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Norddeutschland Grüne wollen HVV-Preissystem „radikal umdenken“
Nachrichten Norddeutschland Grüne wollen HVV-Preissystem „radikal umdenken“
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14:47 13.12.2019
Mit einem neuen Preissystem wollen die Grünen in Hamburg mehr Anreize zum Umstieg vom Auto schaffen.
Mit einem neuen Preissystem wollen die Grünen in Hamburg mehr Anreize zum Umstieg vom Auto schaffen. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
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Hamburg

Mit einem neuen Preissystem für den öffentlichen Nahverkehr wollen die Grünen in Hamburg mehr Anreize zum Umstieg vom Auto schaffen. Im Zentrum steht dabei ein Familienticket, das eine Grundkonstante auf den Kopf stelle, wie Bürgermeisterkandidatin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und Fraktionschef Anjes Tjarks am Freitag sagten.

Bisher habe gegolten: „Mehr Köpfe, mehr Kosten. Wir sagen: Mehr Köpfe, weniger Kosten“, sagte Tjarks. Um die Klimaziele zu erreichen, müsse ein Umdenken erfolgen, sagte Fegebank. „Klima hat in der Tat ganz viel mit Verkehr zu tun.“ Mehr als ein Viertel der Hamburger CO2-Emissionen entfalle auf diesen Sektor.

780 Millionen Fahrgäste pro Jahr

Derzeit transportiere der HVV gut 780 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Bis 2030 müsse die Zahl auf eine Milliarde steigen. „Wir müssen dafür sorgen, dass in zehn Jahren vier von fünf Wegen klimaneutral zurückgelegt werden“, sagte Fegebank. Dazu müsse der Anteil der in Hamburg täglich mit dem Auto zurückgelegten Wegstrecke von derzeit 39 Millionen Kilometern auf 23 Millionen sinken.

„Familienhaushalte sind die Gruppe, die die allermeisten Autos besitzen“, sagte Tjarks. Deshalb müsse gerade dieser Gruppe ein besonderes Angebot gemacht werden. Beim Grünen-Familienticket sinken die Gesamtkosten, je mehr Kinder eine Familie hat.

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So würden Vater, Mutter und ein Kind ab zehn Jahre zusammen monatlich 150 Euro für ein Abonnement-Ticket zahlen, derzeit sind es gut 220. Bei drei oder mehr Kindern sollen es insgesamt 190 Euro sein - statt knapp 290 wie bisher. Kinder unter zehn Jahren sollen kostenlos fahren.

HVV-Treuebonus

Außerdem soll es Vergünstigungen für Schüler, Azubis, Senioren, und Menschen mit geringem Einkommen geben. Zudem wolle man unter 30-Jährigen einen „HVV-Treuebonus“ gewähren, da der Führerschein, das erste selbstverdiente Geld oder die Gründung einer Familie die häufigsten Gründe für die Anschaffung eines Autos seien, sagte Tjarks. „Wir erreichen mit diesem Vorschlag 725 000 Menschen.“

Die Kosten bezifferte er auf circa 70 bis 100 Millionen Euro. „Auch das Modell der Sozialdemokraten bewegt sich praktisch in diesem Bereich“, sagte Tjarks. Die SPD will eine Entlastung der Familien dadurch erreichen, dass Schüler Busse und Bahnen kostenlos benutzen können. Die Forderungen „anderer Mitbewerber“ nach einem 365-Euro-Ticket für alle würde dagegen mehr als 400 Millionen Euro kosten, sagte er mit Blick auf die Vorstellungen der CDU zur Umsetzung der Mobilitätswende.

Von RND/dpa