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Norddeutschland Wieso es fahrlässig von Habeck ist, sich aus der digitalen Welt zurückzuziehen
Nachrichten Norddeutschland Wieso es fahrlässig von Habeck ist, sich aus der digitalen Welt zurückzuziehen
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16:45 12.01.2019
Jasmin Off, stellvertretende Chefredakteurin der Lübecker Nachrichten Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Das Neuland hat seit dieser Woche einen Bewohner weniger. Robert Habeck schlug nach seinen Äußerungen zur Thüringen-Wahl (das Land solle dank seiner Partei „frei und demokratisch“ werden) derart viel und ungestüm vorgetragene Kritik entgegen, dass der Grünen-Chef beschloss, sich künftig komplett von Twitter und Facebook zurückzuziehen. Habecks Plan: den digitalen Dschungel verlassen, um klarer sehen zu können. Doch der Schritt war kurzsichtig.

In Zeiten, in denen die AfD auf Facebook mehr Fans hat als CDU und SPD zusammen und die NPD mehr Follower hinter sich versammelt als die FDP, sind Politiker mehr denn je gefordert, im Internet Präsenz zu zeigen. Um zu verstehen, was die Bürger dort umtreibt. Um diejenigen mit ihren Botschaften zu erreichen, für die das Internet kein Neuland, sondern längst Heimat ist. Um per Likes ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Themen bei den Wählern verfangen. Aber auch um Kontakt zu den Bürgern zu bekommen, die auf keiner Veranstaltung im Wahlkreis anzutreffen sind – weil sie dem demokratischen Diskurs den Rücken zuwenden. Wie sich die Stürme von Hass und Häme im Netz zusammenbrauen, kann nur verstehen, wer sich in ihr Inneres begibt.

Nicht nur Habeck handelt deshalb mit seiner digitalen Vollbremsung von 100 auf Null fahrlässig. Sondern auch diejenigen, die noch nicht mal den ersten Gang eingelegt haben. Horst Seehofers Twitteraccount dümpelt seit Monaten inhaltsleer vor sich hin, obwohl es dem Innenminister an Themen nicht mangeln dürfte. Habecks grüner Parteikollege Winfried Kretschmann, Ministerpräsident in Baden-Württemberg, gab unlängst zu Protokoll, das Zwitschern der Vögel im Frühling finde er wichtiger als selbst im Netz zu zwitschern. Und selbst die Bundeskanzlerin ist – anders als Donald Trump – nicht für ihr Engagement im Netz bekannt.

Doch wie sollen Bürger ermutigt werden, sich den Trollen und Hetzern entgegen zu stellen, wenn Spitzenpolitiker die Diskussion dort verweigern? Wie soll die Bevölkerung den kompetenten Umgang mit digitalen Plattformen erlernen, während das Internet auch 2019 noch zum Problem erklärt wird?

Robert Habeck gab auch Twitter die Schuld an seinen missglückten Aussagen – ganz so, als würde Meinungsäußerung im Netz auf systemimmanenten Druck stattfinden und nicht durch selbstbestimmtes Handeln. Das Gegenteil ist der Fall: Ein Post kann durchdacht, verändert, verworfen werden. In Talkshows dagegen geht es wirklich darum, in Echtzeit schlagfertig zu reagieren. Gerade wurde erhoben, wer im Fernsehen 2018 am häufigsten zu Gast war: Robert Habeck. Selber gehört werden wollen, aber nicht ernsthaft hinhören, ist keine gute Lösung.

Jasmin Off

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