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Norddeutschland Darum gehen Menschen freiwillig in den Knast
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20:55 28.04.2019
Insgesamt sechs ehemalige Häftlinge machten in Schleswig-Holstein bisher vom „Angebot“ des Landes Gebrauch und kehrten freiwillig in ihre Zellen zurück. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck/Kiel

Möglich macht das das neue Landesstrafvollzugsgesetz. Es sieht vor, sofern es die Belegungssituation zulässt, dass Gefangene auf Antrag ausnahmsweise vorübergehend in der Anstalt verbleiben oder wieder aufgenommen werden können – wenn ihre Resozialisierung gefährdet ist. „Der Landesjustizvollzug verzeichnete seit Oktober 2017 insgesamt sechs solcher Fälle“, erklärte Wolf Gehrmann, Sprecher des Kieler Justizministeriums, auf LN-Anfrage. Aktuell befinde sich kein Gefangener freiwillig in einer der Justizvollzugsanstalten des Landes.

Bei Problemen lieber zurück in Haft

Warum gehen Menschen aus freien Stücken in den Knast? „Die Gründe für die Rückkehr oder den Verbleib sind vielfältig und immer im Zusammenhang mit der Wiedereingliederung zu sehen“, sagt Gehrmann. „Die meisten Fälle sind durch Probleme der Wohnungsfindung oder Drogen- oder Alkohol-Rückfälle begründet.

Die therapeutische Anbindung an eine JVA ist meistens größer als zu Nachsorgeeinrichtungen.“ Es gebe Gefangene, die sowohl straffrei bleiben wollen, als auch bei erkennbaren Problemlagen sogar bereit sind, lieber wieder in Haft zu gehen, sagt Gehrmann.

Keine körperliche Gewalt

Kosten fallen für die „freiwilligen“ Häftlinge übrigens nicht an. Diese (etwa 135 Euro am Tag pro Häftling) trägt die Landeskasse. Allerdings müssen die Insassen einen Vertrag unterschreiben. „Die vertragliche Grundlage dient nur der Absicherung der JVA, dass es sich um eine freiwillige Maßnahme und nicht um Freiheitsberaubung handelt“, so Gehrmann.

An die Regeln der JVA müssen aber auch sie sich halten. Denn bei einer Störung des Anstaltsbetriebes kann die Unterbringung jederzeit beendet werden. Einen Unterschied zu regulär Inhaftierten gibt es aber: „Maßnahmen des Vollzuges dürfen nicht mit unmittelbarem Zwang durchgesetzt werden“, heißt es im Gesetz. Im Klartext: Körperliche Gewalt gegen die „Freiwilligen“ ist tabu.

Ex-Häftlinge sind oftmals überfordert

Henry-Oliver Jakobs, Geschäftsführer des Vereins „Gefangene Helfen“ aus Elmschenhagen (Kreis Stormarn) begrüßt die Möglichkeit der freiwilligen Aufnahme für den normalen Strafvollzug. Regelungen zur Wiederaufnahme entlassener Gefangener gab es im Norden zuvor nur für den Jugendstrafvollzug, die Sicherungsverwahrung und die Sozialtherapie.

„In der Haft wird den Gefangenen fast alles abgenommen, mit bestimmten Entscheidungen sind sie überfordert – davon eine Wohnung oder einen Arbeitsplatz zu finden, ganz zu schweigen“, sagt Jakobs.

Er kritisiert, dass der Staat sich beim Thema Resozialisierung „lange aus der Verantwortung gezogen hat“ und fordert grundsätzlich mehr Sozialtherapien. „Ja, die kosten mehr Geld und binden mehr Personal – zusammen mit einer Wiedereingliederung am Arbeitsmarkt und Hilfe bei Behördengängen ist das aber der beste Weg“, meint Jakobs.

Klicken Sie sich durch die Bildergalerie, um einen Blick in die JVA in Lübeck werfen zu können.

Jan Wulf

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