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Norddeutschland Grüne und SPD wollen den „Hindenburgdamm“ umbenennen
Nachrichten Norddeutschland Grüne und SPD wollen den „Hindenburgdamm“ umbenennen
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19:34 01.02.2019
Ganz offiziell hat die Verbindung vom Festland nach Sylt gar keinen eigenen Namen. Doch alle Welt spricht vom „Hindenburgdamm“. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Lübeck benennt den Hindenburgplatz um. Die Bürgerschaft hat’s gerade beschlossen (die LN berichteten). In Kiel heißt das alte Hindenburgufer längst schon wieder „Kiellinie“. Jetzt wollen Grüne und SPD im Norden auch dem „Hindenburgdamm“ ans Leder, der seit 1927 Sylt mit dem nordfriesischen Festland verbindet. Er soll ebenfalls einen neuen Namen bekommen: „Sylt-Damm.“

„Es gibt keine Veranlassung, Hindenburg zu ehren“

Zu negativ wird Hindenburgs Wirken in der Geschichte mittlerweile gesehen. Gleich nach dem Ersten Weltkrieg galt er vielen Deutschen noch als „Held von Tannenberg“, der die russische Armee in Ostpreußen besiegt hatte. Mit den Jahren wurde immer klarer: Hindenburg stahl sich 1918 mit der „Dolchstoßlegende“ aus seiner Verantwortung für die Kriegsniederlage, diskreditierte damit zugleich die neue Weimarer Republik und half nach 1925 als Reichspräsident mit, Hitler an die Macht zu bringen. „Es gibt keine Veranlassung, Hindenburg mit Namengebungen zu ehren“, sagt der Vizechef der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat. „Wir unterstützen daher eine Umbenennung.“

Der Grüne Landtagsabgeordnete Andreas Tietze. Quelle: Grüne

Der Grüne Andreas Tietze hat auch schon einen konkreten Namens-Vorschlag: „,Sylt-Damm’ wäre die beste Bezeichnung dafür“, sagt der Landtagsabgeordnete, der selber lange Jahre auf der Insel gelebt hat. Eine Initiative auf der Insel fordere das schon länger. Der Direktor des „Nordfriisk Instituut“, Professor Thomas Steensen, sprach sich ebenfalls mehrfach für die Bezeichnung „Sylter Damm“ aus, man spreche ja auch vom „Nordstrander Damm“ oder vom „Rügendamm“. Der Name „Sylt-Damm“ wäre auch unter touristischen Gesichtspunkten ideal, sagt Tietze.

Der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg war bei der Eröffnung des Damms vor Ort. Quelle: dpa

Machte nur der Volksmund den Damm zum Hindenburgdamm?

Tatsächlich bekommen Bahnbauwerke in Deutschland, im Gegensatz zu Straßen und Straßenbrücken, keine offiziellen Namen. Allerdings: Befeuert hat den Volksmund 1927 offenbar doch der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft, Julius Dorpmüller. Er soll bei der Eröffnung in Anwesenheit des greisen Präsidenten erstmals euphorisch den „Hindenburgdamm“ ausgerufen haben, berichten Historiker. Und während die Sylter bis heute nur vom „Damm“ sprechen, hat diese Bezeichnung auf dem Festland eine steile Karriere hingelegt. Selbst auf der offiziellen Schleswig-Holstein-Karte des Landesvermessungsamtes taucht der völlig inoffizielle Name wie selbstverständlich auf.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Habersaat macht sich für eine Umbenennung des Hindenburgdamms stark. Quelle: LN

Was nun? Eine politische Initiative starten? In der Staatskanzlei von CDU-Ministerpräsident Daniel Günther ist man da sehr zurückhaltend. „Es gibt keine Beschlussfassung dazu, und das Thema ist auch noch nicht auf der Agenda der Landesregierung gelandet“, sagt Regierungssprecher Peter Höver. FDP-Verkehrsminister Bernd Buchholz ist grundsätzlich skeptisch, ob man dem Damm einen neuen Namen geben sollte. Man verhalte sich damit „ein Stück ahistorisch“, denn zur Geschichte des Landes gehöre ja auch, dass bestimmte Bauwerke fest mit Namen und Zeiten verknüpft seien, „an die die Erinnerung vielleicht aufrecht erhalten werden sollte – auch wenn sie alles andere als positiv ist“. Und Sylts parteiloser Bürgermeister Nikolas Häckel sagt, auf Sylt werde das derzeit ohnehin nicht diskutiert, es sei da „kein Thema“.

8,1 Kilometer durchs Watt

Über den Hindenburgdamm ist die nordfriesische Insel Sylt per Bahn vom Festland aus zu erreichen. Seit 1972 ist die Strecke zweigleisig. Der Damm wurde am 1. Juni 1927 nach einer Bauzeit von vier Jahren eröffnet, zuvor gab es nur eine Fährverbindung. Er ist 11,3 Kilometer lang. 8,1 Kilometer davon verlaufen direkt durch das Wattenmeer.

SPD und Grüne im Land wollen dennoch nicht locker lassen – und setzen bei der Umbenennung doch auf die Deutsche Bahn. Die sei ja die Nachfolgerin der Reichsbahn, argumentiert Sozialdemokrat Martin Habersaat. Für Andreas Tietze ist klar: Das Bundesverkehrsministerium könne und müsse dem Konzernvorstand im Bahn-Aufsichtsrat den Auftrag zur Umbenennung erteilen – spätestens, wenn ein Grüner nach der nächsten Bundestagswahl dieses Amt innehabe. Wenn die Bahn und auch das Land danach dann in allen offiziellen Verlautbarungen vom „Sylt-Damm“ sprechen würden, werde sich dieser Name auch ganz schnell durchsetzen.

Mehr zu Paul von Hindenburg lesen Sie auf unserer Themenseite: hier

Wolfram Hammer

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