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Norddeutschland „Gorch Fock“ als Museumsschiff? Scharfe Kritik aus dem Norden an von der Leyen
Nachrichten Norddeutschland „Gorch Fock“ als Museumsschiff? Scharfe Kritik aus dem Norden an von der Leyen
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17:14 30.04.2019
Die „Gorch Fock“, läuft unter Segeln über die Kieler Förde. Quelle: dpa
Berlin

„Wenn es nicht gelingt, dann wird die „Gorch Fock“ ein Museumsschiff sein“, sagte die Ministerin am Montagabend bei einer Veranstaltung des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) in Berlin.

Bei Politikern, Schiffs- und Marineexperten im Norden rief die Äußerung der Ministerin Verwunderung hervor. „Ich finde es traurig, wenn ein Staat wie die Bundesrepublik Deutschland es nicht auf die Reihe bekommt, ein vernünftiges Segelschulschiff zu haben“, erklärte Holger Bull, Vorsitzender des Lübecker Vereins „Rettet die Passat“, der sich der Erhaltung des gleichnamigen Museums-Seglers widmet. „Ich verstehe nicht, wieso so wenig für die Erhaltung getan wurde, dass solche Kosten auflaufen konnten. Es wundert mich, dass Frau von der Leyen das alles bisher unbeschadet überstanden hat.“ Nachdem so viel Geld in die „Gorch Fock“ gesteckt worden sei, müsse sie auch wieder segeln. „Sie haben es angefangen, sie sollen es zu Ende bringen.“

Kommentar: „Gorch Fock“ als Museum? Das löst nur ein Problem

Falls die „Gorch-Fock“-Sanierung aus dem Ruder läuft, wird sie ein Museumsschiff, sagt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Wenn sich nur all ihre Probleme so einfach lösen ließen, meint Lars Fetköter in seinem Kommentar.

„Missmanagement des Verteidigungsministeriums“

„Für mich gehört die ,Gorch Fock‘ zur Marine und zur Ausbildung dazu“, sagte Rolf Günther von der Marinekameradschaft Neustadt in Holstein. Als ehemaliger Marineoffizier sei er auch auf der „Gorch Fock“ gewesen. Eine Nutzung als Museumsschiff sei „absolut schade, vor allem weil sie schon so viel reingesteckt haben“. Schuld an der Misere sei „das Missmanagement des Verteidigungsministeriums“.

„Von der Leyen soll endlich eine transparente Kostenrechnung vorlegen, was es kosten würde, die ,Gorch Fock‘ fertigzubauen – und was alternativ ein neues Schiff kosten würde“, fordert Kai Dolgner, Sprecher der SPD-Landtagsfraktion für Bundeswehrangelegenheiten. „Ich hoffe, dass sie das kann, sonst ist sie eine Fehlbesetzung.“

Für die Marine „elementar wichtig“

Selbst in von der Leyens direktem Umfeld ist man irritiert über ihren Vorstoß. „Das ist nicht die Option, die wir zurzeit verfolgen“, stellte der Lensahner CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens fest, der Mitglied des Verteidigungsausschusses ist. 69 Millionen Euro seien bereits verbaut. Für weitere elf Millionen Euro solle das Schiff nun bis zum Sommer schwimmfähig gemacht werden. Dies müsse in jedem Fall geschehen, auch wenn die „Gorch FockMuseumsschiff werden solle. Komme es tatsächlich so, müsse für über 100 Millionen Euro ein neues Schulschiff gebaut werden. „Das ist für die Marine elementar wichtig, das sieht auch die Opposition so.“ Bis es fertig sei, würden Jahre vergehen.

Im Bundesverteidigungsministerium war man am Dienstag bemüht, die Wogen zu glätten. Die Möglichkeit der Nutzung als Museumsschiff im Falle einer neuerlichen Kostenüberschreitung der Werft sei „nichts Neues“, sagte ein Sprecher, sondern Teil der Vereinbarung mit der neuen Werftleitung. Die Stilllegung sei aber nicht das Ziel. „Wir wollen, dass dieses Schiff wieder segelt.“

„Wir tun alles, damit dieses Schiff wieder flott wird“, hatte auch von der Leyen gegenüber dem RND bekräftigt. Allerdings gehe das nicht um jeden Preis, man habe dem Steuerzahler schon viel zugemutet.

Marcus Stöcklin

Läuft die „Gorch-Fock“-Sanierung aus dem Ruder, wird sie Museumsschiff, sagt Ursula von der Leyen. Wenn sich nur all ihre Probleme so einfach lösen ließen, meint Lars Fetköter in seinem Kommentar.

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