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Norddeutschland Wird die Meisterausbildung bald kostenlos?
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07:01 28.03.2019
Die Kosten für eine Meisterausbildung in Deutschland können durchaus im fünfstelligen Bereich liegen. Quelle: Sina Schuldt/dpa
Lübeck/Kiel

Die Sozialdemokraten haben für die kommende Landtagssitzung einen interessanten Antrag für alle (angehenden) Handwerker: Die Landesregierung wird darin aufgefordert, eine Bundesratsinitiative auf den Weg zu bringen, die das Ziel hat, dass sämtliche Lehrgangskosten und Prüfungsgebühren vom Bund übernommen werden sollen.

„Die Beitragsfreiheit zur Aufstiegsqualifikation zur Meisterin und zum Meister kann dazu beitragen, duale Ausbildungsberufe attraktiver zu machen und die Dequalifizierungstendenz von Gründerinnen und Gründern im Handwerk umzukehren“, heißt es in der Begründung für eine Reform des Aufstiegsfortbildungsgesetzes (AFBG). Der Fachkräftemangel und die Unternehmensnachfolge gehörten zu den größten Herausforderungen in Zeiten des demografischen Wandels.

Zahl der Betriebsgründungen geht zurück

Tatsächlich ist die Zahl der Betriebsgründungen seit einigen Jahren rückläufig, das Institut für Mittelstandforschung (IFM) schätzt zudem, dass in Schleswig-Holstein im Zeitraum 2018 bis 2022 insgesamt 5400 Unternehmen zur Übergabe anstehen. Auch deshalb führt die Jamaika-Koalition in diesem Jahr eine Meistergründungsprämie ein – sie kann insgesamt bis zu 10 000 Euro betragen.

Schritt in die Selbstständigkeit zu risikoreich?

„Die Landesregierung hat mit Ihrem Konzept einer schleswig-holsteinischen Meistergründungsprämie einen sinnvollen Beitrag zur Stärkung des Handwerks und des regionalen Gründergeistes vorgelegt. Die Meistergründungsprämie nützt allerdings nur dann etwas, wenn genügend Handwerksgesellen sich auch auf den Weg machen, die Meisterausbildung aufzunehmen. Der Schritt in die Selbstständigkeit birgt jedoch vor allem für Gründer im Handwerk ein großes finanzielles Risiko“, kommentiert der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Thomas Hölck.

„Jamaika-Regierung hat kläglich versagt“

Vorbereitungslehrgänge und Prüfungskosten bis zur Meisterprüfung können laut SPD einen bis zu fünfstelligen Betrag erreichen – das sei für viele einfach nicht leistbar. „Gerade bei dieser Frage hat Jamaika kläglich versagt. Unser Ziel ist die Stärkung der Handwerksgewerke, indem wir die Attraktivität der Meisterausbildung durch eine dringend nötige finanzielle Entlastung fördern“, so Hölck. Obwohl mit der Einführung des Aufstiegs-Bafögs eine Verbesserung der Finanzierung werdender Meister erreicht worden sei, bestehe immer noch ein erheblicher Unterschied zur finanziellen Ausstattung im Studium. Hölck: „Wir setzen uns deshalb erneut für eine Weiterentwicklung des Aufstiegs-Bafög ein, um eine vollständige Übernahme der Lehrgangskosten und Prüfungsgebühren der Meisterausbildung zu gewährleisten.“

Handwerkskammer fordert Gleichstellung

Die Handwerkskammer Schleswig-Holstein begrüßt den Vorstoß. „Die Ermöglichung einer gebührenfreien Meisterprüfung gehört zu unseren zentralen Forderungen an die Politik. Ein Studium mit Bachelor-Prüfung an einer Fachhochschule oder Universität ist kostenlos. Wir sehen daher in der gebührenfreien Meisterprüfung einen wichtigen Schritt zur Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung“, sagt Handwerkskammer-Sprecherin Anja Schomakers. Wichtig sei eine bundeseinheitliche Regelung, weswegen wir eine Reform des Aufstiegsfortbildungsgesetzes fordern.

Minister Buchholz: „Können nicht alles gleichzeitig machen“

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) hält den Antrag für „einen interessanten Vorschlag“, er sagt aber auch: „Man kann als Landesregierung nicht immer alles gleichzeitig machen. Wir haben uns jetzt erstmal entschieden, die Meistergründungsprämie, als Anreiz eine Meisterprüfung zu machen, auf den Weg gebracht.“ Ob man sich, wenn man irgendwann über ganz viel Geld verfüge, dazu entschließen könne, die Meister-Gebühren gänzlich abzuschaffen, werde man zu einem späteren Zeitpunkt sehen müssen.

SPD-Antrag scheiterte schon einmal

Vor rund einem Jahr war die SPD mit einem ähnlichen Antrag schon einmal gescheitert. Damals fand der Vorstoß im Wirtschaftsausschuss des Landtages gegen die Stimmen der Regierungskoalition keine Mehrheit.

Jan Wulf

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