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Norddeutschland Glatteis am Wochenende sorgte für Chaos auf den Straßen
Nachrichten Norddeutschland Glatteis am Wochenende sorgte für Chaos auf den Straßen
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21:05 09.01.2017
Quelle: Danfoto
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Lübeck/Hamburg

Es begann am Sonnabendmorgen, als rund um Lübeck zunächst feiner Sprühregen auf einen tiefgefrorenen Boden fiel – bei Lufttemperaturen noch unter null Grad. Innerhalb weniger Minuten verwandelten sich Straßen und Bürgersteige in gefährliche Rutschbahnen. Der Deutsche Wetterdienst gab eine Unwetterwarnung heraus und mahnte: „Bleiben Sie zu Hause.“ Glatteis machte sich im ganzen Land bemerkbar.

Doch für einige kam die Warnung zu spät – und nicht jeder konnte so einfach zu Hause bleiben. Die Regionalleitstellen meldeten landesweit mehr als 200 glättebedingte Verkehrsunfälle. Einsatzschwerpunkte waren das Lübecker Stadtgebiet sowie die Autobahnen 1 zwischen  Hamburg und Lübeck und 20 zwischen dem Kreuz Lübeck und der Landesgrenze Mecklenburg-Vorpommern.

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Auf spiegelglatter Fahrbahn ereigneten sich in kurzer Zeit fünf Unfälle mit mehreren Verletzten kurz hinter der Auffahrt Stapelfeld. Die A1 von Stapelfeld in Richtung Lübeck wurde gegen Mittag von der Polizei voll gesperrt. Im Stau wurde auf den Streudienst gewartet. Es kam zu einem kilometerlangen Stau. Gegen 13.30 Uhr wurde sie wieder freigegeben - gefahren wurde im Schritttempo, da der Winterdienst vorfuhr.

Auf der A1 Richtung Fehmarn kam der Fahrer eines VW Lupo zwischen den Anschlussstellen Lübeck-Moisling und Lübeck-Centrum nach rechts von der Fahrbahn ab, überschlug sich und landete auf der Seitenplanke. Der Fahrer wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Da aufgrund eines Schnelltest der Verdacht auf Konsum von THC und Amphetaminen bestand, wurde zusätzlich eine Blutprobe entnommen.

Quelle: Holger Kröger

Die Autobahnpolizei Bad Oldesloe meldete bis zum Mittag 16 Unfallberichte. Im Bereich Stapelfeld/Barsbüttel war es ebenfalls sehr glatt, obwohl die Autobahnmeisterei schon mit sechs Streuwagen unterwegs ist. 

Quelle: RTN/Peter Wüst

Im Kreis Stormarn meldete die Asklepios-Klinik bis zur Mittagszeit zehn Stürze von durchweg älteren Menschen. Sie zogen sich Oberschenkelhals-, Ellenbogen und Handgelenksbrüche zu. Einen besonderen Schutzengel hatten zwei Autofahrer in Hoisdorf (Kreis Stormarn). Ihr Wagen rutschte mit Tempo 25 in einen Zaun. Ein Pfahl durchbohrte dabei den Motorraum und trat auf der Beifahrerseite wieder aus. Er verfehlte die dort sitzende Person nur knapp. Die Insassen wurden leicht verletzt. Sie erlitten einen Schock.

Nicht besser war die Situation auf der A20 im Süden Lübecks. Laut Polizei knallte es um die Mittagszeit pausenlos. Unter anderem hatte sich in Höhe des Rastplatzes Karkfeld ein Fahrzeug auf eisglatter Straße überschlagen. Für die Aufräumarbeiten sperrte die Polizei die Fahrbahn in diesem Abschnitt voll. 

Quelle: Holger Kröger

In entgegengesetzter Richtung war ein Auto in Höhe der Ausfahrt Lübeck-Süd aufgrund von Glätte im Graben gelandet.

Quelle: Holger Gröger

Auch im Kreis Ostholstein war es spiegelglatt.

In Ostholstein kam es zu zehn glättebedingten Unfällen. In Neustadt in der Lienaustraße stürzte ein Radfahrer und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. In Burg auf Fehmarn rutschte ein Mitarbeiter eines Verbrauchermarktes aus, so dass ihm eine Palette auf ein Bein fiel. In Lensahn zog sich ein Radfahrer nach einem Sturz eine offene Beinverletzung zu. Und auch in Bad Schwartau verletzte sich eine Radfahrerin bei einem Sturz.

Auch den Kreis Segeberg hat das Glätte-Unwetter schwer erwischt. Leichter Niesel-Sprühregen setzte am Morgen bei -3,5 Grad ein, wie das Foto am Bordesholmer Dreieck bei Neumünster zeigt.

Quelle: Danfoto

Die  Rettungsleitstelle in Norderstedt meldete zahlreiche Stürze auf eisglatten Wegen. Allein in der Notfallaufnahme der Segeberger Kliniken seien bis zum Abend mehr als 30 Glatteis-Verletzte behandelt worden.  „Vor allem mit gebrochenen Händen und Beinen“, sagte Klinik-Sprecher Robert Quentin. Betroffen gewesen seien ältere wie jüngere Menschen. Obwohl das Personal im Laufe des Nachmittags aufgestockt worden sei, hätten sich viele Patienten zwei Stunden und länger  gedulden müssen. Die Fälle würden nicht nach Ankunft, sondern nach Dringlichkeit abgearbeitet. Quentin ging davon aus, dass der Rückstau noch bis in den späten Abend andauern würde.

