Golfplätze öffnen am 4. Mai unter strengen Bedingungen
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Norddeutschland Endlich: Golfplätze öffnen unter strengen Bedingungen
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21:00 30.04.2020
Greenkeeper Simon Nickisch steckt ein Rohr in ein Loch, damit die Golfspieler nicht so weit hineingreifen müssen, um den Ball heraus zu holen. Das ist eine der Hygienemaßnahmen, unter der Golfclubs am Montag wieder öffnen. Quelle: 54° / John Garve
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Lübeck

Greenkeeper Simon Nickisch kümmert sich um die letzten Vorbereitungen: Am Donnerstag hat er auf der Anlage des Golfclubs Curau die Fahnen rausgebracht und die Abschläge markiert. Desinfektionsmittel wurde verteilt, einige Bereiche auf dem Gelände abgesperrt: „Wir lassen alles zu, was Menschen nacheinander berühren.“ Das bedeutet: Schlägerwaschanlage, Ballautomat, Ballwaschautomat sind verschlossen. Am Sonnabend werden noch einmal die Spielbahnen gemäht, dann können die Golfer kommen.

Kontaktarme Sportarten ab Montag erlaubt

Denn ab Montag, 4. Mai, dürfen wieder kontaktarme Sportarten im Freien ausgeübt werden. Zu diesen Sportarten zählt auch Golf – 63 Anlagen in Schleswig-Holstein öffnen am Montag wieder für ihre Mitglieder. Bereits im Vorfeld haben sich verschiedene Golfverbände bundesweit unter dem Motto „Wir bewegen Golf“ zusammengetan und ein detailliertes Konzept erarbeitet, wie die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können.

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„Eher tun die Golfclubs noch mehr als zu wenig, um endlich ihrem Sport nachgehen zu können“, erzählt Wolfgang Hens, Geschäftsführer des Golfverbandes Schleswig-Holstein (GVSH). Immerhin: Die Leitlinien des Landesverbandes umfassen neun Seiten. Jeder Spieler muss einen eigenen Schläger und Bälle mitbringen, Trolleys und E-Carts sollen nach Benutzung desinfiziert werden. Die Übungsplätze stehen offen, für die Driving Range wird ein Mindestabstand von drei Metern empfohlen. Auch Golfunterricht ist möglich.

Golfregeln an Infektionsschutz angepasst

Außerdem wurden die Golfregeln an den Infektionsschutz angepasst: Um Kontakte mit Gegenständen zu minimieren, dürfen Fahnen nicht mehr aus dem Loch genommen werden. Stattdessen werden die Löcher mit Sand oder Schaumstoff aufgefüllt, so dass man nicht mehr tief ins Loch greifen muss, um den Ball zu holen. Auch Harken wurden aus Sandgruben entfernt. „Wir haben ausreichend dafür getan, dass eigentlich nichts passieren kann“, betont Hens.

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„Mit den Maßnahmen kontrollieren wir den Spielfluss“, erklärt Vizepräsident Jobst Wallenburg vom Wensiner Golfclub Segeberg. Das heißt: Golfer müssen sich vorher anmelden, es darf nur noch in 2er-Flights gespielt werden. Der Golfclub behält sich auch vor, Einzelspieler zu einem 2er-Flight zusammenzustellen: „Einzelspieler sind schneller. Wir wollen vermeiden, dass sich Spieler überholen.“

Startzeiten für Montag fast ausgebucht

Nach dem guten Wetter in den vergangenen Wochen „wollen alle Mitglieder raus“, erzählt Wallenburg. Am Donnerstagvormittag waren schon 90 Prozent der Startzeiten für Montag vergeben. Auch die Golfanlage am Seeschlösschen war am Donnerstag fast ausgebucht. Um Kettenbuchungen zu vermeiden und allen Mitgliedern eine Chance zum Abschlag zu geben, sind Buchungen beim Lübeck-Travemünder Golf-Klub nur von Tag zu Tag möglich.

Golfclub Fehmarn: Wer darf zum Golfen auf die Insel?

Der offizielle Erlass der Landesregierung wird für Sonnabend erwartet. Der Golfclub Fehmarn hat sich zwar schon vorbereitet, „aber wir hängen bis zum Erlass in der Luft“, erzählt Ralf Trost, Spielführer des Vereins und Manager der Golfanlage. Eine Frage drängt sich auf der Insel besonders auf: Wer kommt ab Montag? Von 1200 Vereinsmitgliedern wohnen nur 200 auf Fehmarn oder der Umgebung. Ob Mitglieder vom Festland zum Golfspielen auf die Insel kommen dürfen, ist noch unklar. „Dementsprechend hält sich der Andrang bei uns ins Grenzen“, sagt Trost.

Leitlinien des Golfverbandes Schleswig-Holsteins

Bereits am 20. April hat der schlessig-holsteinische Golfverband (GVSH) Leitlinien an seine Mitglieder verschickt, um den Kontakt auf Golfanlagen möglichst zu beschränken. Grundsätzlich sollten Golfspieler nur ihre eigenen Schläger und Bälle nutzen. Zudem wird empfohlen, den Zutritt zum Golfplatz über Startzeiten zu regeln. Golfunterricht soll eingeschränkt als Einzelunterricht mit entsprechendem Abstand möglich sein. Auf der gesamten Anlage gilt der Mindestabstand von 1,5 Metern, auf der Driving Range wird ein Abstand von 3 Metern empfohlen. Außerdem verweist der GVSH auf an die dem Infektionsschutz angepasste Golfregeln. Um potentiell kontaminierte Gegenstände nicht zu berühren, dürfen Fahnen nicht mehr aus dem Loch genommen werden. Harken wurden aus Sandgruben entfernt.

Hamburger Mitglieder dürfen ab Montag wieder nach Schleswig-Holstein kommen um zu golfen. „Viele unserer Mitglieder haben einen Zweitwohnsitz hier, die sind natürlich willkommen“, betont Eberhard Wolff, Pressesprecher des Lübeck-Travemünder Golf-Klubs. Trost hofft, dass es eine ähnliche Regel für die Insel geben wird: „Letztlich sind es Leute aus der Region.“

Green-Fee-Spieler bleiben weg – finanzielle Einbußen

Für viele Golfanlagen in Schleswig-Holstein sind auch Gastspieler und Touristen bedeutend, die sogenannten Green-Fee-Spieler. Weil die Landesgrenzen derzeit noch für Touristen geschlossen sind, fehlen den Clubs Einnahmen. Der Lübeck-Travemünder Golf-Klub gehört nach eigenen Angaben zu den drei Clubs im Land, die am meisten von Green-Fee-Einnahmen profitieren. Dass diese jetzt ausbleiben, sei kein Problem, betont Sprecher Wolff: „Wir sind über die Mitgliedsbeiträge gut aufgestellt. Wir können das verkraften.“

Auch der Wensiner Golfclub rechnet mit fehlenden Einnahmen im „hohen fünf- bis niedrigem sechsstelligem Bereich.“ In eine Insolvenz werde die Finanzlücke aber nicht führen, betont Wallenburg. Die Golfanlage Seeschlösschen am Timmendorfer Strand rechnet damit, in der gesamten Saison ein Verlust von 400 000 Euro wegen fehlender Green-Fee-Einnahmen zu machen. Aber auch hier sei man gut abgesichert. Der GVSH schätzt den Gesamtschaden für die Golfclubs auf mehrere Millionen Euro. Ein Hoffnungsschimmer: Ab Mitte Mai will die Landesregierung den Tourismus weiter öffnen. Auch die Grenze nach Dänemark soll durchlässiger werden.

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Von Annabell Brockhues