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Norddeutschland Lübeck und Kiel besorgt wegen neuer Debatte
Nachrichten Norddeutschland Lübeck und Kiel besorgt wegen neuer Debatte
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09:20 15.11.2018
Ein Blick auf die Mülldeponie am Ihlenberg. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
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Lübeck/Kiel

Nach den Vorwürfen aus einem internen Prüfbericht, dass auf der Deponie Ihlenberg in Nordwestmecklenburg Giftstoffe eingelagert wurden, die erlaubte Grenzwerte übersteigen sollen, fordern Schweriner Politiker und Lübecker Bürgerrechtler umfassende Aufklärung. Die hohe Quecksilber-, Blei- und Cadmiumbelastung bedeute nicht nur eine Gefahr für die Mitarbeiter, sondern auch für die Umgebung, monierte Günter Wosnitza von der Lübecker Bürgerinitiative „Stoppt die Deponie Ihlenberg“.

Die neuen Gift-Vorwürfe seien nur die Spitze des Eisbergs. Auch die Stadt Lübeck könne von den Auswirkungen betroffen sein. Die Gefährdung durch Altlasten der zu DDR-Zeiten gegründeten Deponie sei nach wie vor ungeklärt. „Giftstoffe können immer noch durchsickern und das Trinkwasser belasten.“

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FDP fordert Aufklärung

Das Thema beschäftigt inzwischen auch die Fraktionen des Kieler Landtags. „Sauberes Grundwasser ist ein hohes, schützenwertes Gut“, erklärte der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Dennys Bornhöft. „Die Vorwürfe müssen schnellstmöglich und transparent aufgeklärt werden. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, muss umgehend Abhilfe geschaffen werden, letztinstanzlich auch durch eine Schließung der Deponie.“

„Wenn man etwas findet, von dem Gefahr ausgehen könnte, muss man sanieren – da gibt es keinen anderen Weg“, befand auch Heiner Rickers, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Die SPD sah sich aufgrund „widersprüchlicher Informationen“ nicht in der Lage, eine Aussage zu treffen. Auch Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Es gehe um unbestätigte Vorwürfe, begründete sein Sprecher Joschka Touré. In Schleswig-Holstein selbst seien ähnliche Fälle derzeit nicht bekannt.

Große Besorgnis in Mecklenburg-Vorpommern

Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern hingegen reagierten entsetzt. „Alles an diesem Vorgang stinkt, nicht nur der Giftmüll“, erklärte etwa Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Müller. Sie forderte Konsequenzen. „Hier geht es schließlich nicht zuletzt um Gefahren für Leib und Leben der Mitarbeiter und Anwohner“, befand auch die Linken-Fraktionschefin im Schweriner Landtag, Simone Oldenburg.

Die Annahme und Lagerung gefährlicher Stoffe ist ein Geschäftsfeld der Deponie Ihlenberg. Bauschutt aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Lubmin bei Greifswald wurde hier hergefahren, verseuchte Schlämme, Asbest. Ihlenberg gilt als größte Giftmüll-Deponie Europas, die Schließung wurde auch von der Schweriner Landesregierung immer wieder erwogen. Bei den Dutzenden Grundwasser-Messstellen auf der Deponie seien aber keine Auffälligkeiten festgestellt worden, hieß es aus Schwerin. Auch IAG-Geschäftsführer Norbert Jakobsen erklärte, die Abfälle seien „keine hochtoxischen Stoffe“.

Entsorgungsbetriebe: Kein Lübecker Müll in Ihlenberg

Aus Lübeck werde kein Müll nach Ihlenberg gebracht, versichert Cornelia Tews, Sprecherin der Lübecker Entsorgungsbetriebe. Dieser gehe auf die stadteigene Deponie Niemark, auch Asbest in Big Bags. Sonstige Schadstoffe würden vom Entsorger Remondis abgeholt, der in Lübeck die größte Sonderabfallanlage Norddeutschlands betreibt.

Die Lübecker Umweltbehörde bemühte sich am Mittwoch um Aufklärung. Kommende Woche Dienstag solle die Ihlenberger Deponie-Betreibergesellschaft IAG im Lübecker Umweltausschuss Rede und Antwort stehen, kündigte Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) an. Bereits am Mittwoch habe sich die IAG „extrem transparent“ gezeigt, lobte Hinsen. „Bereits am Vormittag standen uns alle Informationen zum Thema zum Verfügung.“ Einen handfesten Beleg dafür, dass geltendes Recht verletzt wurde, gebe es bislang nicht, doch: „Besorgt muss man immer sein.“ Die IAG hatte am Mittwoch alle Vorwürfe als unbegründet zurückgewiesen.

Marcus Stöcklin/Frank Pubantz