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Norddeutschland Rocker mit Herz beim Wacken-Festival: Dieser Wismarer will Leben retten
Nachrichten Norddeutschland Rocker mit Herz beim Wacken-Festival: Dieser Wismarer will Leben retten
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15:29 05.08.2019
Martin Henning aus Wismar hat sich beim Wacken Open Air in der Knochenmarkspenderdatei registrieren lassen. Er ist der 10 000. Festivalbesucher, der nun potenzieller Spender ist. Quelle: DKMS
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Wacken/Wismar

Schon zum siebten Mal war Martin Henning beim Wacken Open Air, dem vielleicht größten Heavy-Metal-Festival der Welt in der kleinen Gemeinde Wacken in Schleswig-Holstein. In diesem Jahr stach der Wismarer unter den rund 75 000 besonders hervor: Er ließ sich als 10 000. Festival-Besucher für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren.

Der 31-jährige Wismarer nimmt den Trubel – zurück in der Hansestadt – gelassen: „Es ist doch keine große Sache, so ein Stäbchen abzulutschen.“ Schon länger wollte sich Martin Henning in der Datei registrieren lassen, um im Fall der Fälle einem Menschen mit Blutkrebs helfen zu können. Den Ausschlag hatte dann der gemeinsame Aufruf des Wacken-Festivals und der DKMS gegeben.

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Festivalbesucher wollen an Blutkrebs erkrankter Victoria helfen

In diesem Jahr hatten die gemeinnützige Organisation und das Wacken Open Air mit dem Blutspendedienst des Klinikums Itzehoe sowie der Initiative „Wacken hilft“ eindringlich für die an einer schweren Form von Blutkrebs erkrankten Victoria und alle anderen Patienten aufgerufen. Das zweijährige Mädchen aus Hamburg ist auf eine Stammzellspende angewiesen, ähnlich wie die erst wenige Monate alte Lilly aus Rostock.

Martin Henning aus Wismar nach seiner Registrierung im Zelt der DKMS auf dem Festivalgelände des Wacken Open Air Quelle: DKMS

„Ich hatte den Aufruf online gesehen und bin dann mit einem Kumpel dorthin gegangen“, berichtet der gebürtige Wismarer, der im Qualitätsmanagement eines Callcenters arbeitet, der OZ. Mitten auf dem Festivalgelände haben sie sich dann typisieren lassen. Dazu ist beim potenziellen Spender lediglich ein Abstrich der Wangenschleimhaut mit Wattestäbchen nötig. Die DKMS registriert ihre Spender seit Oktober 2017 auf diesem Weg, um Aufwand für den Spender und wertvolle Zeit bei der Typisierung zu sparen.

Wismarer: „Es war einfach selbstverständlich für mich“

Martin Henning sagt: „Es war einfach selbstverständlich für mich und es ist wirklich toll, dass das Team vom Wacken Open Air so engagiert ist und das Thema unterstützt. Die Metal-Family rockt eben.“

Allein an einem Tag hatten sich schon 370 potenzielle Spender auf dem Festival registrieren lassen.

Bereits seit einigen Wochen läuft der große Online-Appell – mit enormer Resonanz. Insgesamt registrierten sich online in diesem Jahr 1156 Metal-Fans bundesweit. Dazu kamen während des Festivals – am Registrierungstand im Camp der Wacken Foundation sowie am Aktionsstand der Initiative „Wacken hilft“ im Ort Wacken – 1956 dazu. Das Ergebnis: 10 000 Metal-Fans haben sich in den vergangenen sechs Jahren allein auf dem Wacken Open Air registrieren lassen.

Wacken in Schleswig-Holstein am vergangenen Wochenende: Rund 75 000 Heavy-Metal-Fans feierten das laut Veranstalter gröte Metal-Festival der Welt. Quelle: Axel Heimken/dpa

Wacken und DKMS arbeiten seit 2014 zusammen

Seit 2014 unterstützen die Veranstalter eines der größten Heavy-Metal-Festivals, Thomas Jensen und Holger Hübner, sowie das gesamte Wacken-Team die Arbeit der DKMS. Auslöser des außerordentlichen Engagements war die Erkrankung von Melissa, Tochter des 2018 verstorbenen Wacken-Produktionsleiters Thomas Hess, die auf eine Stammzellspende angewiesen war. Weltweit sind bei der DKMS den Angaben zufolge mehr als 9,2 Millionen Spender registriert. Und: 34 Stammzellspenden und damit 34 Lebenschancen wurden bislang durch das Engagement des Wacken-Teams ermöglicht.

Nach dem Wacken ist vor dem Wacken

Vom Wacken Open Air sind Martin Henning und seine Freunde schon zurück. Im nächsten Jahr wollen sie wieder zu dem riesigen Festival in dem kleinen Ort nahe Itzehoe – wenn es denn mit der Urlaubsplanung klappt. „Wir sind ein fester Kern aus ganz Deutschland und treffen uns immer in Wacken“, berichtet der 31-Jährige. Die nächsten Tage sind noch für die Entspannung eingeplant, dann geht es zurück zur Arbeit. Und vielleicht rettet Martin Henning irgendwann auch ein Leben durch eine Stammzellspende und wird zu Nummer 35 der Wacken-Spender.

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