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Norddeutschland Hitze-Alarm! Das Auto wird zur Sauna
Nachrichten Norddeutschland Hitze-Alarm! Das Auto wird zur Sauna
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09:53 26.07.2013
Der Schwedische Tourist Sven-Inge Lind ließ sein Auto auf dem Citti-Parkplatz in Lübeck vor der Abfahrt noch einmal ordentlich durchlüften. In den Pkws entstehen teilweise Terperaturen von fast 50 Grad Celsius.
Der Schwedische Tourist Sven-Inge Lind ließ sein Auto auf dem Citti-Parkplatz in Lübeck vor der Abfahrt noch einmal ordentlich durchlüften. In den Pkws entstehen teilweise Terperaturen von fast 50 Grad Celsius. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck

Der Schäferhund hatte keine Chance. Sein 44-jähriger Besitzer hatte ihn in Barmstedt (Kreis Pinneberg) in einem aufgeheizten Auto zurückgelassen. Das Tier starb nach Polizeiangaben an Herzversagen. Bei einer Außentemperatur von 33 Grad habe sich der in der prallen Sonne stehende Wagen stark erhitzt. Bereits 40 Grad Körpertemperatur können für einen Hund tödlich sein. Immer wieder kommt es auch vor, dass Eltern ihre Kinder auf der Rückbank im Fahrzeug zurücklassen — an heißen Hochsommertagen ein lebensgefährlicher Fehler.

Jetzt steht das vielleicht heißeste Wochenende des Jahres im Norden mit über 30 Grad bevor. Der Deutsche Wetterdienst hat bereits eine Hitzewarnung herausgegeben. Binnen kürzester Zeit können sich die Autos dann auf bis zu 60 Grad aufheizen (siehe Tabelle) — eine gefährliche Auto-Sauna.

Nach zehn Minuten Parken schon 43,9 Grad: Monika Ulbrich aus Sereetz

„Natürlich ist es immer entscheidend, wo der Wagen steht — grundsätzlich darf man die Gefahr aber nicht unterschätzen“, warnt Ulf Evert, Sprecher des ADAC Schleswig-Holstein. Ob der Wagen im Schatten stehe oder in der glühenden Mittagssonne, ob ein Fenster vielleicht offen gelassen wurde, wie lange das Fahrzeug in der Hitze stehe, das seien die Faktoren, auf die es ankomme. Auch die Farbe der Autos habe einen Einfluss — zumindest wenn es darum gehe, wie schnell sich das Fahrzeug erhitze, sagt Evert.

Eine größere Rolle spielen aber die Fensterscheiben. Während große und schräg gestellte Fenster der Sonne eine große Einlassfläche bieten, können steil stehende oder stark getönte Scheiben den Innenraum vergleichsweise kühl halten. Was passiert aber genau mit dem Körper, wenn er der Hitze im Auto ausgeliefert ist? Stefan Jans, Rettungsassistent vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Lübeck, erklärt: „Der menschliche Körper funktioniert nur in einer bestimmten Temperaturspanne. Wenn es zu kalt ist, findet kein Stoffwechsel mehr statt — und auch nicht mehr, wenn es zu heiß ist.“

Schadstoffe könnten nicht mehr abgebaut werden. „Der Körper versucht sich dagegen zu wehren, indem er durch Schwitzen versucht, sich abzukühlen. Irgendwann ist aber keine Flüssigkeit mehr da“, sagt Jans. Ab einer Körpertemperatur von über 42 Grad versagt schließlich der menschliche Organismus. Im schlimmsten Fall tritt der Hitzetod ein, weil die Organe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden und Herz und Kreislauf versagen. Kinder seien stärker gefährdet, weil sie weniger Reserven hätten und verhältnismäßig viel schwitzten.

Aber auch während der Autofahrt können hohe Temperaturen zu ernsten Problemen führen: Laut einer ADAC-Unfalluntersuchung nimmt die Zahl der Unfälle aufgrund von mangelnder Konzentration signifikant zu, wenn die Temperaturen steigen. Liegt die Zahl der deswegen verursachten Unfälle bei kühleren Außentemperaturen bei 47 Prozent, schnellt sie im Sommer auf 63 Prozent hoch.

Einfach nur schnell die Klimaanlage anzuschalten, ist dabei aber nicht immer die beste Lösung: Der ADAC rät, die Anlagen nicht zu kalt einzustellen. Denn zu starkes Herunterkühlen belastet den Kreislauf ebenfalls enorm. Deshalb sollte der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur nicht mehr als sechs Grad Celsius betragen. Der Automobilclub empfiehlt daher, beim Starten des aufgeheizten Autos kurz die Umlufttaste zu betätigen: So kühlt das Fahrzeug schneller ab, weil keine heiße Luft von außen zugeführt wird. Auf Kurzstrecken soll man am besten ganz auf die Klimaanlage verzichten und sich lieber bei geöffnetem Fenster den Wind um die Nase wehen lassen. Das spare zusätzlich noch Kraftstoff.

So können Sie sich vor der Hitze schützen
Vor UV-Strahlung sollten sich gerade Kinder und Jugendliche schützen, die längere Zeit im Freien, wie zum Beispiel am Strand, verbringen. Aber auch Menschen, die insbesondere in der Mittagszeit im Freien arbeiten, sind durch hohe UV-Strahlung gefährdet. Durch ausreichenden Sonnenschutz wie Sonnencreme oder einen Sonnenhut kann das Risiko, an Sonnenbrand und längerfristig an Hautkrebs zu erkranken, deutlich reduziert werden.

Auch für alte und für pflegebedürftige Menschen oder Kleinkinder und chronisch Kranke besteht eine erhöhte Gesundheitsgefährdung durch große Hitze. Es ist besonders darauf zu achten, dass sie ausreichend trinken und rechtzeitig wieder Schatten oder kühlere Bereiche aufsuchen. Für alle Menschen gilt bei den derzeitigen Temperaturen: Trinken, trinken, trinken — und zwar bis zu drei Liter Trinkwasser und keine gezuckerten Getränke. Weniger empfehlenswert ist auch Kaffee, weil das enthaltene Koffein Herz und Gefäße negativ beeinflusst und die Wasserausscheidung anregt.

Fahrten mit dem Auto sollte man während der Mittagshitze zwischen 12 und 15 Uhr meiden. Und besonders bei längeren Urlaubsfahrten ist es wichtig, regelmäßig Pausen einzulegen und dabei leichte Gymnastikübungen zu machen. Dadurch wird der Kreislauf in Schwung gebracht, und der Fahrer ist schnell wieder fit für eine Weiterfahrt.

Jan Wulf