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Norddeutschland Hamburger Gabenzaun für Obdachlose
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21:10 06.03.2017
Obdachlose nehmen sich in Hamburg am Hauptbahnhof Essen und Kleidung vom Gabenzaun. Jeder kann dort kleine Spenden abgeben. Quelle: Foto: Heimken/dpa
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Hamburg

Zwei Frauen in gelben Warnwesten ziehen einen Bollerwagen voller Plastikbeutel und einen weiteren mit heißem Kaffee zum Hamburger Hauptbahnhof. Antje und Christa sind ehrenamtliche Helferinnen von der Organisation „Engel in den Straßen“ und kümmern sich um Obdachlose. Zweimal pro Woche hängen sie Beutel mit Spenden an einen Drahtzaun – den „Hamburger Gabenzaun am Hauptbahnhof“. Auf jedem Beutel steht, was drin ist: „Strickjacken für Damen, Größe 38 und 40“ hängt neben „Dicke Decke“.

Sobald die beiden Helferinnen die Beutel befestigt haben, bildet sich eine Menschenmenge um den Zaun, der von Obdachlosen so gut angenommen werde, dass er fast immer leer sei, sagt Antje. Es gebe Tage, an denen 60 Beutel den Besitzer wechselten, bestätigen auch die Initiatoren des Gabenzaun-Projekts. Genauso schnell wie die Beutel aufgehängt werden, werden sie auch abgenommen. Vor allem warme Kleidung, Lebensmittel, Schlafsäcke, Wolldecken und Hygieneartikel stecken in den Beuteln. Bedürftige würden die Spender regelrecht erwarten, sagen die Initiatoren. Einige Obdachlose kümmern sich um den Gabenzaun. Günter ist einer von ihnen. Zusammen mit zwei weiteren Obdachlosen achtet er darauf, dass die Beutel nicht achtlos aufgerissen werden und der Müll nicht auf dem Boden landet. Wichtig sei, dass die Spenden nur an die richtigen Leute gehen, sagt er. „Sorry, Only for homeless People – Please respect!“, steht auf einem Zettel. Die wichtigsten Spenden seien warme Kleidung, sagt Günter. Er sagt aber auch: „Ich nehme am liebsten Schokolade.“

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Besonders in der kalten Jahreszeit seien etwa Handschuhe und Schals wertvolle Spenden, sagt Stephan Karrenbauer vom Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“. Gerade diese einfachen und schnellen Spenden, ohne dafür ein überschwängliches „Danke“ zu erwarten, machten den Gabenzaun zu etwas Besonderem. Obdachlose würden merken „Hier gibt es Menschen, die denken an uns“. Passanten hätten den Initiatoren berichtet, dass sie das erste Mal mit Obdachlosen in Kontakt kämen. Sie seien „von der Herzlichkeit und Dankbarkeit überwältigt“, sagt Karrenbauer. Gleichzeitig sei die notwendige Anonymität gegeben.

„Der Gabenzaun ist eine wundervolle Idee“, sagt Willy Ahlers. Er komme täglich vorbei und freue sich besonders über Hundefutter für seinen kleinen Hund, sagt der Obdachlose. Helfer und Bedürftige stehen im Kreis, unterhalten sich und lachen. Der Zaun sei ein wichtiger neuer Treffpunkt geworden, sagt Derya von den selbsternannten „Gabenzaun-Aufpassern“.

Doch bald soll der Gabenzaun im Rahmen des Bahnhofs-Umbaus abgerissen werden. Er werde aber an anderer Stelle und mit Genehmigung der Stadt weitergeführt, sagen die Initiatoren des Projekts.

LN