker gefragt sind.

Mehr lesen: Ostsee-Urlauber freuen sich übers Super-Wetter

So bleiben Sie hip in der Hitze

Kommentar: Hitze über Deutschland - Kein Jammer!

Touristen-Ansturm: „Die Telefone klingeln mit steigendem Barometer“, sagt Olaf Dose-Miekley, Tourismuschef in Grömitz (Ostholstein). Er weiß von einem 200-Betten-Hotel in seinem Seebad, das innerhalb weniger Stunden 40 Spontan-Buchungen verzeichnete. „Ein solch beständiges Hoch hilft uns, einen schwächelnden Juni spielend wettzumachen“, sagt Dose-Miekley freudestrahlend. „Wir erleben einen richtigen Schub.“ Die Küste hat tatsächlich viel Nachholbedarf. Vor allem Strandkorbvermieter und Gastronomen mit Außenplätzen hatten unter der durchwachsenen und empfindlich kühlen Vorsaison gelitten. Die Umsatzeinbußen lagen im zweistelligen Prozentbereich.

Jetzt verzaubert die Sonne den Norden: Die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash) berichtete am Donnerstag von einem riesigen Interesse Kurzentschlossener, darunter in erster Linie Singles oder kinderlose Paare. „Dass sich so viele Menschen in der Hochsaison spontan auf den Weg zu uns machen, ist ungewöhnlich“, sagt Tash-Geschäftsführerin Andrea Gastager. Manche Gäste blieben für einen Tag, andere buchten gleich einen Kurzurlaub. Gastager vermutet, dass neben dem tollen Wetter auch der jüngste Terroranschlag in Tunesien eine Rolle spielen könnte. „Wir wissen aus Umfragen, dass Sicherheit auf der Wunschliste von Urlaubern weit oben rangiert“, sagt die Chef-Vermarkterin.





An der Lübecker Bucht sind nur noch wenige Unterkünfte frei. Die Auslastung der Gästebetten liegt laut Tash bei 90 Prozent. Wer in diesen Tagen seinen Sommerurlaub in Schleswig-Holstein antritt, bleibt im Schnitt zehn Tage. 



Die Strandkorbvermieter freuen sich auf das erste Wochenende mit wohl rappelvollen Stränden. Angesichts der Wetteraussichten sichern sich viele Urlauber rechtzeitig einen Platz, der auch für Schatten gut ist. „Spätestens am Donnerstagabend bin ich ausgebucht“, prognostizierte Strandkorbvermieter Marc Behrens aus Scharbeutz gestern. Im Halbstundentakt nahm er Vorbestellungen fürs Wochenende an. Imbissbuden stockten ihren Warenbestand auf. „Zum Wochenende werden wir 30 bis 40 Prozent mehr Ware bestellen, bei Speiseeis sogar 100 Prozent“, sagt Carl-Philipp Sauvant, Geschäftsführer der Ostseelounge Travemünde.

Aber auch überall sonst im Land genossen die Menschen das gute Wetter. In Bad Oldesloe planschte die vierjährige Stina im 24 Grad warmen Poggensee. Und im Kreis Segeberg bekamen die Schüler sogar teilweise hitzefrei wegen der heißen Temperaturen.

Dieser Samstag soll der heißeste Tag des Jahres werden und könnte womöglich einen neuen Hitzerekord in Deutschland bringen. Der Rekord von 40,2 Grad - gemessen 1983 und 2003 - könnte fallen. Im Westen und Südwesten seien Werte bis zu 40 Grad möglich. Badeorte an Nord- und Ostsee erwarten einen Ansturm von Ausflüglern.

ctö/dpa/kha