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Norddeutschland Hallig Gröde: Der kleinste Wahlbezirk Deutschlands
Nachrichten Norddeutschland Hallig Gröde: Der kleinste Wahlbezirk Deutschlands
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23:29 05.05.2017
Volker Mommsen, Bürgermeister der Hallig Gröde, sitzt neben der blauen Hallig-Wahlurne. Quelle: Foto: Chr. Charisius/dpa
Hallig Gröde

Bereits wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale wird morgen das Ergebnis der Landtagswahl in Schleswig-Holstein vorliegen – zumindest auf Hallig Gröde. Das kleine Eiland im Wattenmeer mit neun Wahlberechtigten ist Deutschlands kleinster Wahlbezirk. Doch selbst wenn das Gröder Ergebnis vor der ersten Hochrechnung kommt – Rückschlüsse auf den Wahlausgang wird es Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und seinem Herausforderer Daniel Günther (CDU) nicht erlauben. „Das ist bei uns gemischt durch alle Parteien – bis auf die Rechten“, sagt Bürgermeister Volker Mommsen (parteilos).

Die um den erstmaligen Einzug in den Landtag in Kiel kämpfende AfD hat es auf der Hallig schwer. „In der Richtung spielt sich bei uns nichts ab“, ist sich Mommsen sicher. Wer nicht verreist ist, wählt im Wohnzimmer des 58-Jährigen, der die Hälfte seines Lebens Bürgermeister ist. „Wir verabreden uns vorher natürlich. Und abends nach dem Auszählen gibt es dann auch vielleicht ’ne Flasche Bier.“

Ein Großteil der wahlberechtigten Hallig-Bewohner ist in die Landtagswahl eingebunden. „Wir müssen wie jede andere Gemeinde auch einen Wahlvorstand bilden“, sagt Mommsen. Die Auszählung der Stimmen in der zum Wahllokal umfunktionierten Stube dauert aber nur ein paar Minuten.

Landeswahlleiter Tilo von Riegen sagt: „Das Gröder Ergebnis ist in aller Regel der erste Eintrag im Ergebnisdienst – meistens etwa um 18.10 Uhr.“ Nur zur Bundestagswahl 2013 sei dies nicht so gewesen. „Der überwiegende Teil der Gröder war an diesem Tag auf dem Festland, um einer Veranstaltung beizuwohnen.“ Bei nur drei, vier Abstimmenden wäre das Wahlgeheimnis aber kaum gewahrt geblieben, fanden die Gröder. Also haben sie sich damals alle für die Briefwahl entschieden.

Etwas weiter westlich von Gröde gibt es ein ähnliches Wahllokal wie auf dem Festland. Die rund 80 Wahlberechtigten der benachbarten Hallig Langeneß wählen in der Schule. Früher tendierten sie dort eher zur Union, sagt Bürgermeisterin Heike Hinrichsen (parteilos). „Das ist immer die CDU gewesen, jetzt ist es eher Grün.“ Das hänge vor allem mit Umweltminister Robert Habeck (Grüne) zusammen.

Denn: „Der ist sehr für die Halligen da.“ Der Wahlkampf ist auf Langeneß aber kein großes Thema. Es gibt weder Wahlkampf-Veranstaltungen noch Plakate.

Südlich davon liegt Hallig Hooge. Knapp 100 Einwohner sind dort wahlberechtigt. Gewählt wird im Restaurant „Seehund“. „Es hat hier traditionell eigentlich immer eine SPD-Mehrheit gegeben“, sagt Bürgermeister Matthias Piepgras (SPD). „Ich wäre überhaupt nicht erfreut, wenn wir auch nur eine Stimme für die AfD hätten.“

Der Lokalpolitiker hat vor der Wahl organisatorische Sorgen. „Bei 100 Leuten muss unser Wahllokal von 8 bis 18 Uhr geöffnet sein.“ Dafür brauche es acht Hallig-Bewohner. „Das sind fast zehn Prozent unserer Bevölkerung.“

Wählen gehen!

Parlamentspräsident Klaus Schlie hat die Schleswig-Holsteiner aufgerufen, bei der Landtagswahl morgen von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Dies sei wichtig für die Zukunft des Landes, da die Entscheidung für einen Kandidaten oder eine Partei die politischen Weichen für die kommenden fünf Jahre stelle, erklärte der CDU-Politiker. „Nutzen Sie auch angesichts der vielen Menschen auf der Welt, die ihrem politischen Willen keinen Ausdruck in einer demokratischen Wahl verleihen können, Ihr Stimmrecht!“

 Von André Klohn