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Norddeutschland Handy am Steuer: Jetzt wird schärfer kontrolliert
Nachrichten Norddeutschland Handy am Steuer: Jetzt wird schärfer kontrolliert
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07:32 03.03.2017
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Lübeck/Kiel

Gut zehn Prozent aller Unfälle gehen laut wissenschaftlicher Studien und Beobachtungen der Polizei mittlerweile auf die verbotene Nutzung von Handys und sogar Tablets oder Laptops am Steuer zurück, erläutert Polizeioberrat Axel Behrens. Das wären im Land über 8000. Und die Dunkelziffer ist hoch. Krache ein Auto auf gerader Strecke gegen einen Baum, lasse es sich oft nur vermuten, dass auch dieser Fahrer abgelenkt war.

„Es braucht nur ein paar schnell getippte Buchstaben, die schon zur tödlichen Katastrophe führen können“, sagt auch SPD-Innenminister Stefan Studt. Es sei daher gut und richtig, dass der Handy-Paragraf der Straßenverkehrsordnung überarbeitet werde und bald höhere Bußgelder drohen. Derzeit werden 60 Euro fällig, außerdem gibt es einen Punkt in Flensburg.

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Allein 2016 erwischten die Beamten landesweit schon 11 507 Handy-Sünder, das waren 24,4 Prozent mehr als 2015. In diesem Jahr nun soll es noch gezieltere Kontrollen geben, sagt Behrens. Dazu werden Beamte in Zivil von einem Beobachtungsposten am Straßenrand aus den Verkehr beobachten und Handy-Sünder per Funk dem etwas weiter weg postierten Streifenwagen melden. Dessen Besatzung winkt die Fahrzeuge dann heraus. Auch wenn das Handy dann schon wieder weggelegt wurde: Die Beobachtung des Vergehens durch die Beamten reiche als Beweis vor Gericht aus, sagt Behrens.

Landesweit kam es 2016 zu 87 237 Unfällen. Die Steigerung von 2,4 Prozent zu 2015 gehe vor allem auf das Konto leichter Karambolagen, heißt es. Zudem sei die Zahl der im Land zugelassenen Fahrzeuge von 1,89 auf 1,92 Millionen gestiegen. Die Zahl der Verletzten stieg um 0,2 Prozent auf 16 437, darunter weniger Kinder und Motorradfahrer. Die Zahl der bei Unfällen Getöteten stieg von 107 auf 114, davon acht auf Autobahnen. Die A 1, A 20 und A 21 blieben 2016 von tödlichen Unfällen verschont. In den 90ern lag die Zahl der Verkehrstoten deutlich höher, 1997 zum Beispiel bei 286.

Gestiegen ist die Zahl der Unfälle im Güterverkehr – seit 2011 um 19,9 Prozent. Diese Unfälle ereigneten sich besonders häufig auf den Autobahnen. Die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss ging seit 2006 um 29,4 Prozent zurück. Allerdings wurden bei jedem dritten dieser Unfälle Menschen schwer verletzt oder sogar getötet.

Wolfram Hammer