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Norddeutschland Hansestadt – ein Erfolgsfaktor?
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18:10 07.01.2017
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Uelzen

Nach Uelzen kommen viele Besucher wegen des Hundertwasser-Bahnhofes. Der nach den Plänen des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser umgestaltete Bau lockt mit farbenfrohen Ornamenten, auch das Alte Rathaus und die gotische St.-Marien-Kirche gehören zu den Sehenswürdigkeiten. Trotz der schweren Zerstörungen durch vier große Brände und den Zweiten Weltkrieg verweist die Stadt mit nur rund 34000 Einwohnern auf Bauwerke der norddeutschen Backsteingotik. Seit vergangenem Jahr darf sich Uelzen wieder Hansestadt nennen.

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Seit vergangenem Jahr steht der Titel „Hansestadt“ auf den Ortsschildern von Uelzen. Quelle: Foto: Schulze/dpa

Im Januar kam der Bescheid vom Innenministerium in Hannover, im April wurde die Urkunde überreicht.

Vormann der neuen Hanse ist Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe. Der SPD-Politiker sieht in einer Mitgliedschaft viele Vorteile. „Im Wesentlichen kann gesagt werden, dass man einen Image-Vorteil gegenüber anderen Städten erlangt, da der Begriff ,Hanse’ oder ,Hansestadt’ nahezu ausschließlich positiv besetzt ist“, sagt er. „Hansestädte gelten als ebenso schöne wie traditionsreiche Städte.“

Erste Erfolge seien bereits messbar, heißt es im Rathaus von Uelzen, und das gelte nicht nur für den Tourismus. „Ich kann mit Stolz sagen, dass der Titel uns viele neue Möglichkeiten bietet“, sagt Bürgermeister Jürgen Markwardt. „Auch im Konzert der anderen Städte wird Uelzen wahrgenommen und in der Metropolregion Hamburg spüre ich eine Aufmerksamkeit, die wir bisher nicht hatten.“

Mit Beteiligung von Bürgern wurde in Uelzen ein neues Hansestadt-Logo entworfen. „Derzeit sind wir dabei, das Stadtmarketing auf neue Beine zu stellen, um weiterzuentwickeln, was der Titel Uelzen bietet“, sagt Stadtsprecherin Ute Krüger. „Für die vergangenen acht Monate können wir bereits sagen, dass die Übernachtungszahlen um rund 8,5 Prozent gestiegen sind.“ Auch andere touristische Angebote würden stärker genutzt. So gebe es etwa bei der Uelzener Nachtwächterführung eine viel größere Nachfrage als früher. Die Hanse-Mitgliedschaft wurde 1370 erstmals urkundlich erwähnt, 100 Jahre später war Uelzen sogar Schauplatz eines Hansetages.

„Ich habe betont, dass der Titel vor allem den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gibt, mit stärkerem Selbstbewusstsein auf ihre Stadt zu blicken“, sagt der Bürgermeister. „Tatsächlich nehme ich eine Aufbruchstimmung und großes Engagement wahr.“

Die Hanse beherrschte im Mittelalter den nordeuropäischen Fernhandel, bis zu 200 Städte gehörten dazu. Die 1980 neu gegründete Hanse will einen Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und staatlichen Einigung Europas leisten. Sie hat bereits wieder 187 Mitglieder in 16 Ländern, rund 100 allein in Deutschland. Doch nicht alle dürfen hierzulande auch den Titel „Hansestadt“ tragen. Dafür ist ein förmliches Anerkennungsverfahren beim Innenministerium des jeweiligen Bundeslandes erforderlich. Aus Sicht von Lübecks Bürgermeister Saxe kann die Verleihung des Titels ein Mittel sein, die eigene Geschichte neu zu beleben, auch mit ihren Traditionen und Partnerschaften von einst.

LN

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