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Norddeutschland Hinweise bereits im Jahr 2012
Nachrichten Norddeutschland Hinweise bereits im Jahr 2012
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16:13 30.03.2018
Quelle: dpa
Lübeck

Der Vorgang passt ins Bild. Schon 2012 hatte der Frauennotruf Lübeck Hinweise darauf, dass Detlef H. Frauen, die sich hilfesuchend an den Weißen Ring gewandt hatten, belästigt habe. H. wurde damit konfrontiert. Die Vorwürfe wurden auch der Polizei Lübeck vorgetragen – allerdings nur anonymisiert. Es sei ein Grundsatz der Notruf-Arbeit, dass man Informationen nur weitergebe, wenn die Frauen das ausdrücklich wünschten. Der „Spiegel“ berichtet allerdings mittlerweile von Vorwürfen einer Frau, ihr sei bewusst ausgeredet worden, Anzeige zu erstatten.

Wie auch immer: Der damalige Lübecker Polizeichef Heiko Hüttmann bestellte H. 2012 wegen der Vorwürfe zu zwei Gesprächen ein, so heißt es von der Polizeidirektion. Er sprach demnach danach auch mit dem Landeschef des Weißen Rings, Uwe Döring. H. müsse künftig „unbedingt die notwendige Distanz bei der Betreuung von Opfern einhalten“, habe Hüttmann gefordert. Döring beteuert heute, es sei damals nicht ausdrücklich um sexuelle Belästigungen gegangen, eher um eine Art Stalking. H. beriet derweil beim Weißen Ring weiter.

Im November 2016 kamen neue Vorwürfe auf. Für ein Ermittlungsverfahren reichten sie offenbar nicht. Hüttmanns Nachfolger Norbert Trabs forderte Döring dennoch auf, H. keine Frauen mehr betreuen zu lassen, die Opfer von Sexualdelikten geworden waren. Man habe mit H. damals schriftlich vereinbart, dass er gar keine Frauen mehr beraten dürfe – allenfalls unter sechs Augen, sagt Döring.

Kontrolliert habe man die Einhaltung der Vereinbarung aber nicht.

Als H. dann im Juli 2017 auch eine Mitarbeiterin der Polizeidirektion Lübeck sexuell belästigt haben soll, forderte Trabs von Döring endgültig Konsequenzen – die Abberufung H.s. Döring setzte dabei allerdings weiter auf eine „einvernehmliche Ablösung“, wie seine Anwältin jetzt erklärt. Der Bundesverband sei darüber informiert gewesen. Gegenüber den LN hatte Döring bereits bestätigt, dass sogar überlegt worden war, H. im Gegenzug die Verantwortung für die Öffentlichkeitsarbeit des Weißen Rings Lübeck zu übertragen. Das lehnte H. schließlich selber ab und trat zurück – im November 2017, vermeintlich aus freien Stücken. Über die wahren Hintergründe erfuhr die Öffentlichkeit erst mal nichts. Die waren erst Mitte März im „Spiegel“ und in den Lübecker Nachrichten zu lesen.

Detlef H. weist alle Vorwürfe zurück. Er habe Anzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts der üblen Nachrede und Verleumdung und der falschen Verdächtigung gestellt.

 Von Wolfram Hammer