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Norddeutschland Grippewelle: Jetzt trifft es Handwerk, Schulen, Amtsstuben
Nachrichten Norddeutschland Grippewelle: Jetzt trifft es Handwerk, Schulen, Amtsstuben
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15:02 25.02.2015
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Lübeck

Die Welle von Erkältungskrankheiten und Grippe lichtet die Reihen in Unternehmen, Stadtverwaltungen, Schulen. Auf Baustellen im Raum Lübeck müssen erste Handwerksbetriebe ihre Aufträge absagen, weil sie ihren Verpflichtungen aufgrund fehlenden Personals nicht nachkommen können. Auch die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Lübeck ist mindestens bis morgen nur eingeschränkt erreichbar.

In der dortigen Amtsstube sind beide Sachbearbeiterinnen für Bewohner- und Schwerbehinderten-Parkausweise krankheitsbedingt ausgefallen. Die Behörde musste den Kundenbereich deshalb bis auf Weiteres schließen. Immerhin hätte bislang keine städtische Kindertagesstätte wegen Personalmangels geschlossen werden müssen, teilt Stadtsprecher Marc Langentepe mit. In den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg bleibt auf einigen Touren der Bio- und Restabfall liegen. Wegen Grippeerkrankungen von Fahrern der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) könnten viele Tonnen nicht geleert werden. In den nächsten Tagen könne es weiter zu Verspätungen bei der Müllabfuhr kommen, bittet die AWSH ihre Kunden um Verständnis.

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Aus der Lübecker Handwerkskammer heißt es: „Überall schnieft und hustet es bei uns im Haus.“ Von 90 Mitarbeitern kurierten sich derzeit zehn zu Hause aus, die ersten Kranken seien bereits genesen zurück, teilt Kammersprecher Ulf Grünke mit. Manch Mutter hätte zu Hause bleiben müssen, um ihre kranken Kinder zu pflegen. In den Handwerksbetrieben sehe das nicht anders aus — selbst unter den „hartgesottenen Burschen“ auf dem Bau sei der Krankenstand derzeit hoch. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin ist Schleswig-Holstein von Atemwegserkrankungen und auch von der echten Grippe, die mit hohem Fieber einhergeht, stark betroffen.

Dräger (5000 Mitarbeiter) meldet gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres ebenfalls einen erhöhten Krankenstand in Lübeck. Betriebsabläufe seien dadurch aber nicht gefährdet, sagt Pressereferent Herbert Glass. „Auch an Schleswig-Holsteins Schulklassen geht die Grippe nicht spurlos vorbei“, bestätigt Thomas Schunck, Sprecher im Kieler Bildungsministerium. Teilweise fehlten bis zu zehn Prozent der Schüler in den Bänken. Erkranktes Lehrer-Personal habe bislang an den meisten Schulen im Land durch interne Vertretungskonzepte ersetzt werden können. Lediglich in einem Fall sei es schwierig geworden: An einer Grundschule fehlten an einem Morgen vier von elf Lehrkräften.

In den vergangenen vier Wochen wurden in Schleswig-Holstein 545 Fälle von Influenza — der echten Grippe — gemeldet. Nach Landesangaben gab es allein in der vergangenen Woche 204 neue Fälle. Die Dunkelziffer ist hoch: Aufgrund des Patienten-Andrangs in Arztpraxen sind viele Grippekranke statistisch nicht erfasst. Seit Beginn der Grippesaison wurden bundesweit 19000 Fälle von Influenza gezählt.

Curd Tönnemann