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Norddeutschland HSH Nordbank – eine Ära geht zu Ende
Nachrichten Norddeutschland HSH Nordbank – eine Ära geht zu Ende
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22:29 27.02.2018
Die HSH Nordbank in Kiel: Was wird aus den Mitarbeitern? Quelle: dpa
Lübeck

Dabei hatte alles so hoffnungsfroh und harmonisch begonnen: Anfang Februar 2003 besiegelten die damaligen Regierungschefs Heide Simonis (SPD) und Ole von Beust (CDU) die Fusion ihrer beiden Landesbanken. „In einem größer werdenden Europa muss der Norden seine Kräfte bündeln“, sagte die Kieler Ministerpräsidentin, und Hamburgs Erster Bürgermeister ergänzte: „Stark sind wir ohnehin schon, jetzt wollen wir noch stärker werden.“ Als größter Erfolg der Kooperation galt die Schaffung der HSH Nordbank, die der Kieler Finanzminister Claus Möller (SPD) und sein Hamburger Kollege Wolfgang Peiner (CDU) monatelang vorbereitet hatten. „Nach drei Jahren bringt uns diese Fusion Synergieeffekte von 150 Millionen Euro pro Jahr. Das macht uns wettbewerbsfähiger“, sagte Möller.

Affären, Prozesse, Millionenboni, Milliardenhilfe: Viele Sorgen und negative Schlagzeilen bereitete die Bank ihren Haupteigentümern, den Ländern Schleswig- Holstein und Hamburg, in den vergangenen zehn Jahren. Über allem schwebt die Frage: Wie teuer wird das alles für die Steuerzahler?

Einigung auf US-Investor

Der Verkauf der HSH Nordbank ist so gut wie perfekt. Nach Informationen der Kieler Nachrichten einigten sich die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg gestern bis auf Weiteres mit den US-Finanzinvestoren Flowers und Cerberus. Der Vertrag soll heute beschlossen werden.

In der Tat hatte die Bank einen guten Start, spülte den Ländern in den Folgejahren verlässlich Millionenbeträge in ihre Haushaltskassen. Die Bank expandierte, eröffnete große Büros in New York, London und anderen renommierten Finanzplätzen, nannte sich stolz „weltgrößter Schiffsfinanzierer“ und plante einen Börsengang.

Doch dann geriet die HSH Nordbank, in der Eigenwahrnehmung inzwischen ein „Global Player“, 2007 in den Strudel der Finanzkrise, und zwar krachend. Vor allem, weil im Zuge der Krise die Frachtraten und zugleich viele Schiffsfinanzierungen einbrachen, aber auch deshalb, weil die Banker auf hochriskante Geldanlagen gesetzt hatten. Es waren dramatische Entwicklungen: Die Bank musste den Finanzmarktstabilisierungsfonds in Anspruch nehmen, in der Folgezeit mussten die Länder ihr Kreditinstitut eiligst mit einer Milliardengarantie vor dem sofortigen Aus retten. Gründungs-Vorstandschef Hans Berger musste abtreten, im November 2008 folgte Dirk Jens Nonnenmacher, ein Mathematiker, auf den Chefposten. Er sollte die HSH Nordbank in schwerem Fahrwasser steuern und in ruhigere Bahnen lenken, doch seine Amtszeit war geprägt von immer neuen Enthüllungen und Skandalen. Seit 2009 ermittelten Staatsanwälte wegen Untreue und Bilanzfälschung. Untersuchungsausschüsse der Parlamente beschäftigten sich intensiv mit den Vorgängen, dem Aufsichtsrat wurde mangelhafte Kontrolle vorgeworfen. Immer neue Berichte über Bespitzelungen von Mitarbeitern und abenteuerliche Finanztransaktionen wurden öffentlich. Millionenboni für die Vorstände sorgten in dieser Situation für besondere Empörung. Aufsichtsratschef Hilmar Kopper, er führte früher die Deutsche Bank, verteidigte Nonnenmacher stets gegen Kritik. Im Juli 2013 begann ein Prozess gegen Nonnenmacher, der da schon zwei Jahre lang abgelöst war, und fünf weitere Vorstände – ein Jahr später endete der Prozess mit Freisprüchen. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil 2016 wieder auf.

Die HSH Nordbank wurde aufgeteilt in eine Kernbank und eine Abbaubank mit den „faulen“ Schiffskrediten. Seit Jahren ist es ruhiger geworden, die geschrumpfte Kernbank konnte bessere Zahlen vermelden.

Im Oktober 2015 hatten sich die Länder mit der EU-Kommission auf einen Umbau der Bank geeinigt – und darauf, dass das Kreditinstitut bis März 2018 verkauft oder abgewickelt werden muss.

Heute nun endet diese Frist. Die beiden Landesregierungen wollen sich am Vormittag äußern.

 Christian Risch