Auf den Straßen im Kreis ging es dagegen glimpflicher ab. Etwa zwei Dutzend glättebedingter Unfälle seien aufgenommen worden, so die Polizei-Leitstelle in Elmshorn . Alle seien aber ohne größere Personenschäden geblieben, in der Regel habe es sich um Parkrempler gehandelt. Auf den Autobahn im Kreisgebiet blieb es hingegen ruhig: Bis gestern Abend gab es keine Berichte über Unfälle dort.

Am Nachmittag meldete die Rettungsleitstelle im Kreis Segeberg mehr als 15 gestürzte Personen. Armbrüche, Beinbrüche, Prellungen. Der Kreis ist dennoch mit einem blauen Auge durch das Glätte-Unwetter gekommen. Die Polizei-Leitstelle in Elmshorn meldete bis gestern Abend gut 20 Unfälle. Alle seien aber ohne Personenschäden geblieben. Bei den meisten habe es sich um „Parkrempler“ auf Nebenstrecken gehandelt, von den Autobahnen im Kreisgebiet wurde dagegen nicht ein einziger Unfall gemeldet. Anders auf den Fußwegen: Nach Angaben eines Beamten der Rettungsleitstelle in Norderstedt habe es „reichlich“ Stürze auf glatten Wegen gegeben, eine Zahl konnte noch nicht genannt werden. Über gebrochene Knochen hinaus soll aber niemand ernstlicher verletzt worden sein.

Allein in und um Lübeck krachte es knapp 90 Mal. In den allermeisten Fällen sei es bei Blechschäden und kleineren Verletzungen geblieben, sagten die Polizeisprecher. "In Eicholz geht nichts mehr", schreibt Leser Marko Khalifa. "Nicht mal mehr die Autos kommmen aus den Parklücken, die Menschen rutschen aus und fliegen hin." Insgesamt kam es zu 46 Verkehrsunfällen im Stadtgebiet. Überwiegend handelte es sich um „Parkrempler“. Überdies gab es auf den Autobahnen 1 und 20 um Lübeck 13 Verkehrsunfälle.

Das UKSH und die Sana-Klinik in Lübeck behandelten bis zum frühen Abend jeweils rund 50 Patienten. „Die Notaufnahme ist voll“, sagte eine Sana-Sprecherin. Gegen 22 Uhr war auf den Straßen in und um Lübeck das Gröbste überstanden, so die Polizei.

Im Kreis Nordfriesland ereigneten sich laut Polizei zwei Glätteunfälle. Im Großraum Kiel rückten die Beamten zu knapp 20 Unfällen aus, fünf Menschen wurden verletzt, meist blieb es aber bei Blechschäden. 

In Hamburg rutschten nach Angaben der Feuerwehr zahlreiche Fußgänger auf spiegelglatten Gehwegen aus. Sie zogen sich Knochenbrüche, Platzwunden, Prellungen und Zerrungen, „aber zum Glück keine lebensgefährlichen Verletzungen“ zu, wie die Feuerwehr mitteilte. Alleine in der Zeit zwischen 10 und 15 Uhr rückten die Feuerwehr und beteiligte Hilfsorganisationen 210 Mal zu wetterbedingten Unfällen aus. Es habe bis zu 180 Notrufe pro Stunde gegeben. Am Nachmittag habe sich die Lage leicht entspannt, sagte ein Feuerwehrsprecher. Wegen der extremen Glätte rückten in Hamburg 350 Streufahrzeuge der Stadtreinigung aus. Rund 1000 Mitarbeiter waren im Einsatz, wie die Stadtreinigung mitteilte. Auf knapp 3300 Kilometern Straße verteilten sie demnach doppelt so viel Salz wie üblich.

Auf der A7 kippte auf glatter Fahrbahn ein Lastwagen zwischen Flensburg-Harrislee und Flensburg um. Der Fahrer des mit Fleisch beladenen Lasters wurde schwer verletzt, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Strecke Richtung Hamburg wurde für mehrere Stunden gesperrt. Bis zum frühen Vormittag kam es nach Angaben des Sprechers zu weiteren Unfällen auf dem nördlichen Teil der A7.

Im Bereich Neumünster, Rendsburg, Kiel und Plön zählte die zuständige Regionalleitstelle mindestens 40 Unfälle, bei denen sieben Menschen leicht verletzt wurden. Weiter nördlich krachte es bis in den Abend hinein mehrfach.

In Mecklenburg-Vorpommern mussten mit A19, A 20 und A 24 drei Autobahnen teilweise gesperrt worden. Der schwerste Unfall ereignete sich auf der A19 zwischen Malchow und Linstow mit fünf beteiligten Fahrzeugen. Ein Mensch wurde schwer verletzt.

Am Sonntag soll es wärmer werden. In den kommenden Tagen werden laut Wetterdienst keine extremen Wetterlagen erwartet.

rtn/dpa/jhw/ov/dvd/ctö/jad/taf

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